Konzept vorgelegt : Leipzig erhebt Anspruch auf alleinige Lehrerausbildung
Die Universität Leipzig will die Ausbildung der sächsischen Lehrer weitgehend allein übernehmen. Das berichtet die "Sächsische Zeitung". Demnach hat die Universität dem Wissenschaftsministerium ein Konzept unter dem Titel "Kompetenzzentrum für Lehrerbildung" vorgelegt. Es sehe vor, 1.500 der künftig 1.700 Studienanfänger für das Lehramt in Sachsen in Leipzig auszubilden. Nur etwa 200 angehende Berufsschullehrer sollten weiterhin an der TU Dresden ausgebildet werden. Das wären halb so viele wie bisher. Eine Lehrerausbildung in Chemnitz sieht das Konzept nicht vor.
Uni Leipzig: Zentralisierung spart Geld
Die Leipziger Universität reagierte mit ihrem Konzept auf einen Beschluss der Landesregierung, die Zahl der Lehramtsstudenten zu erhöhen, um dem Lehrermangel in Sachsen zu begegnen. Unirektorin Beate Schücking sagte dem Blatt, Leipzig böte sich an, eine Führungsrolle zu übernehmen und langfristig "das Zentrum für Lehrerbildung in Mitteldeutschland zu werden". Die Politik wünsche sich von den Hochschulen mehr Profilierung. Die Lehrerausbildung gehöre in Leipzig dazu.
Kurz vor Weihnachten hatte die Landesregierung ein Bildungspaket beschlossen, das unter anderem vorsieht, die Zahl der Lehramtsstudenten von derzeit 1.000 auf 1.700 zu erhöhen. In Leipzig sollte demnach zwar ein "Bildungscampus Sachsen" entstehen, die Ausbildung der Grundschullehrer sollte aber auf Leipzig, Dresden und Chemnitz aufgeteilt werden. Der Dekan der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät in Leipzig, Thomas Hofsäss, hält jedoch eine Zentralisierung für sinnvoller und vor allem kostengünstiger. Sollte die Ende der 1990-er Jahre eingestellte Grundschullehrerausbildung in Chemnitz reaktiviert werden, verursache das deutlich höhere Kosten als sie an einem Standort zu konzentrieren, sagte Hofsäss der Zeitung. In Leipzig gebe es durch den Campus Jahnallee bereits eine Infrastruktur, die Ressourcen seien leicht ausbaubar. Schon in diesem Jahr könnte die Universität Leipzig 750 Lehramtsstudenten aufnehmen, 2013 stünden 1.000 und 2014 schließlich 1.500 Plätze bereit.
Wissenschaftsministerium hat andere Pläne
Rektorin Schücking rechnet in dem Bericht dem Land zugleich vor, was das Leipziger Konzept kosten würde. "Unser Angebot gibt es nicht zum Nulltarif." So bräuchte die Universität 30 neue Professoren, was einer zusätzlichen finanziellen Belastung von 14 Millionen Euro entspräche. Für die notwendigen Baumaßnahmen veranschlagt Schücking 30 Millionen Euro.
Der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Karltheodor Huttner, hält den Vorstoß aus Leipzig für wenig aussichtsreich. Ziel sei es, die Grundschullehrer in den verschiedenen Regionen Sachsens auszubilden, um sie möglichst frühzeitig dort zu binden.
Um die Lehrerausbildung in Sachsen gibt es seit Jahren Streit. Dabei änderte auch die Universität Leipzig ihre Meinung. Im Juni 2010, nachdem die TU Dresden aus Frust über fehlende Zusagen von der Landesregierung damit drohte, gar keine Lehrer mehr auszubilden, hieß es in Leipzig, dass diese Aufgabe allein nicht zu stemmen sei. Es sei nicht möglich, den Bedarf in einer Region abzudecken, sagte Prorektor Wolfgang Fach damals. Das gehe über die Studienplätze hinaus bis zu den Referendarstellen.
Lehrerausbildung in Sachsen
Derzeit werden in Sachsen Lehrer an der Universität Leipzig und der Technischen Universität Dresden sowie an den Hochschulen für Musik in Dresden und Leipzig ausgebildet. Derzeit erlangen die Studenten einen Bachelor/Master-Abschluss. Die Landesregierung plant, zukünftig wieder Staatsexamensstudiengänge anzubieten.
* Leipzig
Die Erziehungswissenschaftliche Fakultät in Leipzig gliedert sich in vier Bereiche: Institut für Allgemeine und Vergleichende Pädagogik, Institut für Erwachsenen-, Sozial- und Wirtschaftspädadgogik, Institut für Grundschulpädagogik und Institut für Förderpädagogik. Pro Jahr nimmt die Universität Leipzig 560 Studenten auf.
*Dresden
In Dresden werden derzeit 3.400 Studenten zu Lehrern an allgemeinbildenden oder berufsbildenden Schulen ausgebildet.
*Chemnitz
In Chemnitz wurde die Lehrerausbildung zwischen 1997 und 1999 komplett eingestellt. Jetzt plant das Wissenschaftsministerium, ab dem Wintersemester 2013/14 Grundschullehrer an der TU Chemnitz auszubilden. Dagegen regt sich Widerstand in Chemnitz. Dort hatte man dem Ministerium vorgeschlagen, Gymnasiallehrer in den Bereichen Mathematik, Physik, Chemie und Informatik auszubilden.



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