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Jüdisches Ritualbad : Mittelalterliche Mikwe in Erfurt eröffnet

Erfurt ist um ein einzigartiges Zeugnis jüdischen Lebens im Mittelalter reicher. Am Sonntag ist das Ritualbad, die Mikwe, nach umfassender Sicherung und Sanierung als Museum an der Krämerbrücke eröffnet worden. Staatssekretär Thomas Deufel sagte, mit der Mikwe habe Erfurt ein Kulturdenkmal von ganz besonderem kulturellen Wert wiedergewonnen. Die Neuentdeckung des lange verloren gegangenen Erbes sei ein "Geschenk der Geschichte an Erfurt und Thüringen".

Land, Stadt und private Spender ermöglichten Sanierung

Die Mikwe wurde 2007 bei Bauarbeiten entdeckt. Das Tauchbad diente einst der religiösen Reinigung und wird urkundlich bereits im Jahr 1248 erwähnt. Um die baulichen Überreste zu sichern, wurde ein Schutzbau errichtet. Die Mikwe ist im Wesentlichen durch einen Lichtschacht an der Decke einsehbar. Insgesamt 695.000 Euro gaben das Land Thüringen, die Stadt und private Spender, um das Ritualbad herzurichten.

Die Landeshauptstadt will sich mit der Mikwe, der alten Synagoge und weiteren einzigartigen Zeugnissen als jüdisches Weltkulturerbe bewerben. Erfurt strebt eine gemeinsame Bewerbung mit Köln sowie Speyer und Worms an. Dort gibt es allerdings bisher Bedenken dagegen.

Mikwe schon lange in der Nähe der alten Synagoge vermutet

Die Mikwe war lange eines der bestgehüteten Geheimnisse der einst einflussreichen Erfurter jüdischen Gemeinde. Archäologen vermuteten das Bad anhand alter Quellen schon lange in dem Gebiet nahe der um 1100 gebauten alten Synagoge. In der von fließendem Wasser gespeisten Mikwe wurde das Geschirr rituell gereinigt. Das Bad wurde vor allem von Frauen genutzt, die sich nach ihrer Monatsblutung, vor der Hochzeit und nach Geburten einer Reinigung unterziehen mussten, bevor sie eine Synagoge betreten durften. Auch Männer nutzten das kalte Wasser zur religiösen Waschung.

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2011, 11:24 Uhr

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