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Mitteldeutschland : Sachsen erwartet Krippenplatz-Klagen

Das hat der Deutsche Städtetag so nicht erwartet. Es werden noch mehr Kita-Plätze gebraucht als gedacht. Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagt, keiner habe damit gerechnet, dass Frauen seit einigen Jahren so früh und so zahlreich wieder in ihren Beruf einstiegen. Das habe Folgen, nicht zuletzt für die Kita-Plätze. Durch den Rechtsanspruch auf einen Platz für unter Dreijährige müssen nun jene Städte und Gemeinden mit Klagen von Eltern rechnen, die nicht zum Zuge kommen.

Großstädte in Mitteldeutschland haben Engpässe bei Kita-Plätzen eingeräumt. Nach einer Umfrage von MDR INFO sind vor allem Leipzig und Dresden betroffen, rechnet Leipzig mit Klagen von Eltern. In Sachsen-Anhalt und Thüringen sieht man dem 1. August gelassener entgegen, dort müssen Eltern aber unter Umständen vor allem in den größeren Städten mit umständlichen Fahrtwegen rechnen.

Kindergartenkinder in einer Kita
MDR INFO

Engpässe in Leipzig und Dresden

Bundesweit fehlen rund 150.000 Kita-Plätze. Ab August gilt aber ein Rechtsanspruch. Elisabeth Sieverding zur Lage in Mitteldeutschland.

16.01.2013, 06:05 Uhr | 02:52 min

Leipzig erwartet Klagen, Dresden prescht vor

Vor allem in Sachsen werden Eltern auch trotz Rechtsanspruch in Zukunft Schwierigkeiten haben, einen Kita-Platz für Unter-Dreijährige zu bekommen. Besonders gravierend ist die Lage in Leipzig.

Kinder beim spielen
Die Städte und Gemeinden fürchten ab August eine Klagewelle. Größere Gruppen mit den Kleinen könnten diese ihrer Meinung nach abwenden.

Jugendamts-Referent Schmidt sagte MDR INFO, derzeit könnten mehrere hundert Anfragen im Jahr nicht erfüllt werden. Bis zum Sommer werde man es "ganz offensichtlich nicht schaffen", wie geplant 1.050 neue Kita-Plätze bereitzustellen. Einige Eltern müssen sich deshalb auch nach dem ersten August auf abschlägige Bescheide einstellen, denn die begehrten Plätze in Leipzig bekommt nur, wer aus Sicht der Stadt Priorität habe. Und das seien Familien, wo beide Elternteile berufstätig seien.

In Dresden fehlen noch 2.000 Plätze – die sächsische Landeshauptstadt ist aber zuversichtlich, dass sie die Lücke schließen kann – derzeit baut sie Container-Krippen. Bis zum Sommer will die Baby-Boom-Stadt so rund 1.700 zusätzliche Plätze zur Verfügung stellen.

Sachsen-Anhalt investiert weiter

In Sachsen-Anhalt besteht ein Rechtsanspruch auf Betreuung von Geburt an - und das schon seit 1991. Dieses Angebot nehmen nach Angaben des Sozialministeriums derzeit 56 Prozent der Eltern wahr. Entsprechend gut sieht sich das Land auf den bundesweiten Rechtsanspruch vorbereitet. Allerdings räumte der Sprecher des Sozialministeriums, Holger Peach, bei MDR INFO, auch Engpässe ein. Gerade in Halle und Magdeburg bekäme nicht jedes Kind einen Kita-Platz gleich um die Ecke. Dennoch müssten sich Eltern dort keine Gedanken machen, dass sie keinen Betreuungsplatz finden. Zugleich kündigte Peach weitere Investitionen in die Krippen an.

Thüringen sieht sich gut aufgestellt

Auch in Thüringen gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz – und zwar seit inzwischen drei Jahren. Dem Bildungsministerium zufolge gibt es sogar einen Überschuss an Kitas: Ein Sprecher des Ministeriums sagte MDR INFO, es gebe 85.000 Kinder in den Kitas, insgesamt aber mehr als 95.000 Plätze.

Kinder beim essen
In Sachsen-Anhalt und in Thüringen werden Engpässe erwartet. Einige Eltern werden wohl längere Wege haben.

Doch auch in Thüringen ist es für einige Eltern schwerer, einen Platz zu bekommen. Gerade in den großen Städten gebe es den einen oder anderen Engpass, dort habe nicht immer die nächstliegende Kita gerade einen freien Platz.

Nach Angaben des Statistischen Landesamt wurde 2012 knapp die Hälfte der unter drei Jahre alten Kinder in einem Kindergarten oder von einer Tagesmutter betreut. Insgesamt waren es nach Angaben des Statistischen Landesamts am 1. März mehr als 25.700 Mädchen und Jungen. Damit stieg die Betreuungsquote seit 2006 um 11,9 Prozentpunkte auf 49,8 Prozent. Insgesamt gab es 1.314 Kindergärten in Thüringen und 338 Tagesmütter.

Kommunen: Mehr Kinder in einer Gruppe?

Ab August besteht bundesweit ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hatte am Dienstag erneut vor einer Klagewelle der Eltern gewarnt, die künftig leer ausgehen.

Eine Kinderkrippen-Erzieherin schaut sich mit zwei Kindern ein Buch an.
Mit wie vielen Kindern sich ein Krippenkind seine Erzieherin teilen muss, das wird über Personalschlüssel reguliert, die von Land zu Land anders ausfallen.

Um diese abzumildern, schlug Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg zuletzt größere Gruppen in den Krippen vor, wenn Hilfskräfte wie Bundesfreiwillige eingebunden würden. Derzeit wird die Gruppengröße unter anderem durch Personalschlüssel reguliert, der festlegt, um wie viele Kinder sich ein Erzieher kümmern muss. Dieser Schlüssel fällt von Land zu Land unterschiedlich aus.

Am günstigsten für die Kinder unter drei Jahren ist er derzeit in Bremen mit 3,2 Kindern auf einen Erzieher. In Mitteldeutschland hingegen fällt er bundesweit mit am höchsten aus: Allen voran Sachsen-Anhalt, wo sich ein Erzieher um 6,2 Kinder kümmern muss, Sachsen mit 6,1 Kindern und Thüringen mit 5,9 Kindern.

Erzieherschlüssel bei Gruppen mit Kindern unter drei Jahren
Land (absteigend geordnet) Personalschlüssel/Kinder pro Betreuer
Brandenburg 7,0
Sachsen-Anhalt 6,2
Sachsen 6,1
Thüringen 5,9
Mecklenburg-Vorpommern 5,5
Hamburg 5,1
Niedersachsen 4,3
Bayern 4,0
Hessen 4,0
Schleswig-Holstein 3,8
Baden-Württemberg 3,6
Nordrhein-Westfalen 3,6
Rheinland-Pfalz 3,4
Saarland 3,4
Bremen 3,2
Berlin entfällt aufgrund anderer Gruppenstruktur
Deutschland (ohne Berlin) 5,0
   
Quelle: Statistisches Bundesamt

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2013, 11:53 Uhr

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