Sachsen-Anhalt : Jobcenter-Chef begünstigt seine eigenen Firmen
Im Jobcenter des Saalekreises hat Behördenleiter Roland Schimek anscheinend eigene Firmen begünstigt. Das berichtet das MDR-Nachrichtenmagazin "Exakt". Der Redaktion liegen Dokumente vor, wonach Schimek einer Tapetenfabrik in Halle 10.000 Euro Eingliederungszuschuss für einen Arbeitslosen bewilligte. Die Tapetenfabrik gehört der Firma "ATF Vermögensverwaltungsgesellschaft". Alleiniger Eigentümer ist Roland Schimek.
Aber damit noch nicht genug: Die Firma, die den Arbeitslosen zur Tapetenfabrik vermittelte, ist die AMR Beteiligungsgesellschaft. Auch die AMR gehört mehrheitlich Roland Schimek. Mit ihr schloss das Jobcenter eine Vermittlungsvereinbarung, die 2.000 Euro Provision vorsah. Das heißt, die Behörde, die Schimek leitet, stellte einer Firma, die ihm gehört, für die Vermittlung eines Arbeitslosen eine Provision in Aussicht.
Schimek äußerte sich dazu nicht, ließ aber übermitteln, dass die AMR in den vergangenen Jahren für die Vermittlung von Arbeitskräften 27.500 Euro erhalten habe. Ein "außerordentlich niedriger Betrag", heißt es in dem Schreiben.
Jurist sieht Mangel an politischer Kontrolle
Professor Reimund Schmidt-De Caluwe von der juristischen Fakultät der Uni Halle spricht von einem Skandal. Nach den kommunalrechtlichen Vorschriften, die für Eigenbetriebe von Städten und Gemeinden gelten, dürfe der Leiter des Jobcenters nicht einmal beratend an Entscheidungen der Behörde teilnehmen, wenn er dadurch wirtschaftliche Vorteile zu erwarten hätte. Der Jurist kritisierte außerdem die fehlende politische Kontrolle.
Das Jobcenter ist ein Eigenbetrieb des Landkreises. Die Kreistagsabgeordnete Angelika Hunger sagte dem MDR, dass Schimek bei seiner Bestellung zum Behördenleiter einige wenige Firmen genannt hätte, die er selbst betreibe. Es sei aber offenbar niemandem bewusst geworden, dass sich diese Unternehmen parallel zum Eigenbetrieb entwickelten. Der Landkreis kündigte an, die Vorgänge um Schimek zu prüfen.
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