Image-Kampagne : Baden-Württemberg nimmt Sachsen-Anhalt aufs Korn
Zwischen Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg ist ein "Werbekrieg" entfacht. Während der Süd-Westen in seiner neuen Kampagne auf ausgeschlafene Schüler setzt und dabei auf die Frühaufsteher-Kampagne des Landes anspielt, findet Regierungschef Haseloff Sachsen-Anhalt "top", weil dort hochdeutsch gesprochen wird. Doch der neue baden-württembergische Slogan sorgt auch für Ärger - unter anderem bei den Fraktionschefs von SPD, Linken und Grünen.
Baden-Württemberg nimmt in seiner neuen Image-Kampagne Sachsen-Anhalt aufs Korn. Mit Plakaten und Zeitungsanzeigen wirbt das Land mit dem Spruch "In Sachsen-Anhalt steht man früher auf, bei uns bleibt dafür niemand sitzen" - eine Anspielung auf die Frühaufsteher-Kampagne von Sachsen-Anhalt.
Damit kontert Baden-Württemberg den Versuch Sachsen-Anhalts, Fachkräfte aus dem Westen in den Osten zu locken. In den Anzeigen heißt es: Bessere Leistungen ausgeschlafener Schüler in Baden-Württemberg seien "nur einer von vielen Gründen, jetzt umzuziehen". Der baden-württembergische Regierungssprecher, Rudi Hoogvliet, sagte MDR INFO, man habe mit Sachsen-Anhalts Kampagne eine sehr gelungene verwendet und für die eigene ironisch aufgearbeitet. Zudem werde die Frühaufsteher-Kampagne von der Retourkutsche aus Baden-Württemberg auch profitieren und dadurch noch bekannter gemacht. Sollte sich Sachsen-Anhalt einen neuen Slogan zulegen, freut man sich in Stuttgart schon auf einen Gegenschlag.
Haseloff: In Sachsen-Anhalt kann man Hochdeutsch sprechen
Ähnlich sieht das auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. Er dankte Baden-Württemberg für die dortige Landeskampagne. Haseloff sagte MDR INFO, das könne Sachsen-Anhalt nur dienlich sein. Die baden-württembergische Landesregierung habe die Werbung für Sachsen-Anhalt übernommen. Das hätte "Millionen von Euro" gekostet. Haseloff hatte erst vor wenigen Wochen im Süd-Westen Schlagzeilen gemacht. Damals hatte er angekündigt, bei Stammtisch-Veranstaltungen in Baden-Württemberg abgewanderte Fachkräfte zurücklocken zu wollen.
Slogan sorgt für Ärger bei Fraktionschefs
Für Ärger sorgt die baden-württembergische Kampagne hingegen bei SPD-Fraktionschefin Katrin Budde. Dass man 20 Jahre nach der Deutschen Einheit noch mit Sprüchen der Marke "Die Blöden im Osten" werbe, sei ein intellektuelles Armutszeugnis. Auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Claudia Dalbert, sprach in der "Mitteldeutschen Zeitung" von einem unfairen Umgang, der CDU-Fraktionschef André Schröder gar von einer diffamierenden Art und Weise.
Der Startschuss für Sachsen-Anhalts umstrittene Frühaufsteher-Kampagne war vor sechs Jahren gefallen. Anlass war eine Umfrage, die ergeben hatte, dass Sachsen-Anhalter in der Regel neun Minuten eher aufstehen als der durchschnittliche Bundesbürger. Seitdem wirbt das Land mit dem Slogan "Wir stehen früher auf". Baden-Württemberg hatte bisher mit dem Spruch "Wir können alles außer Hochdeutsch" Werbung für den Süd-Westen gemacht.
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