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Ende des Hochgeschwindigkeitsverkehrs : Magdeburg verliert letzte ICE-Verbindungen

Nach 20 Jahren geht das ICE-Zeitalter für Magdeburg zu Ende. Nach Aussage der Bahn werden ICs die letzten noch bestehenden ICE-Verbindungen pro Tag bis 2014 ersetzen. Für die Fahrgäste ändert sich wenig: Die gleich schnellen IC-Züge in Richtung Hannover und Leipzig bleiben. Ab 2014 soll es auf diesen Strecken sogar hochmoderne Bahnen geben. Die Stadt Magdeburg wünscht sich darüber hinaus wieder direkte Verbindungen nach Berlin.

Magdeburg steht offenbar das Ende des ICE-Zeitalters bevor. Wie die Deutsche Bahn auf Anfrage des MDR mitteilte, werden die noch verbliebenen vier InterCity-Express-Züge pro Tag nach Hannover beziehungsweise Dresden schrittweise durch InterCity-Züge ersetzt.

Bereits zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember soll zunächst kein ICE mehr in der Landeshauptstadt halten. Wegen Fahrzeugmangel würden die Hochgeschwindigkeitszüge für einige Monate als Reserve abgezogen, hieß es. Ab 2014 sollen sie auf der Strecke ganz wegfallen. Die Fahrzeiten sollen sich dadurch aber nicht ändern. Magdeburg galt in den Neunzigerjahren als wichtiger ICE-Knoten in der Mitte Deutschlands. Zuletzt gab es noch einzelne ICE-Verbindungen von Magdeburg nach Hannover beziehungsweise Dresden. Mit Wegfall dieser Züge wäre Magdeburg neben Schwerin und Potsdam die dritte Landeshauptstadt Deutschlands ohne ICE-Anschluss.

Land will für ICE-Zukunft kämpfen

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Verkehrsminister Thomas Webel wollen das so nicht hinnehmen. Der Regierungschef sagte am Donnerstag, eine Landeshauptstadt könne so nicht behandelt werden. Haseloff hatte noch am Nachmittag mit Bahnchef Rüdiger Grube telefoniert. Dabei sicherte Grube einem Sprecher zufolge dem Ministerpräsidenten zu, dass Magdeburg bei der Bahnanbindung nicht schlechter und mittelfristig sogar besser gestellt werde. Einzelheiten wolle Grube in den kommenden Tagen schriftlich übermitteln. Haseloff kritsierte außerdem scharf, dass die Landesregierung erst durch die Presse von den Plänen erfahren habe.

Auch Verkehsminister Thomas Webel sagte dem MDR, das Land wolle für die ICE-Anbindungen nach Magdeburg kämpfen. Die Landeshauptstadt habe es schlicht und einfach verdient, weiter ICE-Verkehr zu haben. Ende November werde es zudem Verhandlungen mit dem Bahnvorstand geben.

Oberbürgermeister spricht mit Bahnchef

Ein aufgeschlagenes Fahrplanbuch mit den Verbindungen Magdeburg - Berlin Wannsee
Magdeburg war in den 90er-Jahren wichtiger Teil der ICE-Trasse nach Berlin.

Auch Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper reagierte enttäuscht auf die sich abzeichnende Entwicklung. Trümper sagte dem MDR, der Wegfall des ICE sei für die Stadt nicht akzeptabel. Die Landeshauptstadt sei auf gut ausgebaute Verkehrsanbindungen angewiesen. Dass insbesondere der ICE-Verkehr nach Berlin um Magdeburg einen großen Bogen mache, sei für viele Pendler und Dienstreisende ein Ärgernis. Trümper habe bereits mit Bahnchef Rüdiger Grube gesprochen und ihm vorgeschlagen, zur Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg-International wieder eine direkte Verbindung Magdeburg-Berlin einzurichten.

Im Dezember 2010 war eine tägliche Direkt-Verbindung zwischen Magdeburg und Berlin eingerichtet worden, der sogenannte "Kaiser-Otto-Express". Dieser von der Bahn eigenwirtschaftlich betriebene Schnellzug wird jedoch zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 wieder gestrichen. Laut Bahn haben nicht genug Reisende das Angebot genutzt. Für den Interregio-Express waren zuletzt extra rabattierte Fahrkarten verkauft worden.

Bahn kündigt modernere Fernverkehrszüge an

Ein Doppelstock-Fernverkehrszug der Deutschen Bahn in einer Bahnhofshalle.
Moderne Doppelstock-IC-Züge sollen ab 2014 in Magdeburg Halt machen.

