Probleme mit dem Brandschutz : Eröffnung von Berliner Flughafen verschoben
Passagiere und Wirtschaft werden noch einige Monate auf den Flughafen Berlin-Brandenburg verzichten müssen: Anders als geplant kann er nicht am 3. Juni in Betrieb genommen werden. Grund sind unter anderem Probleme beim Brand- und Katastrophenschutz.
Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld wird nicht wie geplant am 3. Juni eröffnet. Das hat Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke in Potsdam bestätigt. Woidke sagte, es sei "unklar, wann der Flughafen eröffnet wird, ob im August, ob im September. Die Sicherheit geht vor."
Wowereit und Platzeck üben Fassung
Der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck reagierte "stocksauer". Man habe sich letztlich dazu entschieden, die Reißleine zu ziehen. Ein anderer Beschluss sei bei der Größe des Projekts nicht möglich gewesen, sagte Platzeck. Jetzt müsse es darum gehen, den neuen Flughafen in der zweiten Augusthälfte zu eröffnen und "die Nerven zu behalten". Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sprach von einer bitteren Erkenntnis. Es habe aber keine Alternative zur Verschiebung gegeben.
Die Eröffnungsfeier abgesagt
Eigentlich sollte der Flughafen offiziell am 24. Mai mit großem Programm eröffnet werden. 40.000 Gäste müssen nun wieder ausgeladen werden. Ein logistisches Großvorhaben ist auch die Schließung der beiden Flughäfen Schönefeld und Tegel. So war ursprünglich für die Nacht zum 3. Juni ein Umzug zum neuen Airport geplant, für den rund 600 Lkw-Fahrten vorgesehen waren. Die Autobahn in Richtung Schönefeld sollte mehrere Stunden geschlossen werden.
IHK schockiert, Zweckoptimismus bei Lufthansa
Woidke begründete die Verschiebung mit Problemen beim Brand- und Katastrophenschutz sowie bei den Meldewegen und Türabsperrungen. "Es kann also keine Abnahme vom TÜV geben. Sie sind noch nicht so weit." Es gebe keine abnahmefähigen Unterlagen. Flughafenchef Rainer Schwarz sagte, nun werde für die Inbetriebnahme "ein Termin nach der Sommerpause" angestrebt.
Die Industrie- und Handelskammer sprach nach der neuerlichen Verschiebung von einem schlechten Tag für den Wirtschaftsstandort Berlin. IHK-Sprecher Bernhard Schodrowski sagte, der neue Flughafen sei ein Wachstumsmotor für die Region und müsse deshalb zügig in Betrieb gehen. Die Lufthansa äußerte hingegen Verständnis: Mit Blick auch das Chaos bei der Eröffnung des fünften Terminals des Flughafens London-Heathrow vor vier Jahren sagte ein Sprecher, das dürfe sich in Berlin nicht wiederholen. In London waren damals Flüge ausgefallen, außerdem hatte es Chaos mit dem Gepäck gegeben.
Zweite Verschiebung seit 2011
Die Eröffnung des Flughafens in Schönefeld wird damit bereits zum zweiten Mal verschoben. Ursprünglich sollte er im November 2011 in den Betrieb gehen. Noch vor zwei Wochen hatte sich die Geschäftsleitung überzeugt davon gezeigt, dass die Genehmigungen für den Brandschutz diesmal rechtzeitig auf dem Weg sein würden. Doch schon damals gab es Medienberichte, wonach im Terminal die Belüftungsanlage für den Brandfall nicht ordnungsgemäß funktioniere.
Der neue Flughafen soll den Flugbetrieb in der Hauptstadt bündeln: Der Airport Tegel soll wie das Empfangsgebäude des bisherigen Flughafens Schönefeld geschlossen werden. Tempelhof hatte schon 2008 den Betrieb eingestellt.
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