Nachrichten

Was darf Wohnen kosten? : Mietexplosion im Westen - Und im Osten?

Das Wort von der Mietpreisexplosion macht die Runde. Wohnen wird immer teurer, das wird jeder zumindest gefühlt bestätigen. Aber was sagen die Zahlen? Preise für Immobilien und Mieten sind in den vergangenen Jahren gestiegen und - glaubt man den Experten - wird sich der Trend fortsetzen. Die Politik will dem entgegentreten. SPD und Grüne fordern, die Steigerungsraten zu deckeln.

Leipzig  - Waldstraßenviertel.

Mieter werden in Deutschland immer mehr zur Kasse gebeten. Die Preise für Neuvermietungen sind in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Dabei ist der Run auf die Großstädte besonders spürbar. In den vergangenen fünf Jahren erlebte Berlin einen Anstieg bei den Wohnungsmieten von 27,6 Prozent. Für eine 60 bis 80 Quadratmeter-Wohnung zahlte der Berliner 2012 bereits mehr als zehn Euro pro Quadratmeter. Noch deutlicher stieg der Satz für Immobilienkäufe. Dort sind die Preise für Eigentumswohnungen seit 2007 um 72,5 Prozent in die Höhe geschnellt. Das lässt vermuten, dass sich die Mietpreise auch künftig kräftig nach oben bewegen werden.

Teurer wurde es auch in München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Köln und Stuttgart. In München zahlte man für die oben beschriebene Wohnung pro Quadratmeter 13, in Frankfurt/Main 12, in Hamburg 11, in Stuttgart fast elf, in Düsseldorf und Wiesbaden mehr als zehn Euro. Lediglich im Ruhrgebiet ließen die Preise für Eigentumswohnungen nach, in Dortmund um knapp sechs Prozent, in Gelsenkirchen um ein Viertel. Allerdings stiegen auch dort immer noch die Mieten, um mehr als sechs Prozent in Dortmund und immer noch zwei Prozent in Gelsenkirchen.

Mietpreisexplosion - kein Ostproblem

Leipzig - Lassallestraße.
Luxussanierung - Da kann manch alteingesessener Mieter nicht mehr mithalten.

Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stiegen die Verkaufs- und Mietpreise in den vergangenen Jahren meist an. Die Raten fielen aber wesentlich geringer aus als im Westen. So lagen die Quadratmeterpreise für eine 60-Quadratmeter-Wohnung 2012 durchschnittlich bei 4,79 Euro in Sachsen-Anhalt, bei 4,84 Euro in Thüringen und 4,85 Euro in Sachsen. Nur eines wird auch im Osten deutlich: In Großstädten mit Bevölkerungswachstum, guter konjunktureller Entwicklung und insgesamt guten Prognosen erhöhen sich die Wohnkosten auch stärker. Spitzenreiter dabei ist Jena. Dort sind Wohnungen in den vergangenen sieben Jahren um fast ein Drittel teurer geworden. Auch Dresden ist so ein Aufsteiger. Dort verteuerten sich die Preise für Mietwohnungen im genannten Zeitraum um 16 Prozent.

Es gibt aber auch gegenteilige Beispiele. So ließen die Preise in Magdeburg und Leipzig in den vergangenen sieben Jahren im Durchschnitt leicht nach. In Rostock und Cottbus wurde Wohnen sogar deutlich günstiger.

Kamin, große Terrasse, Erlebnisbad

Für die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt gibt es unterschiedliche Gründe. Einer ist die Modernisierung vorhandenen Wohnraums. Ältere Wohnungen werden vor der Neuvermietung oft nachgebessert bis luxussaniert. Kamine, große Terrassen, zwei Bäder, Fußbodenheizung und separate Autostellplätze - alles Kosten, die der neue Mieter zahlen wird. Vermieter können sich vor allem in lukrativen Innenstadtlagen darauf verlassen, dass es viele Interessenten geben wird. Die Kehrseite: Viele Mieter werden aus den Zentren an den Stadtrand verbannt.

