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Dienstags direkt | 11.12.2012 | 20:00-23:00 Uhr : Mega-Kitas - mehr Aufsicht als Erziehung? Können wir unsere Kinder guten Gewissens in fremde Obhut geben?

Noch sind die Betreuungsplätze in Kitas rar. Das soll sich ab August 2013 ändern: Mit Hochdruck wird in Sachsen daran gearbeitet, den geplanten Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung zu erfüllen. Doch sind Mega-Kitas der richtige Weg?

Frau mit malenden Kindern

Tanja ist vier. Im Kindergarten malt sie gerade ihren Weihnachtswunschzettel. Sie wünscht sich einen Roboter, der aufräumen kann. Der ferngesteuerte Gehilfe ist mit viel Fantasie zu erkennen. Sicherlich ist die Idee nicht ganz die eigene, denn gut die Hälfte der Gruppe hat einen ähnlichen Wunsch. Die Bilder der sechsjährigen Jungs sind deutlich konkreter. Wilde Buchstabenkombinationen beschreiben noch viele Eigenschaften, die so ein Maschinenkumpel haben muss. Er sollte sprechen können, Fußball spielen und Schlitten fahren. Alle diese Zettel hängen gerade auf den Fluren einer Dresdner Kita.

Seit Jahren ausgebucht

Die circa 80 Plätze sind schon über Jahre ausgebucht. Die immer wieder aufkommende Frage von spontan vorbeikommenden Eltern, ob denn nicht vielleicht mal ein Platz frei wird, beantwortet die Leiterin mit einem verständnisvollen Lächeln. Es signalisiert: Wir kennen ihre Probleme, allerdings fahren wir hier komplett am Limit. Kein Einzelfall, eher die Regel.

Hauptsache untergekommen

In ihrer Not können Eltern kaum noch Rücksicht darauf nehmen, welchen Platz sie annehmen. Betreuungskonzept, Essenanbieter, Wohnortnähe, all das wird zur Nebensache. Hauptsache, das Kind kommt unter Gleichaltrige und die Eltern können wieder arbeiten gehen. Wann die Kita öffnet, wann sie schließt, ob die Erzieherinnen sympathisch sind, welches Freizeitangebot besteht, wie der Garten aussieht, wie der Sportraum ausgestattet ist, alles Punkte, die kaum noch eine Rolle spielen.  

Neuer Rechtsanspruch

Ab 1. August 2013 tritt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz vom zweiten Lebensjahr an in Kraft. Der Platzbedarf steigt. Derzeit entstehen Mega-Kitas,  in denen Hunderte Kinder unterkommen können. Wie viel individuelle Betreuung ist in einer Riesen-Kita noch möglich? Wie sollen auf einem großen Gelände Hunderte Kinder spielen, ohne dass die Betreuer den Überblick verlieren? Wie soll eine vertraute Atmosphäre zwischen Kindern und Betreuern entstehen? Haben Eltern dann noch verlässliche Ansprechpartner?

Das Beste für das Kind?

Oder ist das alles nicht entscheidend, wenn pädagogisches Konzept und Organisation stimmen? Was können und sollen Kitas leisten? Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Viele haben die Sorge, dass es später im globalisierten Wettbewerb nicht mithalten kann. Aber müssen Kinder deshalb schon im Kleinkindalter Schach oder Englisch lernen? Wie werden sie am besten auf die Schule und das Leben vorbereitet? Wie wichtig sind Erzieher für Kinder und die Gelassenheit der Eltern? Wie kann die Kita helfen, Beruf und Familie zu vereinbaren? Fragen, auf die es eine Antwort geben soll, am Dienstag ab 20 Uhr, bei MDR 1 RADIO SACHSEN, "Dienstags direkt".

Gäste:

Dienstags direkt am 11.12.2012: Arnfried Schlosser | Referatsleiter Sächsisches Staatsministerium für Kultus

"Kindertageseinrichtungen gehören zum Grundangebot in den Kommunen. Sie begleiten, unterstützen und ergänzen die Bildung und Erziehung in der Familie. Ersetzen können sie die Familie nicht." [mehr]


Dienstags direkt am 11.12.2012: Sabine Bibas | Leiterin des Eigenbetriebes Kindertageseinrichtungen Dresden

"Die Größe einer Kindertageseinrichtung bestimmt nicht per se über gute oder schlechte Qualität der pädagogischen Arbeit." [mehr]


Dienstags direkt am 11.12.2012: Ina Schönberger | Evangelische Hochschule Moritzburg

"Kinder benötigen Personen und Orte, um sich entfalten und bilden zu können. Dazu gehört ein sowohl quantitatives als auch qualitativ gut ausgebautes Netz an Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungseinrichtungen." [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2012, 21:15 Uhr

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