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Verkaufspläne gestoppt : Gagfah behält Dresdner Wohnungen

Auf dem deutschen Wohnungsmarkt wäre es eine der größten Transaktionen in diesem Jahr geworden: Der luxemburgische Immobilienkonzern Gagfah wollte seine rund 38.000 Wohnungen in Dresden abstoßen. Mit dem eingenommenen Geld sollten Kredite getilgt werden. Doch nun hat der Konzern von der Verkaufsidee Abstand genommen. Offenbar waren die Angebote nicht rentabel genug.

Der Immobilienkonzern Gagfah bläst den Verkauf seiner 38.000 Dresdner Wohnungen ab. Die Idee werde nicht weiter verfolgt, teilte das luxemburgische Unternehmen am Montag mit. Einen konkreten Grund nannte der Konzern nicht.

Die zum US-Finanzinvestor Fortress gehörende Gagfah hatte im vorigen Sommer ihre Verkaufsabsicht für die Dresdner Wohnungen öffentlich gemacht. Mit den Einnahmen sollten hauseigene Kredite getilgt werden. Der Konzern hatte einst für den Kauf der kommunalen Wohnungen ein Darlehen in Höhe von rund einer Milliarde Euro aufgenommen. Nun sollen die fälligen Schulden nicht durch den Verkaufserlös gedeckt werden, vielmehr will der Konzern neue Kredite aufnehmen. Eine entsprechende Einigung sei in den kommenden Wochen geplant, sagte eine Gagfah-Sprecherin.

Konkurrentin hatte bereits Interesse angemeldet

Aus Finanzkreisen verlautete in den vergangenen Tagen, dass es durchaus Käufer für die Tausenden Dresdner Wohnungen gegeben hätte – wie beispielsweise die expansionshungrige Gagfah-Konkurrentin "Deutsche Wohnen". Es wäre in diesem Jahr einer der größten Immobilienverkäufe in Deutschland geworden. Als Kaufpreis waren laut Agenturberichten etwa 1,6 Milliarden Euro geboten worden. Bei dieser Summe hätte die Gagfah Verluste gemacht. Konzernchef Stephen Charlton hatte zudem schon vor einem Jahr deutlich gemacht, dass man nicht um jeden Preis verkaufe. Nun haben auch Tausende Dresdner Mieter eine Sorge weniger. Der Dresdner Mieterverein hatte vor Tagen erklärt, bleibe die Gagfah weiterhin Eigentümer, wüssten die Mieter woran sie seien.

Dresden auf einen Streich schuldenfrei

Die Gagfah hatte 2006 rund 1,8 Milliarden Euro für die Wohnungen der Dresdner Wohnungsbaugesellschaft (Woba) bezahlt. Die Summe setzte sich damals aus knapp einer Milliarde Euro für die Wohnungen zusammen, zudem kam das Unternehmen für die Dresdner Schulden in Höhe von über 741 Millionen Euro auf. Mit der Privatisierung des Wohnungsbestandes hatte die sächsische Landeshauptstadt einen guten Deal eingefädelt: Mit einem Schlag war sie schuldenfrei. Der luxemburgische Investor begründete den Kauf 2006 damit, dass Dresden zu den wachstumsstärksten Städten in Deutschland gehöre.

Das Verhältnis zwischen Gagfah - dem zweitgrößten Immobilienkonzern Deutschlands - und der Stadt Dresden war zuletzt deutlich angespannt. Zwischen beiden Seiten hatte es einen Rechtsstreit um den Mieterschutz gegeben. Die Stadt pochte auf die Einhaltung der beim Kauf abgeschlossenen Sozialcharta und wollte das Unternehmen zu einer Vertragsstrafe von mehr als einer Milliarde Euro verklagen. Schlussendlich einigte man sich gütlich: Die Gagfah wurde verpflichtet, 36 Millionen Euro an die Stadt zu zahlen. Der Konzern bekam außerdem Auflagen erteilt, preiswerten Wohnraum bereitzustellen. Im Vergleich wurde zudem festgelegt, dass die Sozialcharta bis April 2021 verlängert wird. 

Die gut vermieteten Plattenbauten in Dresden machen etwa ein Viertel des gesamten Gagfah-Vermögens aus. Für den Konzern hat, auch wenn er seinen Milliarden-Kredit refinanzieren sollte, das Zittern noch kein Ende. Denn das Unternehmen ist auch auf Konzernebene hoch verschuldet.

Zuletzt aktualisiert: 05. Februar 2013, 11:56 Uhr

3. Theo Turm:
Schuldenfrei auf Kosten der Mieter. Kommunale Wohnungen sind für Mieter und bezahlbare Mieten da und nicht für Investoren und Renditen. Das haben die Politiker noch nicht verstanden, ja. Aber die verstehen so einiges erst, wenn sie abgewählt
06.02.2013
18:32 Uhr
2. Kurt Müller:
Vom Anfang an war mir klar,dass der Mieter der DUMME immer dabei ist.Die Stadt Dresden hat mit dem Verkauf die Bindung zum Wahlvolk verletzt und es wird Zeit, diese für immer zu ändern. Wahlen können auch was verändern.
05.02.2013
14:12 Uhr
1. jens :
ein guter deal für die stadt dresden - dass ich nicht lache! warum sollte gagfah denn die immobilien abstossen, jetzt, wenn wir gerade am anfang einer immobilienblase stehen. gagfah will doch nicht unbedingt einen gewinn aus der vermietung ziehen. es geht eigentlich nur um spekulation. wenn die preise hoch genug sind, werden sie die wohnungen auch abstossen. sicher nicht alle auf einmal, sehr schöne und besonders nachgefragte auch einzeln als eigentumswohnungen. mich würde nur noch interessieren, welche der damen und herren stadträte, die damals diese entscheidung getroffen haben, in einer gagfah-wohnung zur miete wohnen und welche im eigenen haus in sehr guter lage.
05.02.2013
08:56 Uhr

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