SPD-Chef bei MDR INFO Gabriel kritisiert Schließung der Balkanroute

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat bei MDR INFO vor neuen Fluchtwegen nach Europa gewarnt. Gabriel bezog sich in dem Interview auf die Schließung der Balkanroute. "Die große Gefahr ist, dass wir im Sommer dann das Mittelmeer wieder zu einem Riesenfriedhof machen," sagte Gabriel. Deshalb würden Bundeskanzlerin Merkel und er für gesamteuropäische Lösungen plädieren.

Es dürfe nicht jedes Land einen Zaun bauen und damit den Strom der Flüchtlinge in ein anderes Land umleiten. "Es gibt Menschen, die sagen, die Staaten in Osteuropa machen sozusagen die Drecksarbeit für die Deutschen, indem sie dort die Grenzen hochziehen." Er sei skeptisch, dass dies auf Dauer halte: "Immer wenn wir einen Zaun bauen in Europa, werden sich Menschen andere Routen suchen." Jetzt gehe es über Bulgarien oder über Albanien.

Türkei-Abkommen stärkt Vertrauen in europäische Lösung

Nach Ansicht von Gabriel hat sich die Position Deutschlands in der EU zuletzt wieder verbessert: "Wir waren ja doch sehr isoliert", sagte der Vizekanzler. Nach dem türkischen Angebot, Flüchtlinge zurückzunehmen, gebe es aber wieder mehr Vertrauen in eine europäische Lösung. Dazu gehöre, die Lebensbedingungen in den Nachbarländern von Syrien zu verbessern.

Neben dem Rücknahme-Abkommen mit der Türkei gehe es "um eine feste Zahl von Flüchtlingen, die wir nach Europa holen - nicht nur nach Deutschland". Es könne nicht sein, dass Deutschland das einzige Land sei, das Flüchtlinge aufnimmt. Die Türkei sage nicht zu Unrecht, wenn sie keine Flüchtlinge mehr rüberlasse und Schlepper stilllege, dann habe sie ja trotzdem Nachschub an Flüchtlingen aus Syrien. Deshalb gehe es in den jetzigen Verhandlungen um die Frage, wie viele Menschen Europa der Türkei abnehme.

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2016, 19:00 Uhr

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20 Kommentare

12.03.2016 15:38 Kritischer Bürger 20

Wie viel Wert hat also die Kritik des Herrn Gabriel?

12.03.2016 15:37 Kritischer Bürger 19

@Ralf112-18: Ich habe viele Wochen vor Ihrer im Kommentar angeführten Feststellung schon ausgeführt/getroffen, das die Grenze dicht gemacht werden müsste und das die Flüchtlinge, ob nun mit oder ohne Handys, von Mund zu Mund-Gespräche oder anders von den geschlossenen Grenzen erfahren und es sich nicht lohnt gefährliche Wege zu beschreiten. Das es nun nicht mit den Rückführungen nach der Türkei klappt, sondern wie hier in der deutschen Politik wieder angeordnet wurde, das jedem Bootsflüchtling in Griechenland das Recht auf einen Asylantrag zusteht und dieser in Griechenland gestellt werden möchte, aus diesem Grund von den dort unten patrollierenden Booten, also im Mittelmeer aufgegriffenen Flüchtenden, alle nach Griechenland gebracht werden möchten. Jetzt stellt sich die Frage: Wie Mutti, soll es weiter gehen, sie will doch keine Flüchtlinge direkt aus Griechenland in Deutschland aufnehmen(?) und die Türkei mag auch nicht jeden zurücknehmen, der nach Griechenland flieht / geflohen ist.

12.03.2016 14:16 Ralf112 18

@12 Henriette: ??????????? Sie wollen doch nicht mit der Türkei kooperieren. Also nehmen wir an, wir würden das nicht machen, warum sollte dann die Türkei überhaupt jemanden zurücknehmen. Ohne eine Kooperation nehmen die gar niemanden zurück und Zurückbringen funktioniert dann auch nicht. Und was sollte es bringen, wenn die Türkei mit zirka 2,5 Mio Syrern im eigenen Land die Grenzen schließt. Also kann Ihr Plan doch nur darin bestehen, die Menschen vor der EU-Außengrenze abzuwehren und daher nochmal die Frage, wie wollen Sie das machen? Selbst der Kritische Bürger hat verstanden, dass das nur funktioniert, wenn den Menschen klar wird, dass es sich nicht lohnt, überzusetzen, weil man sofort wieder zurückgebracht wird!

12.03.2016 12:54 Morchelchen 17

Was denn, Herr Gabriel? So wenig Vertrauen in die eigene Regierung, also das eigene Können? Die Kanzlerin hat doch gesagt, dass nun der Flüchtlingsansturm merklich nachlassen wird. Und genau das die vergangenen Tage als Errungenschaft der neuesten Verhandlungen regelrecht euphorisch im Fernsehen kund getan hat.

