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Überraschung bei Stichwahl in Halle : Wiegand wird neuer Oberbürgermeister

Halle hat einen neuen Oberbürgermeister gewählt. In der Stichwahl am Sonntag konnte sich der parteilose Innendezernent Bernd Wiegand mit knapp 53 Prozent überraschend gegen seinen CDU-Kontrahenten Bernhard Bönisch durchsetzen. In der ersten Wahlrunde hatte er bereits SPD-Kandidat Senius aus dem Rennen geworfen. Halles scheidende Oberbürgermeisterin Szabados zeigte sich "sprachlos". Sie hatte zur Wahl des CDU-Mannes aufgerufen.

Bernd Wiegand

Halles künftiger Oberbürgermeister heißt Bernd Wiegand. Der parteilose Innendezernet konnte sich bei der Stichwahl am Sonntag überraschend gegen seinen CDU-Kontrahenten Bernhard Bönisch durchsetzen. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis kam Wiegand auf 52,92 Prozent der Wählerstimmen. Bönisch erhielt 47,08 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 28,99 Prozent noch unter der Quote des ersten Wahlgangs vor zwei Wochen. Damals hatten mehr als ein Drittel (34,6 Prozent) der 196.000 wahlberechtigten Hallenser ihre Stimmen abgegeben.

Wiegand will Schulden abbauen

Der gebürtige Braunschweiger Wiegand ist seit 2008 Beigeordneter für Sicherheit, Ordnung und Sport im Rathaus in Halle. Der 55-Jährige kündigte nach seiner Wahl an, sich künftig für mehr "Transparenz und Offenheit" einsetzen zu wollen. Den Haushalt 2013 und den Abbau von Schulden sehe er als wichtigste Aufgaben an, die er sofort angehen wolle.

Sein unterlegener Kontrahent Bönisch zeigte sich sehr enttäuscht. Der CDU-Stadtrat und Landtagsabgeordnete hatte bereits 2006 die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Halle verloren. "Ich hatte dieses Mal schon mit dem Sieg gerechnet", sagte er nach der Bekanntgabe des Stichwahl-Ergebnisses am Sonntag.

CDU-Mann verliert zweite Stichwahl in Folge

Bönisch hatte im ersten Wahlgang vor zwei Wochen mit 35,3 Prozent noch die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen können. Wiegand kam damals auf 19,88 Prozent. Er hatte damit überraschend SPD-Kandidat Kay Senius aus dem Rennen geworfen, der mit 17,39 Prozent auf Platz drei landete. Die Stichwahl war notwendig geworden, weil keiner der neun Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent erreicht hatte.

Szabados: "Ich bin sprachlos"

Wahlsieger Wiegand übernimmt künftig die Nachfolge der scheidenden Amtsinhaberin Dagmar Szabados. Die 64-Jährige war aus Altersgründen nicht mehr zur OB-Wahl angetreten. Die SPD-Politikerin hatte sich vor der Stichwahl offen für CDU-Mann Bönisch ausgesprochen. Hintergrund waren jahrelange Differenzen zwischen Szabados und ihrem Innendezernenten Wiegand.

Beobachter sahen in dem Clinch der beiden bereits einen Grund für die überraschende Wahlschlappe von Szabados' sozialdemokratischem Wunsch-Nachfolger Senius im ersten Wahlgang. Die Wahl ihres Widersachers kommentierte Szabados am Sonntagabend im Stadthaus mit den Worten: "Ich bin wirklich sprachlos." Szabados reichte Wiegand vor laufenden Kameras demonstrativ nur ganz kurz die Hand und sagte: "Ich hab' zu gratulieren." Gespalten reagierte auch das Wahlvolk auf das Ergebnis. Es gab Buh-Rufe und Beifall.

Die Amtszeit des neuen Oberbürgermeisters beginnt am 1. Dezember. Sie beträgt sieben Jahre. Halle hat rund 231.000 Einwohner und ist damit die größte Kommune in Sachsen-Anhalt.

Vorläufiges Ergebnis 163 Wahlbezirke  Bönisch, Bernhard 	  47,08 %  ,  Dr. Wiegand, Bernd 	52,92 %

