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Erneutes Hochwasser : Deich bei Fischbeck geschlossen

Der Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt ist in der Nacht zu Freitag komplett geschlossen worden. Das teilte der Krisenstab mit. Um die Bruchstelle zu schließen, waren auf rund 150 Metern Spundbohlen zu einer Wand verbaut worden. Zuvor hatten zwei Scherenbagger die dort versenkten Schiffe zerteilt, um ausreichend Platz zu schaffen.

Deiche für neues Hochwasser gerüstet

Luftbild: Arbeiten an der Spundwand in Fischbeck
Der Deich bei Fischbeck konnte komplett geschlossen werden.

Auch eine weitere, rund 30 Meter lange Lücke im Deich bei Schönfeld im Kreis Stendal wurde laut Krisenstab bis zum Nachmittag mit Sand verfüllt. Die Öffnung war in den vergangenen Wochen geschaffen worden, um Wasser aus dem Hinterland in die Elbe abfließen zu lassen. Jetzt werde diese zeitweise wieder geschlossen, weil der Fluss wieder ansteige. Auch bei Breitenhagen im Salzlandkreis sei eine Lücke im Deich wieder verfüllt worden.

In den Hochwassergebieten richten sich die Menschen unterdessen auf steigende Elb-Pegel ein. Trotz der ergiebigen Regenfälle in Tschechien und Sachsen wird aber keine bedrohliche Lage erwartet. Die Einsatzzentrale des Landesbetriebes für Hochwasserschutz prognostiziert für Sonntag in Magdeburg einen Pegel von 4,10 Metern, am Montag werden 4,35 Meter erwartet. Ab Dienstag könnten die Pegel sogar wieder sinken. Bisher war von 4,50 Metern ausgegangen worden. Die Alarmstufe 1 werde vermutlich überschritten, Stufe 2 jedoch nicht erreicht, hieß es seitens der Hochwasserschützer. Am Sonnabendmittag zeigte der Elb-Pegel in Magdeburg 3,87 Meter - normal sind rund zwei Meter.

Neben dem geschlossenen Bruch in Fischbeck sind aus Sicht des zentralen Krisenstabes auch die anderen Deiche für die steigenden Pegel gerüstet. Einer Sprecherin zufolge werden die völlig aufgeweichten Deiche im Land intensiv beobachtet und seit Tagen an kritischen Stellen verstärkt. An einigen Stellen seien zudem Deichwachen unterwegs.

Theologe Schorlemmer fordert Umsiedlungen als Konsequenzen aus der Flut

Als Konsequenz aus der Flut forderte der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer, dass die Menschen in den überschwemmten Gebieten über einen Umzug nachdenken sollten. In der Leipziger Volkszeitung schrieb er: "Das muss gesagt werden: Wer in Überschwemmungsgebieten gesiedelt hat, wem nun mit Recht geholfen wird, dem muss gegebenenfalls verdeutlich werden, dass sein oft so schön gelegenes oder lang ererbtes Anwesen nicht wieder aufwendig hergestellt werden kann." Diese Menschen müssten ihr Heim an anderer Stelle errichten. Dabei hätten sie Anrecht auf Unterstützung.

Der einst in der DDR-Bürgerrechtsbewegung aktive Theologe warf der Politik vor, sich um unangenehme Entscheidungen zu drücken. Aus Angst, nicht wiedergewählt zu werden, fehle der Mut. "Es herrscht eine längerfristig verantwortungslose Feigheit vor", schrieb er weiter. Der Wittenberger sieht keine Lösung in höheren und verstärkten Deichen, diese würden das Flutproblem nur verstärken. Aus seiner Sicht sind mehr Polder und Rückhaltebecken in den Regionen nötig, in denen keine Menschen mehr leben. "Wer sehen will, was geschieht, wenn nichts geschieht, der fahre nach Fischbeck", argumtentierte Schorlemmer.