12.03.2016 12:08 Alf 16

Sehr geehrter Hr. Gabriel, in der Türkei herrscht Bürgerkrieg bzw. die Minderheit der Kurden wird dort massiv unterdrückt und dies soll ein verlässlicher Partner der EU sein? Erstaunlich ist, wie zurückhaltend sich hier Regierung und die deutsche Presse verhalten. Die Türkei hat massiv mit in Syrien eingegriffen und macht gar nichts gegen die illegalen Grenzübertritte nach Griechenland, sondern nutzt dies maximal aus, um Geld, Visafreiheit und EU-Mitgliedschaft zu bekommen. Leben Sie weiter in ihrer Phantasiewelt, die Wähler werden Ihnen und Fr. Merkel die entsprechende Antwort morgen geben.

12.03.2016 11:55 Pirnaerin 15

Merkel und Gabriel scheinen es nicht zu begreifen, dass jedes Land das Recht hat, seine Grenzen zu schützen. Und es ist gut so, dass sich vor allem die Balkanländer von Deutschland nicht bevormunden lassen. Merkel und Gabriel sollten sich um die Asylanten in Deutschland kümmern. Da waren zuletzt Hunderttausend nicht registriert oder untergetaucht. Da sind viele mit mehreren Identitäten unterwegs und und und. Merkel und Gabriel haben ihren eigenen Laden nicht im Griff, aber wollen andere bevormunden.

12.03.2016 11:48 Kritischer Bürger 14

@Ralf112-10: … und das mit dem Aufnehmen wird so bleiben wie es ist, es wird weiter keiner sich diese Menschen ins Land holen, obwohl man davon ausgehen kann das diese Menschen nicht lange dort bleiben in diesen Ländern und weiter ziehen gen Germany. Wann wird das nur solchen Menschen wie Ihnen klar werden? Politiker haben eine Verringerung der Zuwanderung beschlossen und es ist kontraproduktiv, dies schon wieder in Frage zu stellen, denn von sich aus wird Zuwanderung nie abnehmen, solange Kriege und Verfolgungen von Minderheiten in dieser Welt bestand haben. Genau darauf hat EU wie auch Deutschland keinerlei Einfluss, auch wenn man es gern so hätte, denn dann würde es sicherlich viel weniger Leid geben.

12.03.2016 11:42 Kritischer Bürger 13

@Ralf112-10: Wieso sind Sie so sicher das Menschen weiter vor der Küstenregion Griechenlands ertrinken, wenn jeder der Flüchtlinge weiß das die Grenzen dicht sind und es sich nicht lohnt noch diesen gefährlichen 'Weg gehen zu wollen um dann ggf. in Griechenland zu "stranden". Ich schrieb in dieser Hinsicht =Grenzschließung= das sich Griechenland mit Spanien in Verbindung setzen möchte, denn dort hat man die vorgelagerte Insel(n) gesichert und heute sehen nur noch ganz, ganz wenige zu dort über das Mittelmeer auf die Inseln, die zu Spanien gehören, zu kommen. Warum sollte das nicht auch in Griechenland klappen? Sind zwar mehr Inseln, aber jetzt ist Frontex dort unten und das sollte man nutzen um Griechenland vor einer Katastrophe zu schützen, denn die Zuwendungen an die Türkei steht auf tönernen Füßen und wird nicht die letzte Forderung sein, nach noch mehr Milliarden Euro ansonsten ..... naja!

12.03.2016 11:19 Henriette 12

@Ralf112: +++++Zitat:"Türkei und Griechenland zu schützen, ohne die Menschen vor der eigenen Küste ertrinken zu lassen. Oder Sieht so Ihre Lösung aus?" -----nein, das ist doch ihre Lösung. Genau wie Herr Gabriel haben sie nicht aufgepasst. Die Türkei nimmt, wenn überhaupt, nur die zurück, die "nicht" ertrunken sind, anstatt ihre Grenze zu schützen.

12.03.2016 10:31 Holger 11

Die EU bietet aktuell ein Bild der Zerstrittenheit und immer mehr Länder sagen sich los von einer nötigen gesamteuropäischen Lösung der Flüchtlingsproblematik. Das Verhalten Europas ist nicht nur ein Armutszeugnis, nein ist einfach menschenverachtend, wenn man glaubt jahrzehntelang gemachte politische und wirtschaftliche Fehler mit einem Grenzwall um Europa zu lösen. Keinerlei Umdenken dieser Politik, welche ganze Regionen zu billigen Rohstofflieferanten machte immer dabei den eigenen Profit im Auge, um den Wohlstand weniger Industrieländer zu garantieren. Und wenn die dortigen Machthaber nicht mitmachen und unangenehm sind, wird halt mit militärischer Gewalt nachgeholfen - siehe Afghanistan, Irak, Lybien oder ganz aktuell Syrien. Die Folge - Menschen sind gezwungen zu flüchten und Keiner will sie haben, auch nicht vor der eigenen Haustür. Auch wir in Europa werden für dieses Abschotten noch unsere Zeche quittiert bekommen!!!