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2012, 16:38 Uhr

13. phyrrus sieg:
Die Wähler in Halle waren nicht zu beneiden. Sie hatten bei der OB Wahl nur zwischen Pest und Cholera zu entscheiden, einerseits der verwaltungsunerfahrene CDU-Landtagsabgeordnete andererseits der [...]Verwaltungsjurist einerseits der Wahlverlierer-Image-Typ andererseits der Ränke Bernd ohne [...] Armes Halle! Amen! [Löschung zweier Unterstellungen - MDR.DE_Redaktion]
18.07.2012
08:40 Uhr
12. Regio Rückwärts:
Bleibt die Frage, ob sich Bönisch herzlich für die Stichwahlunterstützung Dagmars bedankt hat. Wenn diese "Hilfe" aufgrund Ähnlichkeiten der Persönlichkeit entstand, so haben die Wähler wohl richtig entschieden. Herzlichen Glückwunsch den HallenserInnen, herzlichen Glückwunsch Herr Wiegand!
17.07.2012
22:46 Uhr
11. Anja Grothe:
Für die Wahlbeteiligung kann sich Halle nur schämen. Man mag hier mit der Phrase der „Politikverdrossenheit“ reagieren. Doch Politik ist keine einseitige Angelegenheit. Wenn man daheim bleibt, sich nicht informiert, dann aber gegen alles und jeden meckert, bringt das die Stadt bestimmt nicht weiter. Wählen hat mit Wollen zu tun! Diese Verantwortung muss der Bürger endlich einmal übernehmen. Bernd Wiegand wird es nicht leicht haben. Betrachtet man die Wahlbeteiligung, stehen nicht so viele Hallenser hinter ihm, wie ein OB es sich wünschen würde, und viele interessiert es scheinbar schlichtweg nicht. Die Querelen in der Stadtverwaltung selbst, an denen er laut Medienberichten teilweise aktiv beteiligt ist, müssen behoben werden. Seine bisher fehlenden Beziehungen zur Landesregierung sind für eine schnelle und kompetente Optimierung der Sachbelange der Stadt auch nicht dienlich. Ab Dezember wird geprüft, wie viel seine Versprechungen tatsächlich wert sind.
17.07.2012
11:08 Uhr
10. Anja Grothe:
Schade für Halle. Halle hat einem Hallenser, der sich über Jahre hinweg sehr engagiert für seine Heimatstadt eingesetzt hat, die Chance genommen, die Stadt politisch voranzubringen. Die Wahl fiel auf einen Mann, der meiner Meinung nach in vielen Aspekten – politisch wie privat – bisher kein allzu glänzendes Beispiel dafür abgegeben hat, wie man die Stadt sinnvoll weiterbringen kann. Die Hervorhebung seiner sogenannten Parteiunabhängigkeit kann ich persönlich nicht mehr hören. Es stellt sich die Frage, wie parteiunabhängig es ist, wenn man von den Grünen und Linken unterstützt wird und deren Stimmen unter der Voraussetzung erhält, ihre Interessen dann sachgerecht zu vertreten? Weiterhin stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, in einer Oberbürgermeisterwahl, in der es primär um den Menschen und nicht um die Partei geht, einem qualifizierten und kompetenten Bewerber die Chance auf das Amt nur deshalb zu verweigern, weil er einer Partei angehört?
17.07.2012
11:03 Uhr
9. Dieter Zubrodt:
Herzlichen Glückwunsch Wiegand zum Sieg.
16.07.2012
14:45 Uhr
8. Janine Haui:
Ich bin mehr erschrocken, ich fürchte um einige Bereiche der Stadt Halle mit diesem neuen Bürgermeister. Ich habe seine Arbeit & seine Meinung im Bereich Ordnung & Sicherheit kennen gelernt. Ein sich windender Aal & überhaupt nicht transparent & bürgeroffen. Stumpf werden Gesetze vertreten ohne auf den Einzellfall zu schauen. Harte Konsequenz im Namen der Sicherheit, damit im Wahlkampf geprahlt werden kann, dass unser Halle sicherer werden soll?! Halle soll aus den Schulden heraus, Herr Wiegand möchte aber eine "Hundertschaft" nach Halle holen, die sich die Stadt eig. nicht leisten kann, wieder im Auftrag "Ich mache Halle sicher"?! Ich könnte schreien wenn ich daran denke, dass dieser Mann 7 Jahre lang das Amt hält & unsere Stadt vertritt. Nur weil er parteilos ist, heißt es noch lange nicht, dass er unbescholdener ist, als jemand der einer Partei angehört.
16.07.2012
11:11 Uhr
7. Besucher:
Herzlichen Glückwunsch, Halle! Ein sachlicher und unabhängier Kandidat kann bei dem leider normal gewordenen Parteiengeklüngel sicher nicht schaden! Das ist sehr zu begrüßen, gerade in der Lokalpolitik sollten sich noch viel mehr Unabhängige engagieren!
16.07.2012
10:27 Uhr
6. HansMeiser:
@ Hagen Kunze: Da haben Sie vollkommen recht. Diese Parteien-Mafia gehört dringend abgeschafft. Die Hallenser haben es begriffen, in Erfurt haben die übriggebliebenen Wähler (knapp 50 %) keinen freien Kandidaten gewählt. Leider!
16.07.2012
09:35 Uhr
5. Marci:
ich hab den bernd gewählt und bin heilfroh das die cdu nicht gewonnen hat,zu der dagmar kann ich nur sagen schlechte verliererin und sie hat durch ihr [...] geschafft das ein parteiloser mann die chance hatte ihren sessel zu übernehmen.wünsche dem neuen viel erfolg, [Löschung einer unbelegten Behauptung - MDR.DE_Redaktion]
16.07.2012
08:37 Uhr
4. Prof. Dr. Gerd Stier:
Die Wahl ihres Widersachers kommentierte Szabados am Sonntagabend im Stadthaus mit den Worten: "Ich bin wirklich sprachlos." Das waren wir im Umfeld von Halle (Saalekreis) bei manchen Aussagen von Frau Szabados sehr oft. Insofern ist das Wahlergebnis zunächst positiv zu bewerten, was wir aber abwarten sollten. Die Wahlempfehlung von Frau Szabados zugunsten des CDU-Bewerbers sollten wir angesichts ihrer Probleme in der Vergangenheit mit Dr. Wiegand großmütig vergessen. Sie sind bestenfalls SPD-parteiintern interessant.
15.07.2012
22:37 Uhr

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Bernd Wiegand - Halles künftiger Oberbürgermeister

Bernd Wiegand wurde 1957 in Braunschweig geboren. Nach dem Abitur diente er zunächst bei der Bundeswehr, arbeitete später bei einem Verlag in seiner niedersächsischen Heimatstadt. An der Fachhochschule Braunschweig studierte er später Verwaltungswirtschaft. Seit den 1990er-Jahren ist er in Sachsen-Anhalt. Von 1998 bis 2008 arbeitete er als Hochschullehrer an der Hochschule Harz in Wernigerode. 2001 promovierte Wiegand an der Martin-Luther-Universität Halle zum Doktor der Rechte. 2008 wurde der Jurist vom halleschen Stadtrat zum Beigeordneten für Sicherheit, Ordnung und Sport gewählt. Wiegand ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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