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MDR-Studie : Hartz IV reicht nicht für Stromkosten

Hartz-IV-Empfänger bekommen zu wenig Geld für Strom. Das ergab eine Studie der Gemeinnützigen Gesellschaft für Verbraucher und Sozialberatung (GVS) im Auftrag des MDR.

Hunderte Euro fehlen

Ein Stecker steckt in einer Doppelsteckdose.
Viele Hartz-IV-Empfänger müssen beim Strom draufzahlen.

Der Studie zufolge sind im aktuellen Hartz-IV-Satz für einen Single-Haushalt jährlich 321,80 Euro für Strom vorgesehen. Der Strom des günstigsten Anbieters für einen Ein-Personen-Haushalt in Sachsen koste aber jährlich 435,50 Euro, dem Haushalt fehlen also jährlich 113 Euro, in Thüringen liegt der Fehlbetrag sogar bei 147 Euro. Für eine vierköpfige Familie in Sachsen bedeutet dies, dass jedes Jahr theoretisch Stromschulden bis zu 524 Euro angehäuft werden. In Thüringen beträgt der Fehlbetrag 346 Euro, in Sachsen Anhalt 393. Hochgerechnet auf ganz Mitteldeutschland werden demnach an die Hartz-IV-Haushalte fast 70 Millionen Euro zu wenig ausgezahlt.

Auf Grundversorger angewiesen

Erschwerend hinzu kommt für die Hartz-IV-Empfänger, dass sie in der Regel auf den kommunalen Grundversorger angewiesen sind. Ein Wechsel zu einem möglicherweise günstigeren Anbieter ist oft nicht möglich, weil die privaten Unternehmen in vielen Fällen die Bonität ihrer Kunden prüfen.

Gezwungen, am Essen zu sparen

Der Paritätische Wohlfahrtsverband kritisiert die Entwicklung. Die Entwicklung führe dazu, dass Hartz-IV-Empfänger gezwungen seien, an Essen und anderen Dingen zu sparen, um ihren Strom bezahlen zu können. In den vergangenen Jahren sei der Strompreis jedes Jahr im Schnitt um acht Prozent gestiegen, Hartz-IV-Empfänger seien daher finanziell unterversorgt. Auch der Deutsche Caritasverband fordert mehr Flexibilität um die Preissteigerungen auffangen zu können.

"Hier wurde jede Chance genutzt, bei der Berechnung des Hartz-IV-Satzes selbst an kleinsten Beträgen zu sparen."

Rudolf Martens
Leiter der Forschungsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes

570.000 Bedarfsgemeinschaften im MDR-Gebiet

Das Problem der Unterdeckung der Hartz-IV-Sätze besteht bundesweit. Der GVS zufolge ist die Situation in Mitteldeutschland durch die hohen Strompreise sowie überdurchschnittliche Arbeitslosenzahlen allerdings verschärft, heißt es. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit fast 570.000 Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften.

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2011, 22:55 Uhr

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