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Sondersitzung im Bundestag : Große Mehrheit für Spanien-Hilfen

Die Abgeordneten des Bundestages mussten aus dem Urlaub nach Berlin kommen. Dort stand das Hilfspaket für spanische Banken auf der Tagesordnung. Obwohl die Zustimmung ziemlich sicher galt, gab es vor der Entscheidung eine heftige Debatte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel neben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
Bundeskanzlerin Angela Merkel neben Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble während der Abstimmung im Bundestag.

Der Bundestag hat das europäische Hilfspaket für Spanien mit großer Mehrheit gebilligt. Bei der Sondersitzung des Parlaments stimmten am Donnerstag in namentlicher Abstimmung 473 Abgeordnete für das Programm, 97 Parlamentarier votierten dagegen. Es gab 13 Enthaltungen.

Damit kann Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag in der Euro-Gruppe dem bis zu 100 Milliarden Euro schweren Banken-Hilfsprogramm von deutscher Seite zustimmen. Deutschland ist mit rund 29 Prozent Anteil der größte Garantiegeber des EFSF. Für ein Ja braucht Schäuble die Rückendeckung des Parlaments. Der Bundestag hatte beschlossen, dass er jedes Mal, wenn der Euro-Rettungsschirm zum Einsatz kommen soll, gefragt wird. Deshalb kehrten die Abgeordneten aus der Sommerpause für eine Sondersitzung nach Berlin zurück.

Steinmeier kritisiert Umgang mit der Krise

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier legte während der Diskussion Kanzlerin Angela Merkel indirekt nahe, angesichts schwindender Unterstützung in den eigenen Reihen die Vertrauensfrage zu stellen. Die Regierung handle planlos und überschreite ständig selbst gesetzte Grenzen. Auch die Grünen hielten der Regierung einen falschen Kurs in der Euro-Krise vor. In Spanien gebe es keine Staatsschuldenkrise, sondern eine Bankenkrise infolge einer geplatzten Immobilienblase, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Für Linksfraktionsvize Sahra Wagenknecht versenkt die Regierung im Zuge der Euro-Rettung Geld "im schwarzen Loch des Finanzmarkts", ohne den Menschen zu helfen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble verteidigte den eingeschlagenen Kurs. An einer Sanierung des angeschlagenen Bankensektors führe kein Weg vorbei. Schließlich gebe es eine "extreme Verunsicherung" an den Finanzmärkten, die zum Problem der Finanzstabilität der Eurozone geführt habe.

30 Milliarden noch in diesem Jahr

100 Milliarden Euro hat die Euro-Gruppe dem Land zugesagt, das selber mit höchstens 62 Milliarden Euro an Finanzhilfen rechnet. Das Geld aus dem Rettungsschirm EFSF soll innerhalb der nächsten 18 Monate an die Regierung in Madrid ausgezahlt werden, die es dann an die Banken weiterleitet. Die ersten 30 Milliarden Euro sollen noch in diesem Monat fließen, um Notfällen vorzubeugen.

Im Gegenzug muss Spanien Auflagen der EU-Gruppe erfüllen. Das Land verpflichtete sich, den Bankensektor, der wegen vieler fauler Immobilienkredite in der Schieflage ist, neu zu strukturieren. Die Gehälter der Manager müssen begrenzt werden. Die Banken sollen zudem Stresstests unterzogen werden. Geldhäuser, die keine Überlebenschance haben, sollen kein Geld erhalten. Die spanische Zentralbank muss jede Ausgabe aus dem Hilfsfonds begründen. EU-Kommission, Europäische Zentralbank und die Euro-Gruppe müssen die Ausgabe billigen.


Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2012, 20:38 Uhr

6. Uwe:
Weitere 29 Milliarden Euro für die wir Deutsche haften. Wann hört dieser Vaterlandsverrat endlich auf?!
19.07.2012
20:45 Uhr
5. HansMeiser:
Spanien-Hilfen? Banken-Hilfen!
19.07.2012
19:08 Uhr
4. HansMeiser:
Die Abgeordneten, welche dafür gestimmt haben, sollten auch persönlich dafür haften.
19.07.2012
18:52 Uhr
3. frank:
fuer die eigenen leute ist kein geld da!aber millijarden fuer andere laender!
19.07.2012
16:47 Uhr
2. HansMeiser:
Während in Deutschland eine Debatte über den Finanzausgleich zwischen den dt. Bundesländern läuft, stimmen die Abgeordneten für Bürgschaften und Finanzilfen für die überschuldeten Banken in Spanien ab. Das verstößt einerseits eindeutig gegen die EU Verträge, (no bail out) und zeigt andererseits die absolute Schizophrenie der Abgeordneten und der Regierung. Es soll mir ein Abgeordneter erklären, warum die dt. Bundesländer sparen sollen, wenn die spanischen Banken, welche Kredite für Luftschlösser an nichtsolvente Kreditnehmer ausgegeben haben, vom dt. Steuerzahler mit Milliarden gerettet werden sollen. Da fehlen sogar mir die Worte!
19.07.2012
15:42 Uhr
1. Frank:
Im Vertrag von Maastricht 1992 sollten finanzielle Unterstützungen für überschuldete Mitgliedstaaten ausgeschlossen sein. Deswegen legte sollte der Stabilitäts- und Wachstumspakt den Mitgliedstaaten konkrete Defizit- und Verschuldungsgrenzen auf und es wurde explizit eine strenge Nichtbeistands-Klausel vereinbart, die die Haftung der Union oder einzelner Mitgliedstaaten für die Verbindlichkeiten anderer Mitgliedstaaten untersagt. Dadurch sollte auch das Moral-Hazard-Problem verhindert werden, dass Mitgliedstaaten die Erwartung hegen, bei ungenügender eigener Haushalts- und Verschuldungsdisziplin darauf hoffen zu können, dass andere Staaten ihre Schulden zurückzahlen - dies sagt alles, jeder der gegen diese Verträge handelt (und das tun die Abgeordneten welche Trasfer - Leistungen Deutschlands zustimmen) macht sich strafbar. Die Namen sind bekannt und man wird sie zu gegebener Zeit zur Verantwortung ziehen. Das ist die rechtliche Folge eines Vertragsbruches.
19.07.2012
10:42 Uhr

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Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM)

Dieser dauerhafte Rettungsfonds löst den vorübergehenden EFSF voraussichtlich Mitte 2012 ab. Er soll 500 Milliarden Euro Kredithilfen zur Verfügung stellen können. Dabei werden die Euroländer nicht mehr nur Bürgschaften beisteuern, sondern zum Teil tatsächlich Kapital einzahlen. Das wird also unmittelbar die Staatshaushalte belasten.

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