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Neukirchen : Gedenken an schweres Zugunglück vor 40 Jahren

In Neukirchen im Landkreis Zwickau ist am Dienstag an das schwere Zugunglück vor 40 Jahren im Ortsteil Schweinsburg-Culten erinnert worden. Damals waren auf der Strecke Leipzig-Plauen zwei Schnellzüge aufeinandergeprallt. 25 Menschen starben, etwa 70 wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Neukirchens Bürgermeisterin Ines Liebald sagte, das Ereignis beschäftige noch Generationen danach. Die Opfer sollten nicht vergessen werden. Deshalb fand am Unglücksort ein stilles Gedenken statt, zu dem Überlebende, Angehörige und damalige Rettungskräfte, aber auch Vertreter des Kreises und der Deutschen Bahn kamen.

Frontalzusammenstoß in dichtem Nebel

Sachsen/ Ein Personenzug faehrt am Freitag (26.10.12) im saechsischen Neukirchen bei Crimmitschau am Denkmal fuer die Opfer des Zugungluecks vom 30. Oktober 1972 vorbei.
An der Gedenkstele für das Zugunglück legen Betroffene und Anghörige noch regelmäßig Blumen und Kränze nieder.

Das Unglück hatte sich am 30. Oktober 1972 ereignet. Eigentlich sollten der verspätete "Karola"-Expresszug Leipzig-Karlovy Vary und der D-Zug Aue-Berlin im Bahnhofsbereich Schweinsburg-Culten auf der sonst eingleisigen Strecke aneinander vorbeigeleitet werden. Der Lokführer des "Karola"-Expresses übersah aber offenbar wegen dichten Nebels ein Haltesignal und bemerkte auch nicht das warnende Winken des Schweinsburger Fahrdienstleiters. Kurz darauf ereignete sich die Katastrophe.

Ein Einsatzhelfer und Augenzeuge schilderte, die Elektro-Lok des D-Zugs habe halb auf der spitzen Schnauze des Diesel-Express' gelegen, Personenwagen waren ineinander verkeilt. Einem Rettungsarzt zufolge wurden einige Passagiere samt den Sitzen aus den Waggons geschnitten und in die Kliniken gebracht. Die meisten hätten schwere innere Verletzungen gehabt. Die Ärzte wären auf so eine Katastrophe damals nicht vorbereitet gewesen, sagte der Mediziner. Entsprechende Notfallübungen seien erst mit Gründung der Schnellen und Dringlichen Medizinischen Hilfe in der DDR um 1980 eingeführt worden.

Denkmal gegen das Vergessen

In der DDR-Presse wurde nur regional und sehr knapp über das Zugunglück berichtet. Panzer zogen die zertrümmerten Wagen schnell von den Gleisen, am Tag danach war die Strecke schon wieder frei. Die Reichsbahn-Akte im Staatsarchiv Dresden ist immer noch unter Verschluss. Ein Grund für die Geheimhaltung war die Beteiligung eines internationalen Zuges an dem Unglück Der Neukirchner Christian Meyer initiierte gemeinsam mit Kirchgemeinde und Heimatverein ein Denkmal gegen das Vergessen. Seit zehn Jahren steht nun nahe dem Unglücksort eine Gedenkstele in Form eines Andreaskreuzes und einer abgebrochenen Achse.

Der Dieseltriebzug "Karola" gehörte wie der "Karlex" oder der "Vindobona" zu den Vorzeige-Fahrzeugen der Deutschen Reichsbahn. Sie fuhren im internationalen Verkehr in die Tschechoslowakei, nach Ungarn, Schweden und Österreich. Der eine nach dem Unglück schwer beschädigte Zugteil wurde 1973 zerlegt, der andere Teil 1982 abgestellt.

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2012, 21:48 Uhr

4. Isabella Schulz:
Mein Mann war unter den Toten. Erst seit dem 22.10.2012 wissen wir, daß Alkohol im Spiel war. Es gibt einen Unfallbericht und eine Stasiakte. Für uns als Betroffene ist es unfassbar, wie das Lokpersonal des Zuges "Karola" .vor Dienstantritt 15 Flaschen Radeberger Pils trinken kann
01.11.2012
08:05 Uhr
3. Reiner Arndt:
Wieso ist die damalige Reichsbahnakte heute immer noch unter Verschluss? WAS gibt es denn bitteschön noch zu verheimlichen?
31.10.2012
17:07 Uhr
2. M. Warga:
Diese Geschichte meines Vaters U. Wagner bewegt mich immer wieder. Er hat tatsächlich die Engel Gottes dort an diesem grausamen Ort erlebt und das Ereignis wurde für ihn zum Wendepunkt in seinem Leben und er wurde gläubiger Christ. Mögen alle Überlebenden dieses Unglücks Frieden in Gott finden.
30.10.2012
20:55 Uhr
1. G. Thost:
Als Student habe ich in Zwickau auf den Doppelstockzug aus Aue gewartet, der total überfüllt einfuhr. Es wurden noch 3 einfache Wagen zwischen Lok und Zug gehängt. Diese waren sofort voll, da habe ich einen Stehplatz im ersten Doppelstockwagen an der Tür gewählt. Beim Zusammenstoß wurde ich die Treppe hinunter geschleudert. Ich suchte instinktiv mit der Hand Halt in der Notbremse. Eine Frau keifte mich sofort an: "Warum haben Sie die Notbremse gezogen?" Dann war Stille. Eine Schaffnerin sagte, wir sollten alle aussteigen, der Zug sei mit einem anderen zusammengestoßen, es gäbe auch Tote. Beim Vorbeigehen an der Kollisionsstelle war nur ein Riesentrümmerhaufen zu sehen und oben drauf eine Lok. Wir wurden relativ zügig mit Bussen abgeholt und nach Leipzig zum Hbf gebracht. Dort fuhr ich per Zug weiter Richtung Premnitz und setzte mich in den ersten Waggon, denn der war - wie hätte es anders sein können - schön leer...
30.10.2012
17:56 Uhr

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