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Überraschende Entscheidung : Naturkundemuseum Leipzig zum Großteil geschlossen

Im Naturkundemuseum Leipzig sind seit Mittwoch große Teile der Ausstellungsflächen geschlossen. Grund ist nach Angaben der Stadtverwaltung der mangelnde Brandschutz. Für die Besucher seien nur noch die Sonderausstellungen im Erdgeschoss zugänglich. Die Dauerausstellung auf rund 800 Quadratmetern in den oberen Etagen werde dagegen gesperrt. Das entspricht 85 Prozent der Ausstellungsflächen.

Museumsleiter unter Schock

Das Leipziger Naturkundemuseum
Im kommenden Jahr wird das Naturkundemuseum Leipzig 100 Jahre alt.

Die Entscheidung des Kulturamtes hatte im Museum für Fassungslosigkeit gesorgt. Direktor Rudolf Schlatter sprach von einem Schock. Er zeigte sich verwundert, dass die Schließung jetzt so plötzlich verfügt worden sei, obwohl die Brandschutzmängel schon lange bekannt gewesen seien. Die Leiterin des Kulturamts, Susanne Kucharski-Huniat, verwies dagegen auf notwendige Sicherheitsvorkehrungen. Nach dem Brand der Anna Amalia Bibliothek in Weimar sei die Aufmerksamkeit für den Brandschutz gestiegen. Im September 2004 hatte ein Feuer große Teile der Weimarer Bibliothek und ihres Buch- und Kunstbestands zerstört.

Die Kosten für die Arbeiten im Leipziger Naturkundemuseum werden auf 400.000 Euro geschätzt. Seit dem Jahr 2007 investierte die Stadt nach eigenen Angaben rund 50.000 Euro in den Brandschutz. Ab Januar 2012 sollen weitere Arbeiten im Museum folgen, die Kosten dafür werden mit etwa 60.000 Euro beziffert. Damit soll ermöglicht werden, dass die Räume im Erdgeschoss mit Sonderausstellungen für Besucher geöffnet bleiben und in den oberen Etagen die Mitarbeiter weiter arbeiten können.

FDP wirft Faber Versäumnisse vor

Kritik an der überraschenden Schließung äußerte am Mittwoch die FDP-Fraktion im Stadtrat. Vorsitzender Reik Hesselbarth warf Kulturbürgermeister Michael Faber "Tod durch Unterlassen" vor. Faber habe es versäumt, eine von ihm für diesen Herbst angekündigte Entwicklungskonzeption für das Museum vorzulegen. Seit über einem Jahr sei beim Naturkundemuseum nichts passiert, kritisierte Hesselbarth. Es müsse darüber nachgedacht werden, ob das Museum beim Kulturdezernat "gut aufgehoben" sei oder ob ein Wechsel in die Verantwortung des Bereichs Schule und Bildung sinnvoll wäre.

Ungewissheit vor dem Jubiläum 

Um die Zukunft des Naturkundemuseums gibt es schon seit längerem Diskussionen. Im November vergangenen Jahres stellte Kulturbürgermeister Faber ein neues Konzept vor, mit dem das marode und zu kleine Museum ab 2014 gerettet werden soll. Dann soll es als Naturkunde- und Klimamuseum nicht nur inhaltlich erneuert, sondern auch an einem anderen Standort eröffnet werden. Von den ursprünglichen Plänen, das Museum ab April 2011 vorübergehend ganz zu schließen, rückte die die Stadt später wieder ab. Mehr als 10.000 Leipziger hatten dagegen mit einer Petition protestiert.

Das Naturkundemuseum wurde 1912 eröffnet und zählt jährlich etwa 300.000 Besucher. Bei einer gesamtdeutschen Erhebung über den Umfang der Wirbeltiersammlungen der 18 bedeutendsten naturkundlichen Regionalmuseen erreichte das Museum 2002 den fünften Platz.

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2011, 09:08 Uhr

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