Internationaler Tag der Muttersprache : Alle zwei Wochen verschwindet eine Sprache
Von den rund 6.000 Sprachen, die aktuell auf der Welt gesprochen werden, ist fast die Hälfte vom Verschwinden bedroht. Darauf macht die UN-Bildungsorganisation UNESCO seit dem Jahr 2000 immer am 21. Februar mit dem Internationalen Tag der Muttersprache aufmerksam.
Mehr als 2.400 Sprachen vom Aussterben bedroht
Der Organisation zufolge geht alle zwei Wochen eine Sprache verloren. Im UNESCO-Atlas der gefährdeten Sprachen sind zurzeit mehr als 2.400 Sprachen verzeichnet. Gründe für das Verschwinden einer Sprache sind unter anderem Krieg, Vertreibung und Stigmatisierung, aber auch Migration und die Vermischung von Sprachen. So nimmt zum Beispiel das Englische eine immer größere Bedeutung ein. Am ehesten vom Aussterben bedroht sind die Sprachen kleiner ethnischer Gruppen in Lateinamerika und in der asiatisch-pazifischen Region. Der australische Chefredakteur des Atlas, Christopher Moseley, weist allerdings darauf hin, dass die Behauptung, die ehemaligen Kolonialsprachen wie Englisch, Französisch und Spanisch würden die Minderheiten- und Regionalsprachen vertreiben, zu kurz greift. Der Grund des Sprachensterbens sei vielmehr ein komplexes Zusammenspiel von politischen, sozialen und kulturellen Einflüssen.
Der Sprachatlas erzählt aber auch Erfolgsgeschichten. So konnte zum Beispiel das Kornische, das im englischen Cornwall gesprochen wird, wiederbelebt werden. Während es in den Atlasausgaben von 1996 und 2011 schon als ausgestorben galt, konnte es dank sprachpolitischer Initiativen gerettet werden.
13 gefährdete Sprachen in Deutschland
In Deutschland gelten zurzeit 13 Sprachen als gefährdet, zum Beispiel Sorbisch, Jiddisch und Nordfriesisch. So wird angenommen, dass nur noch rund 10.000 Menschen Nordfriesisch sprechen.
Der Deutsche Lehrerverband kritisierte anlässlich des Tags der Muttersprache, die Politik ginge gleichgültig mit dem Deutschen um. Verbandspräsident Josef Kraus sagte, während die Landessprache in den meisten Nationen rund ein Viertel des Gesamtunterrichts ausmache, sei es in Deutschland nur rund ein Sechstel. Schon in der Grundschule sei der Deutschunterricht "auf Sparflamme" eingestellt und werde gleichzeitig zugunsten des Englischunterrichts gekürzt.
Historischer Hintergrund
Dass der Internationale Tag der Muttersprache immer am 21. Februar gefeiert wird, ist kein Zufall: 1952 legte das Regime im damaligen Pakistan die Sprache Urdu als alleinige Amtssprache fest, obwohl es nur die Muttersprache von etwa drei Prozent der Bevölkerung war. Hieraufhin gab es vor allem im Osten des Landes, wo fast ausschließlich Bengalisch gesprochen wurde, Proteste. Am 23. Februar 1952 erschoss die Polizei mehrere Demonstranten. Jahrzehnte später führte der Konflikt zur Abspaltung des Ostens und zur Gründung des Landes Bangladesch. Auf Antrag von Bangladesch wurde der 21. Februar dann im November 1999 von der UNESCO zum Internationalen Tag der Muttersprache ausgerufen.
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