EU-Behörde fast sicher Glyphosat nur "wahrscheinlich" nicht krebserregend

Der meistbenutzte Unkrautvernichter Glyphosat ist angeblich nicht krebserregend. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) erklärte, das Mittel stelle vermutlich keine krebserregende Bedrohung für den Menschen dar. Es schädige wahrscheinlich auch nicht das menschliche Erbgut.

Aufgenommene Menge begrenzen

Ganz sicher ist sich die Efsa aber scheinbar doch nicht. Sie fordert deshalb, die Giftigkeit von Glyphosat neu zu definieren. Sie empfiehlt zudem, die täglich aufgenommene Menge von Glyphosat beim Menschen auf 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu begrenzen.

Die EU-Behörde kommt in ihrer neuen Bewertung des Unkrautvernichters zu einem anderen Schluss als Umweltschützer und die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Damit dürfte sie den Weg für eine weitere Nutzung des Mittels in der EU bereitet haben. Die Zulassung des vom US-Konzern Monsanto hergestellten Herbizids läuft Mitte 2016 aus. Die EU-Kommission will auf Basis des Efsa-Gutachtens über eine Neuzulassung für weitere zehn Jahre entscheiden.

Unkrautvernichter im Getreide und in der Milch

Die zur WHO gehörende Krebsforschungsagentur IARC hatte im März geurteilt, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend bei Menschen sei - das ist die zweitgefährlichste Warnstufe. Beunruhigend findet die IARC, dass Rückstände des Herbizids nicht nur im Getreide, sondern auch in Muttermilch- und Urinproben zu finden sind. Außerdem stellte sie fest, dass Landwirte, die mit Glyphosat gearbeitet haben, ein erhöhtes Risiko für Lymphknotenkrebs aufwiesen.

Die Europäische Efsa greift die IARC indirekt an. Man habe mehr wissenschaftliche Erkenntnisse für sein Urteil berücksichtigt, als die IARC. Außerdem habe man nicht nur Glyphosat allein bewertet, sondern auch in Zusammensetzung mit anderen Stoffen.

Kritik und Freude über Efsa-Urteil

Während Umweltschützer und Grüne empört auf die Efsa-Stellungnahme reagierten, begrüßte sie die Branche sie. Die Arbeitsgemeinschaft Glyphosat, in der mehrere Pestizid-Hersteller organisiert sind, kommentierte, glyphosat sei ein wertvoller Baustein einer modernen und nachhaltigen Landwirtschaft.

Der BUND dagegen erklärte, würde Glyphosat verboten, wäre die industrialisierte Landwirtschaft, die ohne den massiven Einsatz von Spritzmitteln nicht auskomme, grundsätzlich infrage gestellt. Greenpeace kritisierte, die Efsa habe sich auf unveröffentlichte Studien der Glyphosat-Hersteller gestützt.

Auf Gehwegen verboten

Der grüne Europaparlamentarier Martin Häusling forderte, die Anwendung von Glyphosat auszusetzen, bis alle offenen Fragen geklärt seien. Er hält das Mittel für so gefährlich, dass es eigentlich verboten werden müsste. Zu Recht dürfe der Unkrautvernichter nicht auf Gehwegen angewendet werden.

Geradezu paradox für ihn ist, dass Landwirte Glyphosat zwar ins Getreide spritzen dürfen, aber das glyphosathaltige Stroh dann fast wie Sondermüll behandeln müssen. Sie dürften es nicht verwenden, wohl aber das Getreide.

Umweltschützer kritisieren zudem, dass die Efsa-Bewertung von Glyphosat auf einer Einschätzung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung basiert. Denn Europas Lebensmittelaufsicht hat kein Geld für eigene Studien.

Zuletzt aktualisiert: 04. März 2016, 13:52 Uhr

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3 Kommentare

12.11.2015 18:43 Bernhard 3

Interessant wie wissenschaftlich unhaltbar doch die Kommentare sind. Geht es um Glyphosat ist die Meute der Gegner wie die Ufo Gläubigen. I want to believe...
Das auch der MDR ausschließlich negativ Darstellungen bringt und auch im Artikel hier wieder ein 'angeblich' benutzt zeigt dass hier die Presse einen einschlag in eine ganz bestimmte Richtung hat.
Schade um meine Gema Gebühren.

12.11.2015 18:17 Hans-Georg Köster 2

Glyphosat ist nachweislich hochgradig giftig .Es gibt hunderte von Berichten und Tests die dieses eindeutig belegen .Selbst in den ÖR ist darüber berichtet worden .So wird auch berichtet das wichtige Landwirtschaftsvertreter in den Firmenetagen mit sitzen .
Die EU zeigt wieder einmal deutlich das es ihnen nur ums Geld geht und die Belange von Monsanto geht ,aber niemals um den Verbraucherschutz .In unsere Nähe sind nach dem spritzen eines Feldes hunderte Bienen eingegangen .
Brüssel betreibt meiner Meinung nach Firmenlobby auf Kosten der Gesundheit der Menschen .Da hilft kein Zeigefinger heben ,sondern eine Anklage und Demos auf der Straße .

12.11.2015 17:19 Anni 1

Mit Glyphosat können Millionenumsätze erzielt werden. Und der Konzern ist zu mächtig und einflussreich, als das man ihm an die Karre fahren kann. Glyphosat ist krebserregend und ein Umweltgift. Es tötet die Fauna und Flora, die Insekten, dringt ins Grundwasser und ist auf ewige Sicht nicht abbaubar. Aber was zählt das alles schon, wenn momentan Geschäfte gemacht werden können. Zukünftige Probleme werden komplett geleugnet und verdrängt. Die EU-Bhörde gibt natürlich wieder klein bei, wie so oft, Beispiel TAFTA.