Der niederländische Politiker und Islamkritiker Geert Wilders
Der niederländische Politiker und Islamkritiker Geert Wilders Bildrechte: dpa

Interview Geert Wilders - wen hat Pegida da eingeladen?

Er provoziert andauernd, (fast) alle und überall – Geert Wilders. Seit Jahren bestimmt der Mann mit der blondierten Mähne die politische Agenda. Der Griff in die verbalen Mülleimer und das Spiel mit der Angst vor dem Islam haben bei ihm System. Die Pegida hat Wilders nach Dresden eingeladen, der unter Beobachtern als international größter Islamfeind gilt. Was Geert Wilders in Dresden will, erklärt der Rechtspopulismus-Forscher vom Zentrum für Niederlande-Studien in Münster, André Krause.

von Anja Neubert

Der niederländische Politiker und Islamkritiker Geert Wilders
Der niederländische Politiker und Islamkritiker Geert Wilders Bildrechte: dpa

Wie kann man Geert Wilders beschreiben, was ist das für ein Mensch? Es fallen immer Begriffe wie Rechtspopulist in seinem Zusammenhang. Was ist da dran?

Es ist sehr schwierig, Geert Wilders politische Standpunkte zu etikettieren. Grundsätzlich muss man sagen, dass man mit der Bezeichnung Rechtspopulist durchaus vorsichtig umgehen muss. Wenn es jetzt zum Beispiel um die Gleichstellung von Homosexuellen und um Frauenrechte geht, vertritt er sehr progressive Werte. Im Bereich der Sozialpolitik ist Wilders zumindest seit dem Jahr 2009 noch linker als die sozialistische Partei in den Niederlanden. Da ist er definitiv nicht rechts.

Hinzu kommt, dass Wilders ein sehr großer Israelfreund ist, er ist auch mit einer jüdischen Ungarin verheiratet. Darin unterscheidet er sich auch von allen anderen rechtspopulistischen Parteien in Europa. Man denke hier an den Front National und Jean Marie Le Pen, der definitiv ein glühender Antisemit ist. Wo Wilders natürlich ein rechter Populist ist, das ist bei seinen Kernthemen Immigration, Integration und Islam. Aber man muss zusammenfassen, sein Gedankengut ist nicht sehr konsistent. Also man muss schauen, über welches Themenfeld spricht man gerade, und dann kann man sich das passende Etikett heraussuchen. Also es ist sehr schwierig, sein Gedankengut global zu etikettieren.

Gerne wird Wilders auch als Hassprediger bezeichnet, ist er das wirklich?

Ich würde ihn so nicht bezeichnen. Bei dem Wort denke ich eher an Menschen, die offen zu Gewalt aufrufen. Das tut Wilders nicht. Gerade an dieser Stelle möchte ich betonen, dass Wilder seit mehr als  zehn Jahren auf einer Todesliste von Islamisten steht. Er wird rund um die Uhr beschützt. Bei öffentlichen Auftritten trägt er in der Regel auch eine schusssichere Weste. Das ist sogar bei Wahlkampfdebatten im niederländischen Fernsehen der Fall, insofern wäre ich sehr vorsichtig.

Wie kommt man dann auf dieses Etikett?

Was natürlich stimmt, ist, dass Wilders sehr beleidigend sein kann. Ich will mal ein Beispiel nennen: Er hat im nationalen Parlament der Niederlande, in der zweiten Kammer, im September 2009 die Einführung einer sogenannten "Kopflumpensteuer" gefordert. Im niederländischen "Kopvoddentaks" - das ist natürlich ein sehr abwertender Term, und mit diesem Begriff hat er dafür plädiert, dass muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen möchten, künftig eine Gebühr von 1.000 Euro im Jahr zahlen müssen. Das war damals in der Tat ein ernst gemeinter Vorschlag im Parlament. Auch ansonsten ist der Sprachgebrauch häufig sehr beleidigend. Er spricht auch schon einmal von marokkanischem Gesindel, um mal ein Beispiel zu nennen, also das ist durchaus der Fall, aber ich würde ihn nicht pauschal als Hassprediger bezeichnen.