MDR FIGARO : Schauspieler Jürgen Hentsch mit 75 gestorben
Der Theater- und Filmschauspieler Jürgen Hentsch ist tot. Er starb am 21. Dezember 2011 im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Rüdersdorf. FIGARO ändert aus diesem Grund das Programm und sendete am 22. Dezember eine Lesung mit Jürgen Hentsch.
Jürgen Hentsch, mit seinen Charakterrollen bekannt geworden in Film, Fernsehen und Theater, ist tot. Hentsch starb nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren.
Für die Gestaltung des Heinrich Mann in Heinrich Breloers "Die Manns – ein Jahrhundertroman" wurde er 2002 mit den Adolf-Grimme-Preis geehrt, für seine Rolle als Herbert Wehner in "Im Schatten der Macht" erhielt er 2004 den Deutschen Fernsehpreis.
Jürgen Hentsch begann seine Theaterlaufbahn in Gera und Karl-Marx-Stadt, 1965 ging er ans Deutsche Theater in Berlin. Ab 1987 spielte er an der Schaubühne in West-Berlin und am Burgtheater Wien. Seine Darstellungskunst bestach durch einen sehr differenzierten, eindringlichen Umgang mit der deutschen Sprache und durch die große Lauterkeit, Seriosität und Güte seiner Charaktere.
Hörspiele und Lesungen
Wenn Jürgen Hentsch nicht vor einer Kamera stand, beeindruckte er auch als Hörspielsprecher mit seiner dunklen, samtenen Stimme. Hentsch war unter anderem zu hören in Michael Bulgakows "Der Meister und Margarita", mit Mendel Singer in Joseph Roths "Hiob", in Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit", in Philip Roths "Der menschliche Makel" und in "In 80 Tagen um die Welt" von Jules Verne.
Über den Schauspieler
Geboren wurde Jürgen Hentsch am 17. März 1936 in Görlitz. Als Abiturient sollte er eine Zeitung in den Müll werfen, in die seine Großmutter die Kartoffeln geschält hatte. Dabei fiel ihm eine Such-Offerte der Berliner Schauspielschule ins Auge. Sein Entschluss stand fest. Mitte der 1950er-Jahre zog Jürgen Hentsch von Görlitz nach Berlin und erlernte dort sein Handwerk an der Staatlichen Schauspielschule (später Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch"). Nach vollendeter Ausbildung und verschiedenen Rollen wurde er vom Karl-Marx-Städter Schauspiel 1966 nach Berlin ans Deutsche Theater geholt. Bis in die 1980er-Jahre gehörte er dort zum Ensemble.
Mitte der 1980er-Jahre verließ Jürgen Hentsch die DDR in Richtung Westen. Seine Schauspiellaufbahn setzte er erfolgreich fort, stand im Wiener Burgtheater und den Münchner Kammerspielen auf der Bühne. Außerdem war er in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu erleben. Die erste Filmrolle spielte Hentsch 1965 in Hermann Zschoches DEFA-Film "Karla", der jedoch von der DDR-Zensur verboten wurde. Weitere Höhepunkte seiner Filmschauspiel-Karriere waren Konrad Wolfs Antikriegsfilm "Ich war 19" (1968) und Siegfried Kühns "Zeit der Störche" (1971).
Und auch im Westen bzw. später im wiedervereinigten Deutschland war er häufig als Darsteller in verschiedenen TV- und Filmrollen zu sehen. Jürgen Hentsch spielte unter anderem den Physiker Werner Heisenberg in dem Fernsehfilm "Ende der Unschuld" (1990), in "Der Totmacher" (1995) den ermittelnden Professor Dr. Ernst Schultze im Ermittlungs-Kammerspiel um den Massenmörder Haarmann (gespielt von Götz George) oder die Rolle des Herbert Wehner im Brandt-Politikfilm "Im Schatten der Macht" (2003).
Programmänderung
MDR FIGARO wird am Donnerstag, 22. Dezember 2012, sein Programm ändern und ab 22:00 Uhr aus seiner Lesung von Stefan Zweigs "Sternstunden der Menschheit" senden. Hieraus die Episoden "Die Weltminute von Waterloo" und "Die Entdeckung Eldorados" (MDR FIGARO 2008).
Angaben zur Sendung
Sternstunden der Menschheit
Jürgen Hentsch liest Stefan Zweig
Regie: Petra Meyenburg
Produktion: MDR 2008
Sendung:
Do, 22.12.2011, 22:00-23:00 Uhr
Von "schicksalsträchtigen Stunden, in denen eine zeitüberdauernde Entscheidung auf ein einziges Datum, eine einzige Stunde zusammengedrängt ist", erzählt der österreichische Autor Stefan Zweig in seinem wohl bekanntesten Buch "Sternstunden der Menschheit". Umfasste es in der Erstausgabe von 1927 lediglich 5 "historische Miniaturen", kamen posthum noch 7 weitere hinzu, und in der aktuellen Ausgabe des S. Fischer Verlags sind zwei weitere Essays zu finden, die bereits in einer englischen Ausgabe von 1940 zu lesen waren. Sehr verschieden sind die Ereignisse, denen Zweig den Wert von Sternstunden beimisst. Dabei sucht er sich nicht unbedingt die großen Geschehnisse heraus, die in allen Geschichtsbüchern stehen, sondern eher unbekanntere, aber, für die Menschheit im Rückblick gesehen, bedeutsame. So geht es z. B. um die Verlegung des ersten transatlantischen Telefonkabels ebenso, wie um die Entdeckung des Pazifiks, die Entstehung von Goethes Marienbader Elegie oder die Rückkehr Lenins nach Russland. Zweig schreibt nicht wissenschaftlich analytisch, sondern fesselnd, farbig, in einer wunderbar sensiblen Sprache mit subtilem Gespür für Emotionen. Dabei ist der Weltautor nach eigener Aussage "nirgends versucht, die seelische Wahrheit der äußeren oder inneren Geschehnisse durch eigene Erfindung zu verfärben oder zu verstärken", denn "die Geschichte bedarf keiner nachhelfenden Hand."


