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Verbrechen : Justiz rollt Kreuzworträtselmord nach 32 Jahren neu auf

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle der DDR-Geschichte soll neu aufgerollt werden: Im "Kreuzworträtselmord"-Fall leitet die Staatsanwaltschaft Halle ein Ermittlungsverfahren gegen die damalige Freundin des Mörders ein. Die Justiz hegt gegen sie nach einer Buchveröffentlichung den Anfangsverdacht einer Straftat.

Kreuzworträtsel

Der "Kreuzworträtselmord" in der Plattenbausiedlung Halle-Neustadt wird noch einmal ein Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen die damalige Freundin des Mörders. Dieser hatte 1981 einen sieben Jahre alten Jungen sexuell missbraucht und umgebracht.

Kerstin Apel hatte kürzlich im Erfurter Sutton-Verlag ein Buch veröffentlicht, in dem sie behauptet, ihren Freund mit dem sterbenden Jungen in der Wohnung seiner Mutter in Halle-Neustadt überrascht zu haben. Diese Aussage hat die Frau in Interviews mehrfach wiederholt, zuletzt in der Sendung "Kulturnacht" von MDR THÜRINGEN - Das Radio am Donnerstagabend.

Diese Interviews haben der Justiz nun Anlass zu einem neuen Verfahren gegeben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Halle, Klaus Wiechmann, sagte MDR THÜRINGEN, es gebe den Anfangsverdacht einer Straftat, unter anderem Beihilfe zum Mord. Der "Mitteldeutschen Zeitung" hatte Wiechmann erklärt, Apel sei damals mehrfach ausführlich befragt worden. Was sie einst ausgesagt habe und was jetzt bekannt werde, stimme nicht überein. Wenn Apel, wie nun im Buch beschrieben, in der Wohnung war, als der Junge noch lebte, und auch bei der Beseitigung der Leiche dabei war, müsse geklärt werden, ob sie der Beihilfe oder Mittäterschaft schuldig sei. Unterlassene Hilfeleistung, Strafvereitelung oder Falschaussagen seien verjährt, "Mord verjährt nicht", so Wiechmann.

Ex-Freundin steht auch nach Beginn des Verfahrens zu Aussagen im Buch

Apel steht indes auch nach Beginn der Ermittlungen gegen sie zu ihren neuen Aussagen. Auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN bekräftigte Apel am Freitag, damals in der Wohnung des Täters gewesen zu sein.

Apels Freund hatte am 15. Januar 1981 in Halle-Neustadt den siebenjährigen Lars sexuell missbraucht und mit einem stumpfen Gegenstand so schwer geschlagen, dass er später starb. Die Leiche packte der Täter in einen Koffer und warf ihn in einem fahrenden Zug von Halle nach Leipzig aus dem Fenster. Der einzige verwertbare Hinweis auf den Mörder waren ausgefüllte Kreuzworträtsel in dem Koffer.

Die DDR-Kriminalpolizei ließ daraufhin von den Einwohnern Halle-Neustadts Schriftproben anfertigen. Nach Monaten stellte sich heraus, dass die Kreuzworträtsel von der Mutter des Mörders ausgefüllt worden waren. Über sie kamen die Kriminalisten dem Täter auf die Spur. Er hat seine Strafe verbüßt und lebt heute in Thüringen - ebenso wie seine damalige Freundin Kerstin Apel.

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2013, 19:30 Uhr

3. Matthias:
Ich bin selber schwul und finde es völlig übertrieben das aus politisch- korrekten Gründen Sätze gelöscht werden. In der DDR wurden zu jener Zeit Päderastie und Homosexualität fälschlicherweise vermischt und bei Verbrechen entsprechend ermittelt. Es ist deshalb nicht homophob oder verwirrend zu schreiben das Homosexuelle befragt wurden, sondern es ist das Zeugnis jener Zeit wie mit schwulen Männern umgegangen wurde.
09.02.2013
15:12 Uhr
2. Redaktion MDR.DE:
Wir haben den Hinweis auf die Befragung der Homosexuellen inzwischen gelöscht. Dieser Fakt war in diesem Zusammenhang in der Tat verwirrend. Wer sich über die Arbeit der Polizei und der Stasi im Allgemeinen informieren will findet unter http://www.mdr.de/damals/archiv/polizei108.html einen Einstieg in die Themen. Viele Grüße die MDR.DE-Redaktion
08.02.2013
14:26 Uhr
1. ingmar frauding:
Guter Beitrag, nur ein Geschmäckle hat der Satz "die Befragung von Homosexuellen erbringt keine Hinweise". Da wäre ein erläuternder Satz hilfreich, dass Homosexuelle in der DDR durch die Stasi erfasst wurden und §151 STGB (DDR) bis 1988 homosexuelle Handlungen unter Strafandrohung verbot.
08.02.2013
13:07 Uhr

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