Dresden : Keine Lösung im Streit um Kreuzchor
In Dresden gibt es Streit um die künftige Finanzierung des Kreuzchors. Grund ist der neue Haushaltsentwurf der Stadt. Er sieht vor, dass der weltbekannte Chor seine Sachkosten für 2013/2014 selbst erwirtschaften soll. Der Chor und die Eltern der Kruzianer gehen dagegen auf die Barrikaden, wähnen sogar die Zukunft des Ensembles mit mehr als 700-jähriger Tradition in Gefahr. Die Chorleitung sieht weder bei Konzerten und Tonaufnahmen noch bei Elternbeiträgen Spielräume für Einsparungen oder Finanzpotenzial. Sie fürchtet um die Nachwuchssuche und das hohe Niveau des berühmten Knabenchors. Auch die Eltern der Kruzianer warnen davor, den Bogen zu überspannen.
Gebührenanhebung für manche Eltern nicht verkraftbar
Chormanager Uwe Grüner sagte: "Es geht um 100.000 Euro für Instrumentalunterricht, Ersatz für verschlissene Konzertanzüge und gesunde Ernährung." Nach Vorstellungen der Stadt sollen diese je zur Hälfte über Elternbeiträge und ein Schulgeld finanziert werden. Für Kantor Roderich Kreile ist das utopisch. In einem Offenen Brief schreibt er: "Die Jungen arbeiten schon jetzt an der Belastungsgrenze, und der Klassikmarkt ist gesättigt." Mehr als 100 Auftritte und Gottesdienste im Jahr - ohne Vergütung für die Jungen - ließen maximal ein freies Wochenende für die Familie.
Eine Steigerung der Elternbeiträge um 57 Prozent von derzeit 120 Euro auf 188 Euro im Monat plus 30 Euro für Instrumentalunterricht lehnen auch die Elternvertreter entschieden ab. Es sei indiskutabel, weil den meisten Eltern nicht zuzumuten, erklärte ein Elternsprecher. Bei einer Anhebung der Beiträge müssten einige ihre Kinder abmelden. Auch die auf Qualität gerichtete Nachwuchssuche sei gefährdet.
Kulturbürgermeister steht zum Haushaltentwurf
Kulturbürgermeister Ralf Lunau kann die Aufregung nicht verstehen. Er verteidigte die Pläne im Haushalt. "Wir haben eine klare Prioritätensetzung bei Kitas, Schulen und Kulturinvestitionen, von denen der Kreuzchor erheblich profitiert", sagte er unter Verweis auf Sanierung und Neubau des Alumnats, das Internat der Kruzianer. Die Elternbeiträge seien seit Jahren konstant, mit einer Anpassung seien teurer gewordene Leistungen und Wünsche nach besserem Essen und neuen Anzügen finanzierbar.
Spannungen zwischen der Stadt als Träger des Chors und dem Chormanagement sind nicht neu. Kantor Kreile hatte seine Chorknaben schon einmal in Zivilkleidung auftreten lassen, weil Geld für die Anzüge fehlte. Dem Chor gehören etwa 150 Jungen zwischen 5 und 19 Jahren an, die pro Jahr und Kopf mehr als 3.000 Euro erwirtschaften - durch die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten, Konzerten und Plattenaufnahmen. Der Kreuzchor wirbt weltweit bei Tourneen auch für Dresdens und Sachsens Kultur - erst jüngst bei Auftritten in deutschen Großstädten, in Japan und in Finnland.
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