Der Deutsche Mieterbund warnte in diesem Zusammenhang, schon jetzt würden viele Haushalte mehr als ein Drittel ihrer Konsumausgaben für das Wohnen ausgeben. Bei einkommensschwachen Haushalten seien es sogar mehr als 45 Prozent.

Nachfrage stärker als das Angebot

Plattenbau
Mancherorts steigen die Preise auch in der Platte, wenn sie saniert ist.

Der Mangel an zusätzlichen neu gebauten Wohnungen, vor allem an bezahlbarem Wohnraum, ist ebenfalls ein Preistreiber. Nach Schätzungen des Mieterbundes fehlen deutschlandweit rund 250.000 Mietwohnungen. Es würden jährlich 150.000 neue Wohnungen gebraucht, davon 40.000 Sozialwohnungen.

Der Verband geht davon aus, dass der aktuelle Bestand von rund 1,5 Millionen Sozialwohnungen jährlich um 100.000 Einheiten schrumpft. Bundesbauminister Peter Ramsauer bilanzierte in seinem jüngsten Wohn- und Immobilienbericht eine Zunahme der Vorhaben im Wohnungsbau. Die Rendite im Wohnungsbau sei jahrelang zu gering gewesen. Nun ziehe die Bautätigkeit wieder an. Sie sei von 2010 auf 2011 um zwölf Prozent bei den Fertigstellungen und um rund 20 Prozent bei den Baugenehmigungen gestiegen.

Viele Städte haben mit einem weiteren Phänomen zu kämpfen. Es fehlt Wohnraum für bestimmte Gruppen. Deutlich wird das zum Beispiel an den Universitätsstädten. Nach dem verkürzten Abitur und dem Wegfall des Wehrdienstes sprengt der Bedarf an passendem Wohnraum für Studierende jedes Angebot. Die Folge sind auch hier steigende Mieten. Insgesamt gibt es zunehmend mehr Haushalte. Man spricht von der "versingelten Gesellschaft".

Single-Boom: Alleine Wohnen liegt im Trend

Wer in großen Städten auf Wohnungssuche ist, hat es vor allem bei kleineren Wohnungen schwer. Denn die Nachfrage nach Single-Wohnungen wächst - und zwar schneller als das Angebot. Dadurch steigen auch die Mieten spürbar. [mehr]


Und der Trend?

Ein weiterer Grund für die Verteuerung wird auch noch weiterhin wirken. Niedrige Zinsen für Baugeld und die Skepsis gegenüber alternativen Geldanlagen lässt die Nachfrage nach Wohneigentum weiter steigen. Nach einer Studie von Feri EuroRating Services setzt sich der Preisauftrieb bis mindestens 2015 fort. Demnach verteuern sich Eigentumswohnungen in den Metropolen weiter - in Berlin um acht Prozent und um fast 16 Prozent in Hamburg.

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird auch Dresden boomen. Dort werden die Kaufpreise um bis zu zehn Prozent anziehen. In Leipzig dagegen wird nur ein moderater Anstieg erwartet. Die Mieten in Großstädten werden voraussichtlich weiter steigen.

SPD will Mietpreisbremse

Die SPD hat das Problem Wohnkosten zum Wahlkampfthema gemacht. Im Falle eines rot-grünen Wahlsiegs sollen die Preise für Neuvermietungen nur noch höchstens um zehn Prozent über den ortsüblichen Vergleichsmieten liegen dürfen, lautet das Versprechen. Bei Bestandsmieten sollen die Mieterhöhungen auf 15 Prozent in vier Jahren gedeckelt werden. Außerdem sollen Maklergebühren künftig nicht mehr vom Mieter übernommen werden, sondern vom Vermieter. SPD und Grüne kündigten darüber hinaus an, im Bundesrat die schwarz-gelbe Mietrechtsreform zu stoppen, die weitere Umlagen auf Mieter ermöglicht.

Karte: Quadratmeterpreise Mitteldeutschland

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2013, 15:15 Uhr

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK