Verschiedene Fahnen stehen in einer Schulklasse in einem Glas.
Viele Thüringer Kommunen stocken ihr Personal auf - zum Beispiel für Sprachkurse für Flüchtlingskinder. Bildrechte: dpa

Mehr Personal wegen Flüchtlingen Thüringer Kreise und Städte stellen ein

Für die neu angekommenen Flüchtlinge stocken die 23 Thüringer Landkreise und kreisfreien Städte ihr Personal deutlich auf. Nach einer Umfrage von MDR THÜRINGEN hat sich die Zahl der Mitarbeiter vor allem in Ausländerbehörden und im Bereich Jugend- und Soziales vervielfacht. Besonders gefragt sind Sozialarbeiter, die sich um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern.

Verschiedene Fahnen stehen in einer Schulklasse in einem Glas.
Viele Thüringer Kommunen stocken ihr Personal auf - zum Beispiel für Sprachkurse für Flüchtlingskinder. Bildrechte: dpa

Für die Betreuung und Verwaltung der Flüchtlinge haben Thüringer Landkreise und kreisfreie Städte ihr Personal deutlich aufgestockt. Nach einer Umfrage von MDR THÜRINGEN hat sich die Zahl der Mitarbeiter in einigen der zuständigen Ausländerbehörden, Sozial-, Jugend- und Gesundheitsämtern verdoppelt bis vervierfacht. Der Kreis Sonneberg hat 13 zusätzliche, Saalfeld-Rudolstadt 20, der Saale-Orla-Kreis nach eigenen Angaben 14 zusätzliche Kräfte eingestellt - vorrangig in der Ausländerbehörde und im Sozialamt.

Der Kreis Gotha wird 26,5 neu geschaffene Stellen besetzen, rund 17 davon unbefristet für die Betreuung minderjähriger Flüchtlinge. Landesweiter Spitzenreiter ist der Kreis Weimarer Land mit insgesamt 62 Kräften neuen Mitarbeitern. Davon sind 50 in dem kreiseigenen Heim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge beschäftigt. Besonders gefragt waren auch hier Sozialarbeiter. Ansonsten haben die Kreise neben Verwaltungsfachleuten auch Techniker eingestellt, um beispielsweise dezentrale Flüchtlingswohnungen zu betreuen und zu warten.

Umverteilen nur begrenzt möglich

Der Umfrage zufolge scheinen die Thüringer Städte die Aufnahme der Flüchtlinge besser mit ihrem vorhandenen Personal auffangen zu können. Wie die hochverschuldete Stadt Eisenach mitteilte, sind insgesamt 50 städtische Mitarbeiter mittel- oder unmittelbar in die Betreuung und Verwaltung der Flüchtlinge und Asylbewerber eingebunden. Um einzelne Ämter zu verstärken, seien fünf Mitarbeiter von anderen Stellen versetzt worden. Tatsächlich neu und befristet eingerichtet wurden "nur" sechs Stellen, die Hälfte davon über Fördertöpfe finanziert. Die Stadt Jena hat die beteiligten Behörden um 13 Personen verstärkt, von denen sechs neu eingestellt wurden. Die übrigen Abordnungen innerhalb der Verwaltung seien auf zwei Jahre befristet.
Die Stadt Weimar hat nach eigenen Angaben vorhandene Kräfte umverteilt und acht neue Leute eingestellt. Die Mehrzahl sind eingebunden in die Unterbringung der Flüchtlinge. Weitere geplante befristete Einstellungen will die Stadt davon abhängig machen, wie viele Flüchtlinge Thüringen erreichen.

Mehr Geld auch für Mieten und Telefonanschlüsse

Das neue, zusätzliche Personal braucht auch neue Arbeitsplätze mit Tischen, Stühlen und Telefonanschlüssen. Dazu kommen nach Angaben der Kommunen teilweise Mietkosten für zusätzliche Büroräume. Die Mehrkosten für die so genannten Sachmittel beziffert der Kreis Gotha auf rund 75.000 Euro. Die Stadt Jena führt einen Betrag von rund fünf Millionen Euro an. Darunter fallen nach Angaben von Finanzdezernent Frank Jauch neben Miet- und Betriebskosten die Gelder an Wohlfahrtsverbände, die im Auftrag der Stadt Jena die Flüchtlingsbetreuung übernommen haben.

