Neukirchen : Gedenken an schweres Zugunglück vor 40 Jahren
In Neukirchen im Landkreis Zwickau ist am Dienstag an das schwere Zugunglück vor 40 Jahren im Ortsteil Schweinsburg-Culten erinnert worden. Damals waren auf der Strecke Leipzig-Plauen zwei Schnellzüge aufeinandergeprallt. 25 Menschen starben, etwa 70 wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Neukirchens Bürgermeisterin Ines Liebald sagte, das Ereignis beschäftige noch Generationen danach. Die Opfer sollten nicht vergessen werden. Deshalb fand am Unglücksort ein stilles Gedenken statt, zu dem Überlebende, Angehörige und damalige Rettungskräfte, aber auch Vertreter des Kreises und der Deutschen Bahn kamen.
Frontalzusammenstoß in dichtem Nebel
Das Unglück hatte sich am 30. Oktober 1972 ereignet. Eigentlich sollten der verspätete "Karola"-Expresszug Leipzig-Karlovy Vary und der D-Zug Aue-Berlin im Bahnhofsbereich Schweinsburg-Culten auf der sonst eingleisigen Strecke aneinander vorbeigeleitet werden. Der Lokführer des "Karola"-Expresses übersah aber offenbar wegen dichten Nebels ein Haltesignal und bemerkte auch nicht das warnende Winken des Schweinsburger Fahrdienstleiters. Kurz darauf ereignete sich die Katastrophe.
Ein Einsatzhelfer und Augenzeuge schilderte, die Elektro-Lok des D-Zugs habe halb auf der spitzen Schnauze des Diesel-Express' gelegen, Personenwagen waren ineinander verkeilt. Einem Rettungsarzt zufolge wurden einige Passagiere samt den Sitzen aus den Waggons geschnitten und in die Kliniken gebracht. Die meisten hätten schwere innere Verletzungen gehabt. Die Ärzte wären auf so eine Katastrophe damals nicht vorbereitet gewesen, sagte der Mediziner. Entsprechende Notfallübungen seien erst mit Gründung der Schnellen und Dringlichen Medizinischen Hilfe in der DDR um 1980 eingeführt worden.
Denkmal gegen das Vergessen
In der DDR-Presse wurde nur regional und sehr knapp über das Zugunglück berichtet. Panzer zogen die zertrümmerten Wagen schnell von den Gleisen, am Tag danach war die Strecke schon wieder frei. Die Reichsbahn-Akte im Staatsarchiv Dresden ist immer noch unter Verschluss. Ein Grund für die Geheimhaltung war die Beteiligung eines internationalen Zuges an dem Unglück Der Neukirchner Christian Meyer initiierte gemeinsam mit Kirchgemeinde und Heimatverein ein Denkmal gegen das Vergessen. Seit zehn Jahren steht nun nahe dem Unglücksort eine Gedenkstele in Form eines Andreaskreuzes und einer abgebrochenen Achse.
Der Dieseltriebzug "Karola" gehörte wie der "Karlex" oder der "Vindobona" zu den Vorzeige-Fahrzeugen der Deutschen Reichsbahn. Sie fuhren im internationalen Verkehr in die Tschechoslowakei, nach Ungarn, Schweden und Österreich. Der eine nach dem Unglück schwer beschädigte Zugteil wurde 1973 zerlegt, der andere Teil 1982 abgestellt.
4 Kommentare
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.


