Kleinkinderbetreuung : Rund 220.000 Krippenplätze fehlen
Statistikern zufolge sind die Ziele beim bundesweit geplanten Ausbau der Betreuung von Kindern unter drei Jahren nicht mehr überall zu schaffen. Vor allem im Westen fürchten die Kommunen eine Welle von Klagen, wenn Eltern ab 1. August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben. Eine Aufweichung wird gefordert, was Familienministerin Schröder ablehnt.
Der geplante bundesweite Ausbau der Betreuung für Kleinkinder dürfte bis August kommenden Jahres nicht mehr zu schaffen sein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts fehlen noch mehr als 220.000 Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren - vor allem im Westen. Destatis-Direktor Karl Müller sagte, bis zum 1. August 2013 müsse der Ausbau von Krippenplätzen noch deutlich stärker ausfallen als in den vergangenen vier Jahren insgesamt, um den dann geltenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu sichern. Gehe es im selben Tempo weiter wie seit 2008, werde das Ziel in einigen Ländern erst 2018 erreicht.
Bis August 2013 wollen Bund und Länder für mehr als jedes dritte Kleinkind einen Betreuungsplatz zur Verfügung stellen. Eltern haben ab dem 1. August 2013 einen Rechtsanspruch und können diesen vor Gericht geltend machen.
Osten steht besser da - aber nicht überall
Am 1. März dieses Jahres hatten nach Angaben der Statistiker bundesweit rund 558.000 Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Das entspreche einer Quote von 27,6 Prozent. Nötig seien jedoch Plätze für 39 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe, also insgesamt rund 780.000 Krippenplätze. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) war bisher davon ausgegangen, dass noch 160.000 neue Plätze geschaffen werden müssen. Andere Experten rechneten nur mit rund 130.000 fehlenden Plätzen.
Seit dem Krippengipfel von Bund, Ländern und Gemeinden im Jahr 2007 ging der Ausbau in den Bundesländern unterschiedlich schnell voran. Die höchsten Quoten wiesen von Beginn an die ostdeutschen Länder auf, die noch von einem nahezu lückenlosen Kindergarten-System aus DDR-Zeiten profitieren. Hier liegen die Quoten über 45 Prozent, während im Westen nur Rheinland-Pfalz mit einer Quote von 27 Prozent dem Durchschnitt nahe kam. Schlusslicht ist Nordrhein-Westfalen mit 18,1 Prozent.
Besser als westdeutsche Flächenländer sind Stadtstaaten wie Hamburg mit einer Quote von 35,8 Prozent. Auch liefert der von den Statistikern angesetzte Stichtag 1. März 2012 kein ganz aktuelles Bild. So kündigte etwa Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) an, den Rechtsanspruch bis August 2013 erfüllen zu können. Er versicherte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", sein Land komme jetzt auf eine Quote von 28 Prozent. Um die vorgegebene Quote zu erfüllen, müssten noch knapp 10.000 Plätze neu geschaffen werden, wozu man mitlerweile allerdings "auf dem besten Wege" sei.
Obwohl im Osten die vorgesehenen statistischen Betreuungsquoten überall erreicht werden dürften, sind nicht alle Kommunen vor möglichen Klagen wegen fehlender Krippenplätze gefeit. Die regionale Verteilung ist teilweise doch sehr unterschiedlich. So wird unter anderem in Leipzig, wo es in den vergangenen Jahren recht hohe Geburtenraten gab, ein Mangel an Plätzen beklagt.
Der Deutsche Städtetag erwartet, dass die Ziele zum Teil verfehlt werden. Hauptgeschäftsführer Stephan Articus sagte, eine Reihe von Kommunen werde den Rechtsanspruch ab Sommer 2013 erfüllen: "Doch trotz aller Anstrengungen werden in einem Teil der Städte Lücken bleiben." Gerade Städte bräuchten weitaus mehr Plätze, und der Bedarf wachse ständig weiter. Artcius warnte vor Klagen ab August 2013, wenn Eltern keinen Betreuungsplatz finden.
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) Schröder hält an den Zielen aber fest. "Der Kita-Ausbau ist zu schaffen, wenn sich alle Ebenen anstrengen und zu ihren Zusagen von 2007 stehen." An dem Rechtsanspruch werde nicht gerüttelt. Die Länder forderte sie auf, den Stand offenzulegen und genau zu erklären, wie sie die noch fehlenden Plätze schaffen wollen. Es gebe es eine Lücke zwischen den Angaben der Länder und denen des Bundesamts für Statistik. Diese sei "erklärungsbedürftig".
Sachsen: Mehr Kitas und mehr Kinder
In Sachsen wurden bis zum Stichtag 1. März rund 27.800 Erzieherinnen und Erzieher in rund 2.800 Tageseinrichtungen etwa 266.700 Kinder betreut. Das waren nach den Angaben des Statistischen Landesamts rund 7.700 Kinder mehr als ein Jahr zuvor. In dieser Zahl sind allerdings Kinder aller Altersgruppen in Tageseinrichtungen enthalten.
Die Zahl der Kindertagesstätten nahm den Angaben zufolge um 20 zu. Mit etwa 1.600 hatten über die Hälfte einen freien Träger. Allein der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und Mitglieder betrieben fast ein Drittel, das Diakonische Werk und andere der Evangelischen Kirche angeschlossene Träger 17,5 und die Arbeiterwohlfahrt 12,7 Prozent. Nur rund 1.200 der Einrichtungen sind in öffentlicher Trägerschaft.
Sachsen-Anhalt: Mehr Kinder in Tageseinrichtungen
Auch in Sachsen-Anhalt stieg die Zahl der betreuten Kinder unter drei Jahren. Hier besuchten nach den Angaben der Statistiker etwa 29.000 Kleinkinder dieser Altersgruppe eine Kindertageseinrichtung. Das entsprach einer Quote von 57,5 Prozent. Bei den drei bis sechs Jahren alten Kindern wurden rund 49.000 in den Tageseinrichtungen betreut, was einer Quote von 95,4 Prozent entspricht.
Thüringen: Betreuungsquote 50 Prozent
In Thüringen wird knapp die Hälfte der unter drei Jahre alten Kinder in einem Kindergarten oder von einer Tagesmutter betreut. Insgesamt waren es nach Angaben des Statistischen Landesamts am 1. März mehr als 25.700 Mädchen und Jungen. Die Betreuungsquote stieg demnach seit dem Jahr 2006 um 11,9 Prozentpunkte auf 49,8 Prozent. Insgesamt gab es 1.314 Kindergärten in Thüringen und 338 Tagesmütter.



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