Alle befragten Kommunen gehen davon aus, die Mehrkosten für Personal und Sachmittel vom Land Thüringen - wenn auch mit zeitlicher Verzögerung - erstattet zu bekommen.

Die Umfrage unter den 23 kreisfreien Städten und Kreisen wurde vom 16. bis 18. März durchgeführt. Informationen zu mehr Personal und Mehrkosten kamen von insgesamt 14. Die übrigen konnten nach eigenen Angaben aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen oder sie reagierten gar nicht.

Stadt/Kreis Welche Ämter sind beteiligt? Um wieviel neues Personal aufgestockt befristet/unbefristet Wie viel Sachmittel (mehr) geplant?
Eisenach Sozialamt, Jugendamt, Gebäudewirtschaft), Zentraler Service, Berufsfeuerwehr, Büro OB, Personal- und Organisationsamt, Finanzverwaltung Drei befristete Neu-Einstellungen
Drei neue über Förderprogramme
k.A.
Erfurt Bürgeramt, Amt für Soziales und Gesundheit,  Jugendamt  und Amt für Grundstücks- und Gebäude-verwaltung Nachtragshaushalt aus Dezember 2015 gibt grünes Licht für bis zu 60,75 neue Stellen.
29 sind bereits besetzt oder stehen davor; "Ob und inwieweit weitere Stellen ausgeschrieben werden hängt von der Entwicklung der Flüchtlingszahlen ab." Lt. Beschluss sollen aufgestockt werden: Grundstückverwaltung bis zu zehn; Bürgeramt: bis zu 14; Soziales&Gesundheit bis zu zwölf,
Jugendamt bis zu 15,5, Bildung bis zu sieben neue Leute
k.A.
Jena Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Fachdienst Soziales, Jugendamt, Integrationsbeauftragte,
Gesundheit, Bildung, Jobcenter
13 zusätzliche im Fachdienst Soziales, davon sechs Neueinstellungen; die übrigen befristete Versetzung Fünf Millionen Euro
(incl. der Kosten für Wohlfahrtsverbände)
Suhl Jugend- und Schulverwaltungsamt, Ausländerbehörde, Sozialamt Fünf neue Sozialarbeiter, eine Jugendhilfe, eine Verwaltungskraft Circa 3,9 Millionen Euro, darunter Dolmetscherkosten
Weimar Amt für Familie und Soziales
Sicherheit und Ordnung, IT und Zentraler Service, Gebäudewirtschaft
Volkshochschule, Kommunalservice Weimar
Acht Kräfte eingesetzt für Unterbringung, Allg. Sozialer Dienst, Amtsvormund, Ausländerbehörde; je nach Entwicklung geplant: weitere, teilweise befristete fünf Kräfte Aufgrund der aktuellen Lage werden derzeit keine Aufstockungen geplant.
Kreis Eichsfeld Recht- und Ordnungsamt, Ausländerbehörde, Sozialamt, Liegenschaftsamt, Jugendamt, Allgemeiner sozialer Dienst und Vormundschaften, Gesundheitsamt; Hauptamt 15,425 neue Vollzeitstellen,
teilweise befristet
Zusätzliche 441.000 Euro für Mieten etc.
Kreis Gotha Jugend-Sozialamt, Liegenschaften, Ausländerbehörde, Amtsvormünder, Gesundheitsamt 26,5 neue Stellen, vorrangig Jugend- und Sozialamt Mehrkosten Mieten und für die Schaffung einer Lagerfläche: 74.000 Euro
Kreis Greiz "Strahlt auf die gesamte Verwaltung aus" Neun mehr, "teilweise durch Umsetzung der Leute" geplant; weitere drei bis sechs neue, befristet "Aufstockung unabdingbar"
Keine exakten Angaben
Kyffhäuser Kreis Sozialbetreuer, unterstützende Dienste Fünf neue Sozialarbeiter u.a. "mit unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten" befristet "Eine Sachmittelaufstockung, bezüglich der Betreuung der Flüchtlinge, ist nicht vorgesehen."
Saale-Orla Kreis Immobilienmanagement, Ausländerbehörde, Asyl- und Sozialleistungen und Sozialbetreuung/"Stabsstelle" Zwölf Sozialarbeiter neu eingestellt; darunter zwei Amtsvormünder; plus zwei neue Hausmeister; k.A.
Kreis Saalfeld-Rudolstadt Ausländerbehörde, Jugendamt, Sozialamt, Gebäude- und Liegenschaftsverwaltung, Haupt- und Personamt, Rechtsamt, Kreiskämmerei, Amt für Brand- und Katastrophenschutz, Schulverwaltungsamt, Gesundheitsamt, Rechnungs-prüfungsamt, Jobcenter 20 neue überwiegend  befristet, dazu Umsetzen von Personal und Befristete auf Vollzeitstellen angehoben; geplant sind weitere Stellen, werden aber nur besetzt, wenn Bedarf durch ankommende Flüchtlinge entsteht k.A.
Saale-Holzland Kreis Jugendamt und Gesundheitsamt Sechs neue
im Jugendamt für Betreuung und Verwaltung
Mehr Geld, aber Höhe noch nicht kalkuliert
Kreis Sonneberg Ausländerbehörde, neues Amt für Migration, Jugend- und Sozialamt Insgesamt 13 neue im Amt für Migration, Jugend- und Sozialamt,
Hausmeister,
k.A.
Kreis Sömmerda Jugendamt, Gesundheitsamt, Kämmerei, Kasse, Gebäudemanagement, Liegenschaften, Sozialamt, Jobcenter Drei neue; je nach Bedarf werden weitere Neueinstellungen befristet oder unbefristet stattfinden "Aufstockung von Sachmitteln ist nicht geplant."
Weimarer Land Sozialamt, Ausländerbehörde, Ordnungs- und Rechtsamt, Haupt und Personalamt, Jugendamt  Finanzverwaltung, Gesundheitsamt 62 neue auf zwei Jahre befristete Stellen - allein 50 davon für Einrichtung eines Heims für alleinreisende, minderjährige Flüchtlinge "Aufstockung der Sachmittel ist nicht vorgesehen. Die entstehenden Kosten werden aus Haushaltsmitteln des Landkreises vorfinanziert".
Hildburghausen und Altenburger Land abgesagt wegen Termingründen oder Krankheit      

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2016, 21:00 Uhr

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12 Kommentare

22.03.2016 20:46 Klaus 12

{ O-Perler 9 } Ich rechne jeden Monat ab und es wird immer besser, denn die Wirtschaft brummt.

22.03.2016 20:44 Klaus 11

{ Fred 10 } 90 fleißige können problemlos 10 Faule mitschleppen, aber es gibt sicher auch Landstriche, wo das Verhältnis eher umgekehrt ist. Und wenn die 10 % Fleißige dann auch noch anderswo ihr Glück suchen, ist es mancherorts ganz schön duster. Bei uns ist das nicht so, da brummt die Wirtschaft, ein neuer Kindergarten wurde erst gebaut, die Schule ist komplett saniert und auch sonst ist alles in Ordnung. Aber auch ausländische Mitbürger haben wir schon seit Jahrzehnten, die alles mit aufgebaut haben. Bei uns da gibt es keine Jammerlappen, da wird nicht lange lamentiert, sondern kräftig angepackt. Der Staat kann nicht alles regeln, das sollte man nach über 25 Jahren gelernt haben. Der Staat ist nur so stark wie die Bürger, die ihn tragen.

22.03.2016 06:03 Fred 10

Die Kommunen gehen am Stock, da ist für nichts Geld da und uns wird aufgetischt, dass die Wirtschaft brummt. Das widerspricht sich so sehr. Schaut doch einfach auf die Infrastruktur, da ist kein Geld da. Wenn man dann liest da glauben echt welche, da ist viel Geld da, nur zum Kopf schütteln.

