"Codex Dresdensis" : Sonderschau zum Maya-Weltuntergangsmythos
In Dresden widmet sich ab Donnerstag eine Sonderausstellung dem Maya-Kalender und dem damit verbundenen Weltuntergangsmythos. Wie Museumsleiterin Katrin Nitzschke erklärte, ist die Schau "Weltuntergang 2012?" als Reaktion auf das seit einigen Jahren immens gestiegene Interesse an dem sogenannten "Codex Dresdensis" entstanden. Er ist eine von nur drei erhaltenen Handschriften der untergegangenen zentralamerikanischen Indio-Kultur. Während die beiden anderen in Madrid und Paris hinter verschlossenen Türen lagern, wird das Dresdner Exemplar als einziges öffentlich gezeigt – in der Schatzkammer des Buchmuseums der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek.
Ein Lexikon der Maya-Kultur
Der 800 Jahre alte Codex besteht aus 39 ursprünglich als Leporello gefalteten Blättern aus Feigenbaumrinde, die zusammen rund 3,50 Meter lang sind. Die beidseitig beschriebenen Tafeln gelten als das älteste und qualitätvollste erhaltene Buch der Maya. Die Bibliothek stuft sie als eines der bedeutendsten schriftlichen Zeugnisse der vorspanischen Zeit in Amerika ein. Die Handschrift enthält verschiedene Almanache, Weissagungskalender, astronomische Tafeln, rituelle Vorschriften, zahlreiche Götterdarstellungen und auch die vermeintliche Prophezeiung vom Weltuntergang zur Wintersonnenwende 2012. Deshalb pilgern inzwischen nicht nur die Maya-Nachfahren nach Dresden.
Die Sonderausstellung geht der Geschichte und Entzifferung des Dokuments seit seiner Ankunft in Dresden 1740 nach. Viele Exponate sind erstmals öffentlich zu sehen. Sie beleuchten die Erforschung des Codex´ durch Wissenschaftler, wie den Forscher Alexander von Humboldt, zeigen religiöse Vorstellungen und die hervorragenden astronomischen Kenntnisse der Maya. Außerdem werden zentrale Aspekte der Handschrift erklärt. Da der Laie aus dem Original wenig lesen kann, wurden einige Tafelseiten für die Ausstellung reproduziert und "übersetzt". Dabei wird auch mit dem Weltuntergangsmythos aufgeräumt.
Nur das Ende eines Kalenders oder das Ende der Welt?
Anlass für die Spekulationen ist das Ende des Kalenders am 21. Dezember 2012. Die Ausstellung erläutert, dass dieser Tag zwar ein wichtiges Datum für die Maya war - allerdings weniger als Tag der Apokalypse, sondern als Beginn eines neuen Zeitalters. Im Dresdner Codex wird das Datum nicht einmal erwähnt. Die letzte Seite zeigt nur die Vorhersage einer Flutkatastrophe. Nikolai Grube, Professor für Altamerikanistik der Universität Bonn, vergleicht die Befürchtungen vieler Menschen wegen des Datums mit den Ängsten vor dem 1. Januar 2000. Beide Termine seien aber nur das Ende einer Zählperiode, auf die eine weitere folge. Für die Maya hätte also am 21. Dezember lediglich ein neuer 400-Jahre-Zyklus in ihre Zeitrechnung begonnen.
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Das Buchmuseum der SLUB Dresden
Standort:
Zellescher Weg 18, 01069 Dresden
Öffnungszeiten:
Montag-Sonntag 10-18 Uhr
Die Schatzkammer mit besonderen Kostbarkeiten des Bestands wird auf Anfrage vom Wachdienst geöffnet.
Öffentliche Führungen durch die Schatzkammer gibt es immer sonnabends 14 Uhr und an jedem vierten Dienstag im Monat 18 Uhr.
Eintritt und Führungen sind kostenlos.





