Oberbürgermeisterwahl : Leipziger müssen noch einmal abstimmen
Leipzig hat am Sonntag zwar gewählt, ein neuen Oberbürgermeister gibt es dennoch nicht. Der sozialdemokratische Amtsinhaber Burkhard Jung fuhr zwar die meisten Stimmen ein, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Nun werden die Leipziger in drei Wochen noch einmal zur Abstimmung gerufen. Dann dürfen alle sechs Kandidaten vom Sonntag noch einmal antreten und sogar neue Bewerber dazustoßen.
Bei der Oberbürgermeisterwahl in Leipzig ist ein zweiter Wahlgang nötig, weil keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erreicht hat. Nach dem vorläufigen Endergebnis kam SPD-Amtsinhaber Burkhard Jung auf 40,2 Prozent der Stimmen. Der von der CDU nominierte Herausforderer, der frühere Leipziger Polizeipräsident Horst Wawrzynski, erreichte 25,9 Prozent der Stimmen. Auf die Linken-Kandidatin, die Bundestagsabgeordnete Barbara Höll, entfielen 15,3 Prozent der Stimmen. Grünen-Kandidat Felix Ekardt fuhr 9,8 Prozent ein. Auf den weiteren Plätzen landeten der parteilose Rechtsanwalt Dirk Feiertag mit 6,9 Prozent und der Jurist René Hobusch (FDP) mit 1,8 Prozent.
Wer neues Stadtoberhaupt wird, entscheidet sich am 17. Februar bei einem zweiten Wahlgang. Laut Wahlgesetz können dann noch einmal alle sechs Kandidaten vom Sonntag antreten, sich aber auch neue anmelden. Nach Angaben von Leipzigs Wahlleiterin Ruth Schmidt muss dies bis Mittwochabend erfolgen. Im zweiten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit, um zum Oberbürgermeister bestimmt zu werden. Die Wahlbeteiligung fiel am Sonntag mit 40,7 Prozent höher aus als bei der Wahl 2006. Vor sieben Jahren waren lediglich 34,9 Prozent der Leipziger abstimmen gegangen.
Jung zufrieden, Wawrzynski auch
Amtsinhaber Jung zeigte sich am Sonntag mit dem Ergebnis aus dem ersten Wahlgang "wirklich zufrieden". Er rief die Leipziger auf, zum zweiten Wahlgang zu gehen. Auch Hauptrivale Wawrzynski gab sich zuversichtlich. Er sei froh, dass der Amtsinhaber nicht durchmarschiert sei. Jetzt gelte es, noch einmal drei Wochen Wahlkampf zu machen und dabei die Nicht-Wähler zu erreichen. Linken-Kandidatin Höll sagte, das Ergebnis zeige, "dass Show allein nicht reicht". Grünen-Bewerber Ekardt ließ offen, ob er zum zweiten Wahlgang antreten wird.
Leipzig wird seit 1990 sozialdemokratisch regiert. Amtsinhaber Jung war 2006 zum Rathauschef gewählt worden. Damals konnte er sich im zweiten Wahlgang mit 51,6 Prozent der Stimmen gegen den CDU-Rivalen und jetzigen Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht durchsetzen. Im ersten Wahlgang kam er damals auf 41,6 Prozent. Jung, der aus Westfalen stammt und 1991 nach Leipzig kam, hatte das Amt von Wolfgang Tiefensee übernommen, der 2006 als Verkehrsminister ins Bundeskabinett nach Berlin gewechselt war.
Jeder vierte Leipziger gilt als arm
Leipzig gilt als eine der wichtigsten Städte in Ostdeutschland, doch hat die Stadt auch viele Probleme. Die Arbeitslosigkeit liegt bei zehn Prozent. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung ist jeder vierte Leipziger von Armut bedroht. Leipzig hat damit die höchste Armutsquote unter den ostdeutschen Großstädten. Nach einer EU-Definition ist von Armut bedroht, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung auskommen muss.
Auch sitzt Leipzig auf einem Schuldenberg von mehr als 700 Millionen Euro. Und wie ein Damoklesschwert schwebt eine 300-Millionen-Euro-Forderung über der Stadt und ihren Wasserwerken KWL. Diese Summe fordern Banken, weil von früheren KWL-Geschäftsführern riskante Finanzwetten abgeschlossen wurden, die allesamt platzten. Um die Rechtmäßigkeit der Forderungen streiten sich die Parteien vor Zivilgerichten in Leipzig und London.
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Oberbürgermeister seit 1990
Hinrich Lehmann-Grube (SPD) (1990-1998)
Wolfgang Tiefensee (SPD) (1998-2005/2006)
Andreas Müller (SPD) (kommissarisch 2005/2006)
Burkhard Jung (SPD) (seit 2006)
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