Feature | MDR FIGARO | 21.04.2012 | Zum Nachhören : "Zum Beispiel Johanngeorgenstadt"
Rekonstruktion eines rechtsradikalen Milieus
Gut vernetzt agierte das "Zwickauer Terrortrio". Immer wieder stießen die Ermittler auf Spuren, die ins sächsische Erzgebirge führten. Arndt Ginzel und Thomas Datt haben in Johanngeorgenstadt recherchiert und rekonstruieren in ihrem Feature, in welchem Milieu und unter welchen Bedingungen rechtsradikale Gesinnungen entstehen und gedeihen.
Auf dieser Seite:
Auf der Suche nach den Netzwerken des "Zwickauer Terrortrios" stießen die Ermittler mehrfach auf Verbindungen ins sächsische Erzgebirge. Mindestens drei der mutmaßlichen Unterstützer des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrundes stammen aus Johanngeorgenstadt: Der Internet-Händler André E., die Friseurin Mandy S. und der Fernfahrer Matthias D.
Am 12. Dezember 2011 wurde Matthias D. nachts von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen. Er soll für Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe nach deren Untertauchen zwei Wohnungen in Zwickau angemietet haben. Am Tag vor seiner Verhaftung wurde er noch auf dem Weihnachtsmarkt in Johanngeorgenstadt gesehen ...
Unterwegs in "Johannsibirsk"
Manche nennen den Ort "Johannsibirsk" - denn die Winter sind lang und rau, Johanngeorgenstadt liegt auf über 900 Meter Höhe. Auch die Bergbaugeschichte des Ortes dürfte zu dem Spitznamen beigetragen haben.
Hier gruben die Kumpel im Dienst der Sowjetischen Aktiengesellschaft Wismut nach Uran. Die Vorkommen lagen unter der Altstadt, so wurden in den 1950er-Jahren weite Teile des historischen Stadtkerns kurzerhand abgerissen.
Der Strukturwandel nach der friedlichen Revolution traf Johanngeorgenstadt besonders hart: Der Ort an der tschechischen Grenze verlor die Hälfte seiner Einwohner. Eine depressive Grundstimmung machte sich breit.
In den 1990er-Jahren etablierte sich eine rechtsextreme Jugendkultur, deren Anhänger sich gern bei illegalen Konzerten trafen und zunehmend radikalisierten. Im nur eine Auto-Stunde entfernten Chemnitz saß Movement-Records, ein Label, das mit Landser die populärste Band der Neonazi-Szene produzierte ...
Seite 1/3
Angaben zur Sendung:
"Zum Beispiel Johanngeorgenstadt" -
Rekonstruktion eines rechtsradikalen Milieus
Von Arndt Ginzel und Thomas Datt
(Ursendung)
Redaktion: Tobias Barth
Erzählerin: Nele Rosetz
Sprecher: Stefan Ebeling
Regie: Henry Bernhard
Produktion: MDR 2012
Arndt Ginzel und Thomas Datt rekonstruieren, in welchem Milieu und unter welchen Bedingungen rechtsradikale Gesinnungen entstehen und gedeihen. Die beiden Autoren sind auf investigative Recherchen spezialisiert. Sie arbeiten für verschiedene Magazine des MDR-Fernsehens, der ARD und des ZDF sowie als freie Autoren für den Hörfunk.
Links ins WWW
Der MDR ist nicht für den Inhalt externer Internetseiten verantwortlich!