22.03.2016 01:56 O-Perler 9

Die Asylindustrie lebt und gedeiht! Das ist ganz im Sinne der Rot-Rot-Grünen; von den Merkelianern sowieso! Alles unproduktiv - verbraucht Mittel, schafft aber keine Werte. Irgendwann wird der Moment kommen, daß diejenigen, die diese Werte schaffen, sie nicht mehr in dem Maße zur Verfügung stellen können, wie es die Einheitsparteien Deutschlands verlangen. Und das ist der Zeitpunkt der Abrechnung...

21.03.2016 23:29 Klaus 8

{ REXt 7 } Solange man keine Kartenhäuser baut können diese auch nicht zusammenbrechen. Eine Blase kann nur entstehen, wenn man mit Wertsteigerungen finanziert, die sich nicht realisieren lassen. Es kommt eben darauf an wie man etwas finanziert. Man darf nicht mit flüchtigen Werten kalkulieren und am Bedarf vorbei produzieren. Die Sache ist eigentlich recht einfach. Solide Häuser bauen war noch nie ein Fehler, wenn man nicht gerade in der Pampa baut. Etwas Marktforschung gehört auch dazu.

21.03.2016 23:20 Mediator 7

Jammer jammer jammer - man kann auch alles schlecht reden. Die EU ist ein Elitenprojekt? Klar! Dumme Menschen ohne Visionen haben die EU sicherlich nicht schrittweise über Jahrzehnte umgesetzt. Nur wer profitiert von Frieden, fehlenden Zöllen und fehlenden Währungsschwankungen? Vor allem der deutsche Arbeitnehmer in Lohn und Brot. In einer globalen Welt wird Deutschland alleine immer bedeutungsloser! Woher kommt das Geld für die Flüchtlinge? Es ist da! Es wird in der Wirtschaft verdient und es wird ausgegeben weil es notwendig ist. Da unterscheidet sich der Staat nicht von einer Famile. Man hält das Geld gerne zusammen aber wenn etwas kaputt geht, dann holt man es aus dem Sparstrumpf oder nimmt einen Kredit für eine Investition auf. Auch in der Familie wägen wir ab ob man einen Kredit für einen Urlaub oder doch eher für eine defekte Waschmaschine aufnimmt. Nur bei den Grundbedürfnissen der Flüchtlinge wird rumgeheult, dass man doch für ein bischen Luxus auch gerne mehr Geld hätte.

21.03.2016 21:52 REXt 6

Was passiert eigentlich, wenn die Wirtschaft mal nicht mehr "brummt"?
Wenn das viele Häuser bauen auf Pump, sich als Immobielienblase entpuppt?
Wie steht es mit dem Euro,die Null Zins Politik der EZB, birgt große Risiken?
Die Altersarmut wird trotz der vorgesehene Mindestrente steigen?
Wenn dieses "Europäische Kartenhaus " zusammen bricht, weis ich schon, wer die große "Zeche" bezahlt!

21.03.2016 21:02 Klaus 5

{ Schrumpel 3 } Manche Leute sind erschreckend uninformiert. Bei uns sprudeln die Steuerquellen, weil die Wirtschaft brummt. Außerdem wird die Wirtschaft durch den Zuzug von Flüchtlingen gefördert, es entstehen zusätzliche Arbeitsplätze usw. Natürlich haben die Leute ein Problem, die sowieso nicht arbeiten wollen, die haben von dem Aufschwung nix und das ist auch gut so.

21.03.2016 20:57 Klaus 4

{ BaldFremdImEigenenLand 2 } Wer immer noch aufs Sparen setzt, ist selbst schuld. Häuser bauen ist angesagt. Man zahlt fast keine Zinsen und die Wohnungen sind schnell und gut vermietet. Man muss wirtschaftlich denken.

21.03.2016 20:42 Herr Altmann 3

Ich hoffe doch das sie ein paar freundliche Beamte finden, hatte mal Pech gehabt.