Nach Angaben der Bahn sollen ab 2014 moderne Intercity-Züge die Landeshauptstadt anfahren. Dann würden auf der Trasse Hannover-Leipzig über Magdeburg die modernsten Fahrzeuge eingesetzt, über die die Bahn zu dem Zeitpunkt verfügen werde, hieß es. Dabei handelt es sich um Züge mit Doppelstockwaggons, die derzeit im Görlitzer Bombardier-Werk hergestellt werden. Sie sind für eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Das entspricht dem Ausbaustand der Bahnstrecken um Magdeburg. Ursprünglich sollten die neuen Züge bereits ab Dezember 2013 eingesetzt werden. Laut Bahn gibt es aber Lieferverzögerungen.

Auf und Ab: Das ICE-Zeitalter dauerte 20 Jahre

Oberbürgermeister Dr. Willi Polte startet 1993 mit der Schaffnerkelle die Abfahrt des ersten Inter-City-Express aus dem Magdeburger Hauptbahnhof
Der ehemalige Oberbürgermeister Magdeburgs, Dr. Willi Polte, feierte 1993 den ersten ICE im Hauptbahnhof Magdeburgs.

Im Mai 1993, wenige Monate vor der Fusion der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Reichsbahn, begann für Magdeburg das ICE-Zeitalter. Mit einher gingen Umbauarbeiten am Hauptbahnhof der Landeshauptstadt. Gleichzeitig wurde die Bahnstrecke Helmstedt-Magdeburg-Berlin im Rahmen des "Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 5" ausgebaut und für eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde ertüchtigt. Mitte der 90er-Jahre fuhren dann täglich fast 50 ICE-Züge zwischen Magdeburg und Berlin. Nach dem Bau der Schnellfahrtstecken über Stendal und Halle, die noch höhere Geschwindigkeiten erlauben, hielten immer weniger Hochgeschwindigkeits-Züge in der Landeshauptstadt. Im Mai 2006 wurde die ICE-Verbindung nach Berlin gänzlich gestrichen. Anschluss ans ICE-Netz hatte Magdeburg seitdem nur noch mit wenigen Zügen pro Woche nach Dresden und Hannover. Einen Zeitvorteil gegenüber den stündlich fahrenden InterCity-Zügen konnten die ICEs aufgrund der Streckenbeschaffenheit aber nicht bieten.

