MDR INFO | Hörer machen Programm | 28.01.2013 : Vergeblich in der Leitung - kein Durchkommen zum Notruf 112?
Wenn es brennt oder jemand verletzt wird, was tun Sie da? Klar, die 112 wählen. Ohne Vorwahl, einfach nur die 112. Aber manchmal kann man offenbar nur hoffen, dass man durchkommt. Zumindest unserer Hörerin Susan Weiland ist das so gegangen. Ihr Sohn hatte sich verletzt, blutete stark am Kopf und sie kam bei der 112 nicht durch. Und zwar auch beim zweiten und beim dritten Versuch nicht, innerhalb einer Viertelstunde hörte sie dreimal das Besetzt-Zeichen.
Es ist der Alptraum einer jungen Mutter wie Susan Weiland. Das einjährige Kind knallt mit dem Kopf auf eine Kante und ist in wenigen Sekunden blutüberströmt. Das Blut muss schnell gestillt und die Wunde dann genäht werden. Weiland greift zum Telefon, wohlgemerkt Festnetz, wählt die 112, und es ist besetzt. Nach wenigen Minuten noch mal - es ist wieder besetzt. "Dann hab ichs wieder probiert, wurde etwas panisch und hatte wieder ein Besetztzeichen im Hörer. Daraufhin bin ich mit dem Kind auf dem Arm und einem Waschlappen zu einer Nachbarin, hab gesagt, kannst du mal versuchen, den Notarzt zu erreichen, ich erreiche ihn einfach nicht."
Was war geschehen?
Waren also vielleicht alle Leitungen des Notrufs belegt? Oder gibt es nur eine? Besuch in der neuen, zentralen Rettungsleitstelle der Dresdner Feuerwehr. Hier sitzen die Disponenten für jegliche Rettungsdienste. Dort erklärt Sprecher Thomas Mende: "Wir haben in der jetzigen Leitstelle acht Notrufleitungen. Es können acht Notrufe zeitgleich entgegen genommen werden. Und das alle acht Plätze besetzt sind, ist schwer vorstellbar. Aber das muss ich nachprüfen, ob wir hier eine Störung hatten. Dazu benötige ich die entsprechenden Daten." Zurück also zu Susan Weiland, um die genauen Zeiten der Anrufe am 15. November 2012 zu erfahren. Sie sagt: "Ich denke, dass der erste Anruf so 13:15 Uhr war. Und der letzte Anruf, der dann letztendlich auch Erfolg hatte, der war 13.27 Uhr." Bei der Feuerwehr wird jeder einzelne Anruf protokolliert, auch wenn jemand klingelt und sofort wieder auflegt und sogar, wenn ein Besetzt-Zeichen ertönt. Was also ist passiert? Thomas Mende lässt den Rechner sämtliche Daten durchsuchen: "Ja, man kann hier den Belegungsgrad der Leitungen sehen. Es waren zu keinem Zeitpunkt mehr als drei Gespräche gleichzeitig, d.h., mindestens fünf Leitungen wären gesprächsbereit gewesen." Und so sei auch die gesetzliche Norm, sagt Mende, so dürfe es innerhalb mehrerer Stunden nur einmal vorkommen, dass alle Abfrageplätze belegt sind. Und das trete nur bei Großschadensereignissen wie dem Wirbelsturm Kyrill auf.
Eine Nummer für alle
Eine Frage aber bleibt: Hätte Susan Weiland anders handeln können? Natürlich hätte sie die früher geläufige Notrufnummer 19222 anrufen können. Dann wäre Sie in der zentralen Rettungsleitstelle des Deutschen Roten Kreuzes in Leipzig raus gekommen. Aber auch das Rote Kreuz hat sich festgelegt, erklärt Antonin Muschalek vom DRK Sachsen: "Aus Sicht des Roten Kreuzes ist es sinnvoll, eine einheitliche Notrufnummer zu haben. Wir sind da für die 112 als europäisch einheitliche Notrufnummer, weil diese Nummer in den Köpfen der Menschen verankert ist und unter dieser Nummer auch immer jemand erreichbar sein wird." Außer, wenn es eben ein ungeklärtes technisches Problem gibt wie bei Susan Weiland. Fazit: Es wird beim Notruf nicht aus Kostengründen gespart, und die Vorschriften gelten für alle Leitstellen. Es spielt auch keine Rolle, ob man vom Handy oder vom Festnetz aus anruft, man erreicht automatisch die regional zuständige Leitstelle. Im Fall Dresdens steht zudem dieses Jahr eine umfassende Modernisierung an. Mit einem neuen Software-System soll vieles, nach Ostern, so der Plan, weiter vereinfacht werden. Was den Reporter aber richtig ärgert: Es konnte hier nicht geklärt werden, warum Susan Weiland dreimal das Besetzt-Zeichen gehört hat.


