Screenshot der Webseite hoaxmap.org
Bildrechte: Screenshot/hoaxmap.org

Gerüchte über Flüchtlinge "Hoaxmap" listet rund 240 Falschmeldungen auf

Gerüchte gibt es genug, wenn es um Flüchtlinge geht: Im Internet verbreiten sich immer wieder Meldungen über Diebstähle, über Mord und Vergewaltigung. Und immer wieder stellt sich raus, dass da nichts dran war. Wie verbreitet solche Märchen sind, zeigt jetzt eine Karte im Internet.

von Stephan Zimmermann, MDR INFO

Screenshot der Webseite hoaxmap.org
Bildrechte: Screenshot/hoaxmap.org

Hoaxmap, Neues aus der Gerüchteküche - so nennt sich die Seite. Hoax ist das englische Wort für Scherz oder Schwindel. Es bezeichnet aber auch Falschmeldungen. Fast 240 davon zeigt die Karte im Internet. Mit ein paar Stichworten wird gesagt, was sich an einem Ort ereignet haben soll. Dazu gibt es einen Link zu Berichten, in denen die Behauptungen widerlegt werden. Karolin Schwarz aus Leipzig betreibt die Seite zusammen mit einem Freund. Sie hat sich im vergangenen Jahr ehrenamtlich in einer Flüchtlingsunterkunft engagiert. Auch dabei ist sie immer wieder mit Gerüchten konfrontiert worden. Sie hat angefangen, Fälle zu sammeln und schließlich hat sie die Webseite ins Netz gestellt.

Karte anhand von Medienberichten

Und da gibt es wirklich tolle Geschichten: Flüchtlinge sollen die Schwäne vom Hainspitzer See in Thüringen geschlachtet und gegessen haben. In einer Unterkunft Schloss Holte-Stukenbrock in Nordrhein-Westfalen soll es ein Bordell nur für Asylbewerber geben. Und in Wertheim in Bayern sollen sich Flüchtlinge vor Autos geworfen haben, um Geld von der Versicherung zu bekommen. Die Gerüchte verteilen sich mehr oder weniger gleichmäßig über ganz Deutschland. Aus Hamburg wird gar kein Gerücht gemeldet. Dafür ist Erfurt die Stadt mit den meisten Einträgen: Sieben sind es dort. Aber beides kann Zufall sein. Für die Karte werden vor allem Medienberichte ausgewertet. Sie ist abhängig von dem, was bereits berichtet wurde. Und in Erfurt werden sechs der sieben Gerüchte aus einem einzigen Zeitungsartikel zitiert.

Vergewaltigt, überfallen, bestohlen?

Deutlich ist dafür ein anderer Aspekt, der hervorsticht: Bestimmte Gerüchte tauchen tatsächlich sehr häufig auf. Erfundene Diebstähle und erfundene Vergewaltigungen stehen ganz oben. Unter der Rubrik Raub und Diebstähle finden sich mehr als 50 Einträge. Bei den Vergewaltigungen sind es mehr als 40. Dabei wiederholen sich bestimmte Muster. Immer wieder kommt es vor, dass Frauen oder Mädchen behaupten, sie seien von Flüchtlingen vergewaltigt worden und wenn die Polizei nachfragt, räumen sie ein, die Geschichte stimme nicht. Besonders prominent war da der Fall einer 13-Jährigen in Berlin. Weitere Fälle gab es zum Beispiel in Dresden und in Sonneberg. Ein weiterer Dauerbrenner ist die Behauptung, Flüchtlinge hätten regelmäßig in bestimmten Supermärkten geklaut. Die Filialleitung und Verkäufer würden dagegen gar nicht mehr vorgehen. Auch das wird immer wieder dementiert von den Betreibern der Läden genauso wie von der Polizei. Und bei diesen Gerüchten ist es wie bei den meisten anderen auf dieser Seite: Wer sie in die Welt gesetzt hat, bleibt offen.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2016, 12:22 Uhr