Nach der Flucht von Silvio T. : Womöglich keine Besuche in Privatwohnungen mehr
Nach der Flucht des Schwerverbrechers Silvio T. überlegt das Justizministerium Sachsen-Anhalt, ob besuche in Privatwohnungen künftig überhaupt noch genehmigt werden können. Das Ministerium denke auch darüber nach, elektronische Fußfesseln einzusetzen. Das müsse aber zunächst mit anderen Ländern abgesprochen werden. Denn derzeit fehle dafür noch die gesetzliche Grundlage.
Flucht von Silvio T. war eine Ausnahme
Die Flucht von Silvio T. bewertete Kolb als Einzelfall. Es sei seit Jahren der erste Fall, dass eine Vollzugslockerung missbraucht worden ist. Trotzdem sei das Sicherheitsbedürfnis der Menschen beeinträchtigt und deshalb seien zusätzliche Sicherungen nötig, sagte die Ministerin. Dazu gehöre auch, dass im Gefängnis Burg alle geplanten Ausgänge überprüft werden. In den kommenden zwei Monaten sollen sie nur in Ausnahmen genehmigt werden. Zudem werden die Entscheidungswege verändert, ob ein Gefangener zu Besuchen fahren darf oder nicht.
Ausgänge in Burg zunächst gestrichen
Außerdem sollen die Straftäter bei ihren Ausgängen künftig von Justizbediensteten begleitet werden, die sie aus dem Gefängnisalltag kennen und auch Veränderungen erkennen können. Die Polizei vor Ort soll über die Aufenthalte der Häftlinge informiert werden. Eine Neuerung ist bereits seit dem Wochenende umgesetzt. Weil das Fahndungsfoto von Silvio T. bereits drei Jahre alt war, sollen die Beamten bei sämtlichen Ausgängen aktuelle Fotos von den Gefangenen machen.
Trotz aller Verschärfungen bekannte sich Kolb zum freiheitsorientierten Strafvollzug. Dieser werde nicht zuletzt auch von den Gerichten eingefordert. Entsprechend lag die Zahl der bewachten Ausgänge nach Angaben aus dem Gefängnis Burg im vergangenen Jahr bei 600. In diesem Jahr sind es bislang 478 Ausgänge. Nicht alle Ausgänge führten allerdings zu Familie und Bekannten, sondern auch zu Gerichten und Behörden. Kolb betonte, dass das Ziel soziale Kontakte und ein Umfeld seien, die möglichst dafür sorgten, dass keine weiteren Straftaten passierten.
Kinderfeste hinter Gittern
Auf der Pressekonferenz gaben Kolb und die Gefängnisleitung außerdem weitere Informationen zu Silvio T. und seiner Flucht bekannt. So habe T. eine Sozialtherapie angestrebt und sich auf Gespräche eingelassen. Das sagte die stellvertretende Leiterin der JVA Burg, Ulrike Hagemann, am Montag in Magdeburg. Außerdem hat sich T. im Gefängnisalltag von Fluchtgedanken distanziert.
Hagemann sagte weiter, dass seinen Aufenthalten außerhalb des Gefängnisses Besuche seiner Ex-Frau und seines Kindes im Gefängnis vorausgegangen seien. Es habe dort auch Kinderfeste und unüberwachte Besuche hinter Gittern gegeben. Dabei habe der 36-Jährige ein Bild eines engagierten Vaters abgegeben, sagte Hagemann.
Die Flucht von Silvio T.
Am 14. August hatte Silvio T. bei einem begleiteten Ausgang seine Wachen ausgetrickst und war geflohen. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stellte ihn nach zehn Tagen Flucht in Berlin-Marzahn. Im Gefängnis Burg sollen nun alle geplanten Ausgänge überprüft werden.
T. ist unter anderem wegen Vergewaltigung und Raub verurteilt. Noch bis 2024 muss er eine Haftstrafe absitzen. Danach ist für ihn die Sicherungsverwahrung angeordnet. Er gilt als gefährlich und brutal.
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