Uwe Böhnhardt (li.) und Uwe Mundlos
Bildrechte: IMAGO

MDR-Recherche Wie erfuhr Beate Zschäpe vom Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt?

Im NSU-Prozess hat die Hauptangeklagte Beate Zschäpe bisher nur schriftlich Fragen beantwortet. Das Gericht hat nun den Wahrheitsgehalt der Antworten zu prüfen. So ging es letzten Donnerstag um die Aussage, sie habe aus dem Radio vom Tod der mutmaßlichen Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt erfahren, was sich nicht unbedingt mit den Ermittlungen des BKA deckt. MDR INFO und MDR Thüringen - Das Radio haben deshalb noch einmal recherchiert.

von Matthias Reiche, Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Uwe Böhnhardt (li.) und Uwe Mundlos
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Die Frage, wie hat Beate Zschäpe vom Tod der mutmaßlichen NSU-Terroristen erfahren, ist brisant. Auch weil es den Verdacht gibt, mögliche NSU-Unterstützer, vielleicht sogar vom Verfassungsschutz, hätten sie informiert. Dazu kommt, dass Zschäpes Glaubwürdigkeit für all ihre anderen Aussagen schwer erschüttert wäre, wenn sich herausstellte, sie habe nicht aus dem Radio vom Tod der beiden Uwes erfahren können. Da sie bereits kurz nach 15 Uhr die gemeinsame Wohnung in Zwickau anzündete, müsste sie zuvor die Radiomeldung von den zwei Toten in einem Wohnmobil gehört haben.

Wer hat wann was gemeldet?

Bei seinen Ermittlungen hatte sich das BKA bereits Mitte Dezember bei verschiedenen Radioprogrammen über die Berichterstattung am 4. November 2011 erkundigt, wie Mike Heerdegen erzählt. Er ist der Nachrichtenchef von MDR INFO. Der Live-Stream des Nachrichtensenders war im fraglichen Zeitraum nachweislich auch auf Beate Zschäpes Computer aktiviert. "Ich habe dann in unsere Nachrichtenarchive geschaut und in dem fraglichen Zeitraum eine Meldung gefunden, die wir um 13:30 Uhr gesendet haben. Da ging es ausschließlich um den Sparkassenüberfall." Und kein Wort von zwei Brandleichen in einem Wohnmobil. Davon berichtete MDR INFO erst, nachdem das Quartier des so genannten NSU in Zwickau in Flammen aufgegangen war. Noch einmal der MDR INFO-Nachrichtenchef Mike Heerdegen: "15:30 Uhr hatten wir die nächste Meldung, und die unterschied sich von der vorangegangenen Meldung durch die Quelle. Die erste Meldung haben wir auf Grundlage einer Agenturmeldung gemacht, die zweite auf Grundlage von Informationen unserer Kollegen in Thüringen, von MDR Thüringen, die wir dort auch zitiert haben."

Und die in ihrem Programm tatsächlich bereits um 14 Uhr über das Geschehen berichtet hatten. Das ergaben aufwändige Recherchen von MDR INFO und MDR Thüringen - Das Radio. Am 4.November 2011 hörte sich das so an: "In Eisenach sind in einem ausgebrannten Wohnmobil zwei Leichen gefunden worden. Das hat ein Polizeisprecher MDR Thüringen bestätigt. Ein Zusammenhang mit dem Sparkassenüberfall am Morgen in der Stadt werde nicht ausgeschlossen."

Archive geben Aufschluss

Tatsächlich lässt sich aus der Internet-Historie von Zschäpes Computer herauslesen, dass sie auch die Seite von MDR Thüringen – Das Radio aufgerufen hatte. Daneben stellte auch der in Zwickau empfangbare Privatsender Antenne Thüringen um 14 Uhr erstmals einen Zusammenhang zwischen einem Bankraub und zwei Toten in einem Wohnmobil her. Ob Beate Zschäpe diesen Sender möglicherweise in einem ihrer beiden Radioapparate ebenfalls hörte, lässt sich nicht mehr nachweisen. Sicher aber ist, dass die Hauptangeklagte im NSU-Prozess sehr wohl, wie sie aussagt, aus dem Radio vom Tod der beiden Uwes erfahren haben könnte.

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2016, 05:00 Uhr