20 Jahre nach den Überfällen : Hoyerswerda erinnert an rassistische Ausschreitungen
Im September 1991 gingen aus dem ostsächsischen Hoyerswerda schockierende Bilder um die Welt. Hunderte Rechtsextreme griffen - zum Teil unter dem Jubel Schaulustiger - von Ausländern bewohnte Plattenbauten an. Lange hat die Stadt gebraucht, den Imageschaden zu überwinden. Seit dem 8. September erinnert sie an das Geschehen vor 20 Jahren. Sachsens Ausländerbeauftragter Gillo hält Übergriffe in diesem Ausmaß heute nicht mehr für möglich.
Hoyerswerda erinnert im September an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in der Stadt vor 20 Jahren. Unter dem Titel "Hoy, Herbst 1991" wurde am 8. September eine Ausstellung eröffnet. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, dokumentiert die Schau auf zwei Etagen zum einen die Ereignisse zwischen dem 17. und dem 23. September 1991. Gleichzeitig würden die Reaktionen im In- und Ausland noch einmal wachgerufen. Ein weiterer Teil dokumentiere, wie Hoyerswerda seitdem für Offenheit und Toleranz werbe. Oberbürgermeister Stefan Skora rief 2011 zu einem lokalen "Jahr der Vielfalt" aus. Er entschuldige sich bei all jenen, die damals betroffen waren, sagte Skora zur Eröffnung.
Linke Initiative fordert Denkmal
Über den Monat verteilt sind in Hoyerswerda mehrer Erinnerungsveranstaltungen geplant. Stadtverwaltung und -rat haben für den Jahrestag des Beginns der Ausschreitungen am 17. September zu einer Gedenkversammlung auf dem Lausitzer Platz aufgerufen. Einen Tag später wird bei einem Gottesdienst in der Johanneskirche der Ereignisse gedacht. An ihm nimmt auch der frühere Superintendent der Stadt, Friedhart Vogel, teil. Er setzte sich 1991 persönlich für eine Beruhigung der Situation ein. Die linke Initiative "Pogrom 91" setzt sich für ein weiter reichendes Gedenken ein. Sie hat vor der offizielllen Versammlung am Sonnabend eine eigene Gedenkdemonstration angemeldet. Außerdem fordert sie die Errichtung eines Denkmals. Ein Modell soll probeweise am 17. September aufgestellt werden. Der Leiter des Büros des Oberbürgermeisters, Olaf Dominick, erklärte, die Stadt stehe einem Denkmal offen gegenüber. Es gebe aber noch keine konkreten Pläne, außerdem sei eine Abstimmung mit dem Stadtrat nötig.
Gillo: Hoyerswerda heute nicht mehr möglich
20 Jahre nach den Vorfällen in Hoyerswerda sieht der sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo Fortschritte bei der Bekämpfung der Fremdenfeindlichkeit. Ausschreitungen wie in Hoyerswerda seien heute nicht mehr möglich, sagte Gillo MDR 1 RADIO SACHSEN. Einerseits werde in Sachsen mit der Sonderkommission Rechtsextremismus und den Verboten für Gruppen wie Sturm 34 die rechte Kriminalität bekämpft. Andererseits sei die Zahl der Zuwanderer seitdem deutlich zurückgegangen. Da sich aber 44 Prozent der Sachsen noch nicht zu Weltoffenheit bekennen, sei noch eine lange Strecke zurückzulegen, sagte Gillo.
Ihn persönlich hätten die Bilder aus Hoyerswerda damals geschockt, erklärte Gillo. Er habe damals bei AMD gearbeitet und in Genf gelebt. Das Unternehmen habe zu diesem Zeitpunkt überlegt, ein Werk in Sachsen zu bauen. Und plötzlich habe sich die Frage gestellt, ob AMD seine ausländischen Ingenieure und ihre Familien hierher schicken könne.
Übergriffe in Rostock, Solingen und Mölln folgten
Bei den mehrtägigen Ausschreitungen im September 1991 griffen rechtsgerichtete Gewalttäter ein Vertragsarbeiterheim und ein Asylbewerberheim in Hoyerswerda an. Die ostsächsische Stadt war der erste Ort, in dem nach der deutschen Wiedervereinigung Gewalt gegen Ausländer eskalierte. 32 Menschen wurden dabei verletzt, etwa 230 Ausländer verließen die Stadt. Im Anschluss an die Ereignisse in Hoyerswerda häuften sich brutale Übergriffe auf Ausländer. So griffen im August 1992 mehrere Hundert Rechtsextreme in Rostock-Lichtenhagen ein Wohnhaus an, in dem mehr als 100 Vietnamesen lebten. Wenige Wochen später kam es zu einem Überfall auf ein von Türken bewohntes Haus in Mölln. Dabei starben drei Menschen. Bei einem Brandanschlag in Solingen im Mai 1993 kamen fünf Türken ums Leben.
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