Bundesratsinitiative : Sachsen-Anhalt schwenkt beim Mindestlohn um
Sachsen-Anhalt schwenkt bei seiner Haltung zu einem flächendeckenden einheitlichen Mindestlohn um. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte nach einem Koalitionstreffen in Magdeburg, sein Land werde den Thüringer Vorstoß im Bundesrat weitestgehend unterstützen. Zugleich schränkte der CDU-Politiker ein, es müsse einiges verhandelt werden. So müsse die Wahrung der Tarifautonomie noch stärker herausgearbeitet werden.
Koalitionskrach in Magdeburg abgewendet
Mit diesem Eingeständnis an den Koalitionspartner SPD könnte Haseloff einen handfesten Koalitionskrach abgewendet haben: Er hatte eben mit dem Argument der Tarifautonomie den Gesetzentwurf von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht noch vor rund einer Woche abgelehnt. Zwar unterstützte er dabei ein Existenz sicherndes Einkommen für Vollzeitbeschäftigte, sprach sich aber gegen einen von der Tarifpartnerschaft abgekoppelte flächendeckende gesetzliche Vorgabe aus.
Damit steuerte die Koalition in Sachsen-Anhalt auf einen Streit zu, denn die SPD in der Regierung wollte Lieberknechts Vorstoß unterstützen. Und auch die Linke forderte für die Landtagssitzung am Donnerstag, auf der über den Vorschlag abgestimmt werden soll, eine Aktuelle Debatte zum Thema.
Sachsen lehnt Lieberknechts Vorstoß ab
Mit Haseloffs Ja hat Lieberknecht das zweite Bundesland aus Mitteldeutschland für ihre Idee gewonnen. Außerdem weiß Thüringen das Saarland und Brandenburg auf seiner Seite.
Sachsen lehnt die Initiative ab. Ein Sprecher der Staatskanzlei sagte vor einigen Tagen bei MDR INFO, dennoch sei der Freistaat an allgemein verbindlichen Lohnuntergrenzen interessiert. In Bereichen ohne tarifliche Bindung müssten diese aber durch eine Kommission von Arbeitgebern und Gewerkschaften für Bereiche ausgehandelt werden.
Thüringer Modell sieht bundesweiten Mindestlohn vor
Lieberknechts Mindestlohnvorschlag greift weiter als der der Bundesregierung – wenngleich sie ihn in einem aktuellen Interview mit der "taz" als "ganz nah an der Bundes-CDU" sieht. Sie schlägt in ihrem Entwurf eine unabhängige Kommission vor, die nach britischem Vorbild jährlich einen bundesweiten Mindestlohn für alle Branchen festlegt.
Setzt sie sich am 21. September mit ihrem Vorhaben im Bundesrat durch, muss sich der Bundestag mit der Gesetzvorgabe befassen. Mit Unterstützung des Saarlandes steigen die Aussichten auf einen Erfolg der Initiative.
Die von der SPD oder gemeinsam mit Linken und Grünen regierten Länder kommen auf 30 Stimmen, die Länder mit einer Großen Koalition auf 18 Stimmen. Dagegen stehen die Schwarz-Gelb-Regierungen mit insgesamt 21 Stimmen. Bei 69 Sitzen im Bundesrat sind 35 Stimmen für einen Erfolg nötig. Im Moment gelten in Deutschland Mindestlöhne nur in einigen Branchen.
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