Durchfall-Erkrankungen : Anzeichen für Entspannung am Wochenende
Die Welle der Brechdurchfall-Erkrankungen in Kindergärten und Schulen in Ostdeutschland hat sich abgeschwächt. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin berichtete am Sonntag, der Höhepunkt nach der Zahl der gemeldeten Fälle sei am Mittwoch und Donnerstag erreicht worden. Am Freitag waren allerdings zahlreiche besonders betroffene Schulen vor allem in Sachsen geschlossen worden. Sie sollen nun am Montag wieder öffnen. Wie es dann weitergeht ist offen, zumal die Ursache für die Erkrankungen noch immer nicht klar ist.
Bis zum Sonntag waren nach offiziellen Angaben mindestens 8.365 Jugendliche und Kinder sowie einige Erwachsene in Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erkrankt. Betroffen waren 342 Schulen und Kindergärten. Mit 2.800 Fällen wurden die meisten in Sachsen registriert, 2415 in Brandenburg gemeldet, 2.213 in Berlin, 887 in Thüringen, 50 in Sachsen-Anhalt.
Alle betroffenen Einrichtungen waren vom Catering-Unternehmen Sodexo beliefert worden, das im hessischen Rüsselsheim seine Zentrale hat, jedoch Großküchen im gesamten Bundesgebiet betreibt und Kunden beliefert. In fast allen Sodex-Küchen wird am Montag wieder Kantinen-Essen produziert. Nur in Berlin bleiben auf Wunsch des Senats zwei Küchen zu, wie ein Sprecher des Unternehmens sagte. Im süd-thüringischen Suhl hat das Gesundheitsamt entschieden, dass die dortige Großküche kein Essen anliefern soll.
Während es noch am Freitag bei Sodexo hieß, man sehe sich nicht für die Erkrankungswelle verantwortlich, hieß es am Sonntag, es sei nun klar dass, tatsächlich nur Kinder in Einrichtungen betroffen seien, die von Sodexo beliefert wurden. Dementsprechend intensiv seien die Untersuchungen. Alle Küchen seien desinfiziert, alle Unterlagen, Lieferscheine und Lieferwege würden untersucht. Sollte sich herausstellen, dass es tatsächlich das Essen war, wird bei Sodexo vermutet, dass es an einem zugelieferten Produkt liege.
Auch Bakterien im Verdacht
Nach Einschätzung von Experten könnten die Ursache auch bei den anliefernden Firmen liegen. Eine eigens eingerichtete Task-Force von Bund und Ländern untersucht vor allem Proben von Lieferanten, die Speisepläne und Lieferwege und wertet Laborergebnisse aus. Dabei gab es am Wochenende erste Anhaltspunkte: In Sachsen und Thüringen ist das ansteckende Norovirus in einigen wenigen Fällen nachgewiesen worden.
Bei der Bewertung aber bleiben die Behörden vorsichtig. Es wird weiter ermittelt, ob auch bakterielle Toxine die Ursache sein könnten. Im Verdacht stehe auch die Bakterienart Bacillus cereus, dessen Toxine hitzebeständig seien, sagte Jürgen Ziegenfuß, Abteilungsleiter im Landesamt für Lebensmittelsicherheit Thüringen. In Thüringen wurde der Erreger seit Ausbruch der Krankheitswelle in zwei Proben nachgewiesen. "Für eine belastbare Aussage ist das aber zu dünn", sagte Ziegenfuß. Auch das Robert Koch-Institut berichtete, mögliche Auslöser könnten neben dem Norovirus die Toxine bildenden Bakterien Staphylococcus aureus, Bacillus cereus oder Clostridium perfringens sein.
Der Verlauf der meisten Erkrankungen sei "kurz und unkompliziert", berichtete das RKI weiter. Es gebe auch keine Hinweise auf eine nennenswerte Anzahl von Sekundärinfektionen. Deshalb gehen die Behörden jetzt davon aus, dass die Erkrankungen zumeist nicht ansteckend sind. In Berlin wurden jedoch Einzelfälle von Zweitinfektionen bekannt, wie die Gesundheitsbehörde warnte. Insgesamt 23 Personen wurden bislang stationär behandelt, die aber alle nach kurzer Zeit im Krankenhaus wieder entlassen werden konnten.
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Ausbruchsverlauf
Die ersten Meldungen über die Erkrankungen kamen aus Sachsen. Dort traten sie ab dem 19. September auf, wenngleich das Robert-Koch-Institut auch frühere Fälle für möglich hält.
Seit dem 25. September wurden dann aus fast ganz Ostdeutschland neue Fälle gemeldet, die dem aktuellen Geschehen zugeordnet werden. Die meisten wurden in den beiden folgenden Tagen registriert. Die Zahlen, die inzwischen einlaufen, beruhen zumeist auf Nachmeldungen.
Was tun bei Brechdurchfall?
Das Robert-Koch-Institut empfiehlt bei wässrigen Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen viel zu trinken, zucker- und elektrolythaltige Getränke, um eine gefährliche Austrocknung zu verhindern. Außerdem wird Salzgebäck empfohlen, denn der Körper verliere mit der Flüssigkeit auch Salze.
Bei starken Erkrankungen und Vorerkrankungen empfehlen die Experten, einen Arzt zu konsultieren. Kinder unter sechs Monaten jedoch sollten auf jeden Fall zum Arzt.


