Herbstgutachten : Wirtschaftsforscher halbieren Wachstumsprognose
Die führenden Wirtschaftsinstitute im Land haben ihre Wachstumsprognose für das nächste Jahr halbiert und warnen vor einer drohenden Rezession. Das geht aus dem Herbstgutachten der Forscher hervor.
Selbst gedämpfte Prognose ist optimistisch
Demnach wird das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr bei 0,8 liegen, 2013 bei einem Prozent. Im Frühjahr waren die Ökonomen noch von einem Zuwachs von 0,9 Prozent in diesem Jahr und zwei Prozent im nächsten ausgegangen. Die Arbeitslosenquote dürfte den Forschern zufolge leicht steigen: von 2,892 Millionen in diesem Jahr auf 2,903 im Jahr 2013. Diese Prognosen sind allerdings noch optimistisch - Bedingung dafür ist, dass sich die Lage im Euroraum stabilisiert und dadurch die Zuversicht der Investoren zurückkommt. Diese Entwicklung sei aber "keineswegs gesichert". Sollte sich die Eurokrise weiter zuspitzen, würde auch die deutsche Wirtschaft getroffen, hieß es. "Über den gesamten Prognosezeitraum gesehen überwiegen die Abwärtsrisiken, und die Gefahr ist groß, dass auch Deutschland in eine Rezession gerät", warnen die Ökonomen.
Griechenland "nicht zu retten"
Die negativen Aussichten hängen auch mit der wirtschaftlichen Lage in Griechenland und dem Anleihenkauf-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen. So fordern die Wirtschaftsforscher in dem Gutachten die Möglichkeit einer geregelten Staatsinsolvenz in Europa. Der Ökonom Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel sagte, "wir vermuten, dass Griechenland nicht zu retten ist". Die Chefin des Internationalen Wirtschaftsfonds (IWF), Christine Lagarde, will Athen hingegen zwei Jahre länger geben, um sein Konsolidierungsprogramm umzusetzen. Zum Anleihenkauf-Programm der EZB heißt es im Herbstgutachten, die Probleme der Krisenländer würden mittelfristig nur mit Strukturreformen und konsequentem Schuldenabbau gelöst. Langfristig könnte das Programm zu einer Inflation führen. Außerdem könnte die Notenbank an Glaubwürdigkeit einbüßen.
Lichtblick für Ende 2013
Einen kleinen Lichtblick enthält das Gutachten aber doch. Für die zweite Jahreshälfte 2013 erwarten die Ökonomen ein Wachstum von mehr als einem Prozent. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Weltwirtschaft wieder an Fahrt gewinnt und sich die Eurokrise allmählich entspannt.
Am Gutachten beteiligte Wirtschaftsinstitute
- ifo-Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. (in Kooperation mit der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich)
- Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (bei der Mittelfristprojektion in Kooperation mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim)
- Institut für Wirtschaftsforschung Halle (in Kooperation mit Kiel Economics)
- Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (in Kooperation mit dem Institut für Höhere Studien Wien)



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