Mauer-Projekt : "Den Opfern die Würde zurückgeben"
Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall soll jetzt die Geschichte der Opfer an der innerdeutschen Grenze erforscht werden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann sagte bei der Vorstellung des Projektes, es solle nicht nur die Zahl festgestellt, sondern den Toten auch ihre Würde wiedergegeben werden.
Ziel sei es, sagte Neumann, die Biografien aller Opfer des DDR-Grenzregimes zu dokumentieren. Ihr Schicksal soll damit aus der Anonymität geholt werden. Das Projekt wird aus dem Etat des Kulturstaatsministers sowie von den Ländern Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen mit einer halben Million Euro gefördert. Andere Länder mit einstigen Ost-West-Grenzen, wie Sachsen und Thüringen, haben kein Interesse bekundet.
Umgesetzt wird das Projekt von Wissenschaftlern des Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin. Sie wollen bis 2015 die Schicksale aller innerdeutschen Grenzopfer erforschen. Dafür durchforsten die Wissenschaftler ost- und westdeutsche Archive, ebenso Stasi-Unterlagen, Dokumente der Volkspolizei und des Bundesgrenzschutzes. Außerdem sollen Zeitzeugen befragt werden. Sachsen-Anhalt koordiniert die Forschung. Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh sagte MDR aktuell, um Geschichte zu vermitteln, müsse man Biographien kennen.
Bislang nur Opferzahl von Berliner Mauer erfasst
Bislang ist lediglich die Opferzahl an der Berliner Mauer wissenschaftlich erfasst. Danach starben zwischen 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen durch das DDR-Grenzregime. Jahrelang hatte es Forderungen gegeben, auch die Gesamtzahl der Opfer zu erforschen. Das private Berliner "Museum Haus am Checkpoint Charlie" betreibt eigene Nachforschungen und gibt in jedem Jahr neue Zahlen der Toten heraus.
Nach dessen Angaben starben 1.676 Menschen durch das DDR-Grenzregime. Allerdings wird diese Zahl von Wissenschaftlern bestritten. Sie werfen dem Museum vor, auch DDR-Bürger aufzulisten, die an den Grenzen Bulgariens, Ungarns, Polens und der CSSR ums Leben kamen. Zudem zählt das Mauermuseum auch Selbstmorde von Grenzsoldaten mit.
Innerdeutsche Grenze
Damit bezeichnete man die von 1952 bestehende Staatsgrenze der DDR zur Bundesrepublik, die 1.400 Kilometer lang war. Sie bestand aus einem fünf Kilometer breiten Sperrgebiet und wurde durch Grenzschützer, Minen und Selbstschussanlagen gesichert. Nach der Grenzöffnung am 9. November 1989 wurden die Sicherungsanlagen Schritt für Schritt abgebaut.



Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.