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2012, 20:50 Uhr

36. AchimZähne:
Genau! Ma lieber ma auf den neuen Dacia Logan umsteigen jungs!!
03.11.2012
15:24 Uhr
35. Suffkopp:
Wurde den Magdeburgern schon der Dacia Logan empfohlen?
03.11.2012
06:53 Uhr
34. David aus den Niederlanden:
Kein Problem. Im IC dürfen Fahrräder mitgenommen worden, im ICE gar nicht. IC ist auch billiger als ICE und IC ist dort genausoschnell wie ICE, also ich verstehe das Hick-Hack gar nicht. Oder doch wohl....? Die meiste Deutsche glauben, dass ein Euro eine DM ist und spendieren gerne zuviel geld, das ist das wirkliche Volksproblem!
03.11.2012
01:21 Uhr
33. Andreas:
@Andreas#2 Ob privatwirtschaftlich geführt oder privatisiert kommt doch letztlich am Ende auf dasselbe raus. Ich denke, so lukrativ (gewinnbringend) kann der Regionalverkehr nicht sein. Sonst müssten die Länder diese Verbindungen nicht "bestellen" bzw, die Bahn würde sie in Eigenregie betreiben. Wenn man sich die Auslastung so mancher (nicht aller) Regionalbahnen anschaut, wird das auch klar.
02.11.2012
18:50 Uhr
32. uwecarl:
... tja, und wo liegt nun wirklich das Problem ???
02.11.2012
18:20 Uhr
31. chb:
Mit dieser Entscheidung wird nur klar, was Bahnfahrenden schon länger klar war: 1. Die Deutsche Bahn hat kein Interesse, die Fernstrecken von und nach Magdeburg für höhere Geschwindigkeiten auszubauen - denn nur so würde die Nutzung von ICE-Zügen Sinn machen. 2. Die Landesregierung hat - mal wieder - in ihrer Verkehrspolitik den Bahnverkehr vernachlässigt. "Magdeburg wollen gar nicht schneller mit der Bahn nach Berlin", sagte z.B. mal ein Verkehrsminister. 3. Wir Bahnreisenden sind die Leidtragenden. Ein großer Nachteil der IC-Verbindungen: Sie sind den ICE-Verbindungen gegenüber nachrangig, was sich v.a. auf die Anschlüsse bei Verspätungen auswirkt. Aber wir kennen ja schon diese Zwangspausen in Hannover, Braunschweig, Stendal, Wolfsburg, Halle, Leipzig...
02.11.2012
15:37 Uhr
30. Nico Walter:
@Bernd Kowalewski: „Man darf mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Wagen nur eine EBA-Zulassung erhalten, wenn das Evakuierungskonzept OK ist.“ Na, wo Sie die Sicherheit hernehmen würde mich mal interessieren. Man denke nur mal an Eschede, da hatte selbst die Feuerwehr mit schwerem Gerät Mühe, eingeschlossene Fahrgäste aus den Waggons zu befreien. Erst nach dem Unglück wurden alle Abteile mit Notausstiegsfenstern ausgerüstet. Von der eigentliche Ursache des Unglücks, dem gebrochenen Radreifen, mal ganz zu schweigen. Obwohl dieses System im Hochgeschwindigkeitsverkehr völlig neu war hat es (vor dem Unglück) nicht einen einzigen (!) praktischen Versuch zur Ermittlung von Bruchfestigkeit und Verschleißgrenzen gegeben. Statt dessen verließ man sich auf „theoretische Überlegungen“. Warnungen aus anderen Bereichen, z.B. Straßenbahnen (die die Räder viel weniger belasten) wurden konsequent ignoriert. Das sind belegbare Fakten die mein Vertrauen in die Bahn nicht gerade steigern.
02.11.2012
13:11 Uhr
29. Andreas#2:
@Andreas: Die Bahn ist nicht privatisiert. Sie ist ein privatwirtschaftlich geführtes Staatsunternehmen. Das Regionalverkehr ist durch Regionalisierung mit Abstand das lukrativste im ganzen Bahnbetrieb. Nur die Infrastruktur wirft mehr ab. Wenn das Land oder die Stadt mehr Verbindungen haben will, dann soll man dafür halt zahlen. Wirtschaftlich arbeiten mit Fernverkehr zwischen Berlin und Magdeburg kann alleine niemand. Sonst würden sich schon andere Unternehmen auf die Verbindung stürzen, wie z.B. der Köln-Hamburg-Express
02.11.2012
12:33 Uhr
28. Jean:
Seltsam aber bezeichnend, wie Fachwissen zu Gesetzmässigkeiten im Verkehr im Politischen fehlen: Da sagt ein MP am 1.11. noch, er kämpfe mit allen Mitteln für den ICE-Halt und am 2.11. November setzt er entgegengesetzt Zeichen (wie alle Länder - selbst grün-geführt): Mit dem OK zum Fernbuslinienverkehr haben die Bundesländer heute im Bundesrat - blind - auch Ja gesagt, dass sich die DB daran orientieren muss, was sich rechnet, d.h. alle IC/ICE in Frage stellen muss, die sich allein nicht rechnen (ca. 25-30 % aller IC/ICE-Kilometer!) und bislang durch gute Erträge der "Rennstrecken" finanziert werden können. Zugleich steigt der Abmangel im regionalen Schienenverkehr durch zurückgehende Fahrgeldeinahmen - will man keine Einschnitte im Bahnangebot. Über die Auswirkungen der Fernbusse werden sich besonders außerhalb der Grossräume noch viele Politiker ärgern... schätze ich.
02.11.2012
11:36 Uhr
27. Andreas:
Das große Problem ist und bleibt die Privatisierung der Bahn. Hat es sich bei Post und Telekom für den Nutzer als positiv erwiesen, kann man das von der Bahn nicht behaupten. Konkurrenz gibt es nur auf Regionalstrecken (HEX, Metronom usw.) die eh für die Bahn kaum lukrativ waren. Auf den Fernstrecken hat die Bahn auf Gedeih und Verderb das Monopol und kann tun und machen was sie will. Es gibt dort kein vergleichbares Konkurrenzprodukt. Wirtschaftliche Entwicklungen solcher Regionen wie Magdeburg, Chemnitz oder Schwerin / Rostock sind Herrn Grube doch völlig egal. Man hätte die Bahn nie privatisieren dürfen.
02.11.2012
09:19 Uhr

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