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Harzer Hexenstieg : Wiedereröffnung des Bodewanderwegs geplatzt

Die Wiedereröffnung des originalen Bodewanderwegs zwischen Thale und Treseburg ist geplatzt. Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski sagte am Freitag, die Stadt habe die Sperrung des Wanderweges zwar aufgehoben, jedoch habe der Landkreis Harz auf Weisung des Umweltministeriums zeitgleich eine erneute Sperrung verfügt. Balcerowski kündigte an, gerichtlich gegen die Verfügung vorzugehen.

"Gefährdungslage durch Steinschlag"

Das Magdeburger Umweltministerium begründete die fortgesetzte Sperrung des Weges damit, dass nach wie vor eine "Gefährdungslage durch Steinschlag" bestehe. Fachleute, die an einem Gutachten arbeiteten, hätten dies bestätigt. Daran habe auch das Entfernen von womöglich lockeren Steinen am Hang über dem Bodewanderweg nichts geändert, hieß es.

Thales Bürgermeister Balcerowski widersprach der Argumentation des Ministeriums. Selbst von Seiten des Landesforstamtes, das die Arbeiten in Auftrag gegeben habe, sei Entwarnung gegeben worden. Die Gefahren seien nicht größer als in Bergregionen üblich. "Anscheinend gibt es eine Kommunikationsstörung im Umweltministerium", sagte Balcerowski. Er werde in der kommenden Woche das Verwaltungsgericht Magdeburg in einem Eilverfahren bitten, die Öffnung des Abschnittes zuzulassen.

Thale fürchtet weitere Sperrungen

Die Gemeinde Thale fürchtet, dass die Sperrung des originalen Hexenstieg-Abschnitts zwischen Thale und Treseburg Schule machen könnte und künftig weitere Wege für Wanderer geschlossen werden. "Wir haben Sorge um unsere Zukunft", sagte Balcerowski. Erst werde dieser Wanderweg gesperrt, dann das ganze Bodetal und schließlich alle Gebirgswege in der Region. "Das wäre der Todesstoß für den Tourismus im Harz", sagte der Bürgermeister.

Das Umweltministerium erklärte hingegen, Touristen könnten weiterhin auf einen Wanderweg am Südrand der Bode ausweichen. "Dieser Weg kann gefahrlos begangen werden." Die Ausweichstrecke verläuft parallel am anderen Ufer der Bode und ist nur geringfügig länger. Ein Gutachten zur Gefahrenlage und zu möglichen Sanierungsmaßnahmen am Bodewanderweg werde im August vorliegen und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden, hieß es aus dem Ministerium.

Gaststätte "Königsruhe" bleibt dicht

Unabhängig von der Debatte um den Bodewanderweg wird die am Weg liegende historische Gaststätte "Königsruhe" bis auf weiteres geschlossen bleiben. Das Lokal ist im Gegensatz zum Wanderweg nicht im Eigentum der Stadt und war im Juni ebenfalls wegen Steinschlaggefahr dicht gemacht worden. Der Wirt, der sich zunächst geweigert hatte, das Lokal zu schließen, fürchtet seither um seine Existenz. Die Stadt Thale und der Landkreis hatten die Anordnung des Umweltministeriums zur Schließung der Gaststätte ursprünglich nicht umsetzen wollen.

Bereits vor zwei Jahren war der Bodewanderweg monatelang für Wanderer geschlossen. Damals hatten sich gewaltige Brocken aus dem Felsmassiv der Rosstrappe gelöst und hatten den Weg blockiert. Hunderttausende Euro wurden seither ausgegeben, um die Route abzusichern. Hinweisschilder warnen Wanderer seither vor möglichen Steinschlägen.

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2012, 18:32 Uhr

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Bodewanderweg und Harzer Hexenstieg

Der Bodewanderweg gilt als schönstes Teilstück des Fernwanderweges "Harzer Hexenstieg", des beliebtesten Wanderweges im Harz. Er führt über rund 100 Kilometer von Osterode im Südwesten bis Thale im Nordosten des Harzes. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wandern jedes Jahr rund 1,2 Millionen Menschen durch das Bodetal, rund 400.000 von ihnen durch das derzeit gesperrte Gebiet.

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