Zuletzt aktualisiert: 30. Juni 2013, 10:08 Uhr

16. Chiller:
Ein Nachtrag, weil die 1000 Zeichen nicht ausreichten: Vielleicht kennt sich hier ja jemand mit der Historie dieses Damms aus. Kann es sein, dass im Zuge des Baus der alten Elbbrücke (oder vorher schon) eine Verlegung des Deichs zur Elbe hin erfolgte, der Deich früher einmal hinter dem Junkernwiel verlief?
01.07.2013
16:24 Uhr
15. Chiller:
Dass man der Elbe im Bereich Tangermünde / Fischbeck nicht genug Raum gegeben hätte, lässt sich ja nicht sagen. Wenn die Elbe dort bei Normalwasser ~200m breit ist, dann würde ihr selbst an der schmalsten Stelle das Vierfache an Raum zur Verfügung stehen, vgl. auch Google-Earth-Aufnahmen. Wenn man die Problemstelle (die besagte "Ecke" im Kreuzungsbereich Alte Fährstraße - Damm), an der der Druck wohl am größten gewesen sein muss, vorher "entschärft", dort die ein oder andere Million sinnvoll investiert hätte, dann wäre der Damm wohl nicht gebrochen. Man muss sich vor Augen führen, dass derselbe Damm in der näheren Umgebung an mehreren Stellen rissig war, zum Teil absackte, dann an diesen Stellen mit Sandsäcken und Bigpacks stabilisiert wurde, er aber, soweit mir bekannt ist, nirgends gebrochen ist.
01.07.2013
16:21 Uhr
14. Klaus-Werner Linke:
Ich bin selbstständiger Handwerksmeister und das in der 5. Generation und nebenbei auch noch Ortsbürgermeister der Gemeinde Miltern seid 2002, die jetzt zur Verwaltungsgemeinschaft Tangermünde gehört. Viele sind der Meinung, das der Platz zwischen den Deichen größer werden muß, damit der Fluß mehr Raum bekommt. Die Flächen können doch landwirtschaftlich genutzt werden auf viele Einzelvarianten evtl gegliedert, und wenn ein Hochwasser der Ernte einen Strich durch die Rechnung macht, können diese Verluste mit wesenlich weniger Öffentlichen Mitteln ausgeglichen werden, als wenn es 10-tausende Haushalte und Betriebe betrifft, wo die Schäden ein vielfaches betragen würden. Parteiübergreifend sollten sich die Politiker einig sein, das es NICHT zur Verweigerung der Besitzer dazu kommen darf das Projekt umzusetzen. Da muß endlich eine harte Linie gefahren werden, denn keine Volkswirtschaft kann solche Katastrophen ständig finanziell händerln. M.f.G.
30.06.2013
16:28 Uhr
13. maik:
es liegt och voíel an den grünen wie zb oh ein baum muss gefällt werden siehe in md alte elbe sowas sollte mann verbieten da sie sich immer in weg stellen
30.06.2013
11:38 Uhr
12. varana:
Mein lieber anonymer ausfallender Kritiker, im Gegensatz zu Ihnen hat der mdr den Zaunpfahl, mit dem ich gewunken habe, verstanden und den Text korrigiert. Womit muss man bei Ihnen winken, vielleicht mit einer Spundbohle? Oder reicht ein kleiner Spund doch schon aus?
29.06.2013
23:08 Uhr
11. Pirol:
Es ist also wichtig, auch die historischen Quellen zu Rate zu ziehen und über eine neue Bautechnik für neue Häuser nachzudenken. Das vor Jahrhunderten erfolgte Deichbauten auch auf ihre Zweckmäßigkeit überprüft werden müssen, versteht sich von selbst. In den vergangenen Jahren sind sicher nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt worden, denn von der Stelle, an der der Deich brach in Fischbeck, war bekannt, dass sie kritisch ist,auch im Landratsamt Stendal. Andere Dinge waren wichtiger. Aber wir alle sind lernfähig.
29.06.2013
21:37 Uhr
10. Pirol:
Der Vorschlag von Arkesilas, sich in den Flut-Gebieten auf Weidewirtschaft zu beschränken, ist interessant, denn dieses wird bereits dort gemacht, seit mehr als 1000 Jahren, und mit einem ziemlichen Erfolg, der Ort Fischbeck ist die Wiege der deutschen Rinderzucht. Aber auch Weidewirtschaft benötigt Landwirte, die in den Gebieten wohnen. Es sind auch einige wenige Gehöfte, die sehr günstig auf natürlichen Hochflächen angesiedelt sind, vor schlimmen Schäden bewahrt worden, weil sie zu hoch für das Hochwasser liegen, genauso wie Kirchen. Diese Gründungen vor etlicher Zeit (in denen die Deiche noch nicht so hoch waren bzw. es gar keine gab) beweisen, dass eine Besiedlung der Gebiete möglich ist. Jedoch ist oft über Jahrhunderte Wissen um ungünstige Besiedlungsstellen verloren gegangen.
29.06.2013
21:35 Uhr
9. corsa772:
Wäre es nicht sinnvoller in die Deiche Fluttore einzubauen? Um dann bei der nächsten Flut kontrolliert im geringen Ausmass zu fluten?
29.06.2013
20:21 Uhr
8. heiko.huchthausen:
Einige Kommentare aus Klein Rosenburg geben mir echt zu denken. Hat man wirklich nichts gegen einen drohenden Deichbruch getan? Ich kann und möchte es mir nicht vorstellen ... Fahre nächste Woche dorthin, um vor Ort zu recherchieren: mit Deichwachen, Anwohnern usw. sprechen. Leider gab es bei uns auch einige Leute, die die so wichtige Arbeit als Deichwache mit Kaffeekränzchen und Plauderstündchen verwechselt haben ... Für einen effizienten Hochwasserschutz ist sicher ein ganzes Bündel an Maßnahmen angesagt und wir allen müssen wohl Opfer bringen: Überflutungsflächen, Umsiedlungen, Deichsanierungen - also auch viel Geld ... Schlußendlich sollten wir Bürger uns auch in geeigneter Weise einmischen und nicht weiterhin alles den gewählten Volksvertretern überlassen. Wohin das führt, haben wir gerade wieder allzu deutlich erfahren dürfen!
29.06.2013
17:58 Uhr
7. Arkesilas:
Warum beschränkt man sich in diesen Gebieten nicht auf Weidewirtschaft!? Steht eine Wiese mal unter Wasser, so ist das eigentlich kein Problem und sie läßt sich auch darnach leicht wieder nutzen, es sei denn im Überflutungswasser befanden sich irgendwelche Schadstoffe. In der Hinsicht muß in diesen Regionen auch nachgebessert werden.
29.06.2013
17:38 Uhr

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