65. Geburtstag : Gysi will von Rückzug nichts wissen
Eigentlich könnte Gregor Gysi jetzt in Rente gehen - schließlich feiert er heute seinen 65. Geburtstag. Doch der Fraktionschef der Linken denkt nicht ans Aufhören. Im MDR-Interview wünscht sich Gysi neue politische Erfolge für seine Partei. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich führt er sie als einziger Spitzenkandidat in diesem Jahr in die Bundestagswahl. Auch hätte Gysi, der als witziger Redner bekannt ist, nichts dagegen, "im Wald mal einem goldenen Zwerg zu begegnen", der ihm drei Wünsche gewährt. Welche das wären, erzählt er im Interview.
"Ich hatte auch ein bisschen Glück"
Gysi ist ein Politik-Quereinsteiger. In der DDR arbeitete er als Anwalt und vertrat prominente Dissidenten wie Rudolf Bahro und Robert Havemann. Einen Monat nach dem Mauerfall wurde er Vorsitzender der SED-PDS und machte die später nur noch als PDS firmierende Partei wieder gesellschaftsfähig. Doch ein einfacher Weg war das nicht. Bekannte Bürgerrechtler warfen Gysi Anfang der 90er-Jahre vor, Zuträger der Stasi gewesen zu sein. Mit diesem Vorwurf wurde er immer wieder medial konfrontiert, bis er sich schließlich gerichtlich dagegen erfolgreich zur Wehr setzte. Dem Bundestag gehört der brilliante Analytiker seit 1990 an - es gab hier lediglich eine fünfjährige Unterbrechung. Wenn er jetzt seine gesellschaftliche Stellung mit der von 1990 vergleicht, dürfe er nicht nur jammern, meint Gysi, sondern müsse resümieren: "Ich hatte auch ein bisschen Glück in meinem Leben."
Bei Vorwürfen bleibt Gysi stur
Nach einem innerparteilichen Streit über internationale Militäreinsätze kündigte Gysi im April 2000 seinen Rückzug aus der Politik an. Die Abstinenz dauerte nicht lange. Schon ein Jahr später zog er ins Berliner Abgeordnetenhaus ein, im Jahr 2002 wurde er Berliner Wirtschaftssenator, stolperte aber wenig später über eine Flugmeilen-Affäre.
2005 verkündete Gysi sein politisches Comeback und trat er wieder für den Bundestag an. Zusammen mit Oskar Lafontaine wirkte er in den folgenden Jahren maßgeblich an der Gründung der gesamtdeutschen Linken mit und fuhr bei der Bundestagswahl 2009 ein Rekordergebnis von 11,9 Prozent ein. Dass er nicht aufgegeben habe, verwundert Gysi nicht. Er sei "ein Sturkopf", sagt er im MDR-Gespräch. Wenn man ihm Vorwürfe mache, dann müsse er bleiben. Hätte man ihn loswerden wollen, hätte man netter zu ihm sein müssen.
300 geladene Geburtstagsgäste
Gysi feiert seinen Geburtstag ein wenig staatstragend. Nur wenige Schritte vom Sitzungssaal seiner Linke-Fraktion entfernt und mit Blick auf den Plenarsaal im Bundestag hat er zum Empfang geladen: 300 Gäste stehen auf der Liste. Ein ruhiger Geburtstag wird es also nicht.


