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Nach Jet-Abschuss durch Syrien : Türkei droht Syrien mit "gewaltigem Zorn"

Vier Tage nach dem Abschuss eines türkischen Militärjets durch Syrien hat die NATO den Vorfall scharf verurteilt. Konsequenzen hat das keine. Der türkische Regierungschef Erdogan drohte am Dienstag aber mit einem Vergeltungsschlag, sollte es einen Wiederholungsfall geben. Russland rief hingegen zum Dialog zwischen beiden Nachbarländern auf. Syrien und die Türkei haben eine 900 Kilometer lange gemeinsame Grenze.

Der NATO-Rat hat den Abschuss eines türkischen Militärjets durch Syrien als inakzeptabel verurteilt. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte an die Adresse des Regimes von Machthaber Baschar Assad, dass ein solcher Vorfall sich nicht noch einmal wiederholen dürfe. Der NATO-Rat war am Dienstag auf Antrag der Türkei zu einer Sondersitzung in Brüssel zusammengekommen. Rasmussen sicherte beim Treffen dem NATO-Mitglied Türkei die volle Solidarität des Bündnisses zu. Militäraktionen seien aber vorerst nicht geplant.

Erdogan: Türkei will ohne Zögern zurückschießen

Recep Tayyip Erdogan
Türkischer Premier Erdogan schlägt scharfe Töne an.

Ganz andere Töne schlug hingegen der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an: Er drohte Syrien bei erneuten Grenzverletzungen mit militärischen Reaktionen. Die türkischen Streitkräfte seien in Alarmbereitschaft. Jedes militärische Element, das sich von Syrien aus der türkischen Grenze nähere und eine Gefahr darstelle, werde als militärisches Ziel betrachtet, warnte Erdogan. In jüngster Vergangenheit hätten syrische Hubschrauber fünf Mal den türkischen Luftraum verletzt, ohne dass man reagiert habe. Ab sofort werde man aber ohne Zögern schießen. So wertvoll, wie die Freundschaft der Türkei sei, so gewaltig und vernichtend sei ihr Zorn, warnte der Premier.

Die Beziehungen beider Nachbarländer sind traditionell äußerst angespannt. Grund sind jahrelange Grenzverletzungen, zudem unterstützt Syrien die kurdische PKK, die in der Türkei als Terrorgruppe verfolgt wird. Mehrmals forderte die Regierung in Ankara den syrischen Präsidenten Baschar Assad zum Rücktritt auf, auch unterstützt sie offen die Opposition im Nachbarland. 33.000 Syrer sind vor der Gewalt bereits in die Türkei geflohen. Seit über einem Jahr lässt Assad Volksproteste gegen sein Regime gewaltsam niederschlagen.

Russland: Vorfall darf nicht als Provokation gesehen werden

Russland forderte am Dienstag beide Länder zum Dialog und zur Zurückhaltung auf. Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch sagte in Moskau, der Vorfall dürfe nicht als als Provokation oder Absicht angesehen werden. Beide Länder sollten jetzt miteinander sprechen, um eine Eskalation zu verhindern. Russland hat bislang im UN-Sicherheitsrat verhindert, dass die Vereinten Nationen den Druck auf das Regime in Syrien erhöhen können, das brutal gegen die Opposition vorgeht. Syrien ist ein enger Verbündeter Moskaus.

Ankara hatte NATO-Treffen verlangt

Ein Syrischer Militärsprecher erläutert an einem Fernsehschirm den Vorfall.
Das syrische Fernsehen erklärte am Freitag den Vorfall.

Die Türkei hatte das NATO-Treffen beantragt, weil sie ihre Sicherheit bedroht sieht. In der Sondersitzung unterrichtete die Türkei die Bündnispartner über die Einzelheiten des Abschusses am Freitag. Ankara räumte inzwischen ein, dass der Militärjet vom Typ F4-Phantom irrtümlich in den syrischen Luftraum eingedrungen sei, ihn nach einer Warnung aber wieder verlassen habe. Der Jet sei in internationalem Luftraum abgeschossen worden. Über den Verbleib der beiden Piloten gibt es bislang keine verlässlichen Informationen. Außerdem soll Syrien nach Darstellung Ankaras auf ein türkisches Rettungsflugzeug geschossen haben, das nach dem Absturz des Kampfjets ausgeschickt worden sei.

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2012, 22:58 Uhr

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