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Probleme mit Ökostrom : 50 Hertz drängt auf Stromtrasse durch den Thüringer Wald

Der ostdeutsche Stromnetzbetreiber 50 Hertz Transmission hat immer größere Probleme, Strom aus erneuerbaren Energien ins ostdeutsche Höchstspannungs-Leitungsnetz einzuspeisen. Wie Unternehmenssprecher Volker Kamm MDR THÜRINGEN sagte, mussten bis Ende September bereits an 59 Tagen Stromerzeuger angewiesen werden, ihre Einspeisung zu drosseln, um das Netz stabil zu halten. Im gesamten vergangenen Jahr gab es lediglich 45 Eingriffe. Grund für die zunehmenden Abschaltungen sei, dass immer mehr Windkraft- und Solaranlagen große Mengen von Strom lieferten - allerdings unregelmäßig. Für die erzwungene Drosselung erhielten Betreiber von Wind-, Sonnenkraft- und Biomasse-Kraftwerken in diesem Jahr bereits acht Millionen Euro an den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichszahlungen.

Von den Eingriffen in das Stromnetz seien vor allem aber herkömmliche Kraftwerke betroffen. Sie müssten stets vor Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien unplanmäßig vom Netz genommen werden. Allein in diesem Jahr habe die konventionelle Stromproduktion bereits an 134 Tagen zurückgefahren werden müssen, sagte der 50-Hertz-Sprecher. Dafür seien an Ausgleichzahlungen bisher 60 Millionen Euro geflossen. Bis zum Jahresende werde mit Ausgleichzahlungen von rund 120 Millionen Euro gerechnet. Die Millionen-Kosten würden letztendlich auf die Stromkunden umgelegt.

Stromtrasse im Thüringer Wald
50 Hertz fordert eine Stromtrasse durch den Thüringer Wald.

Nach Angaben der E.on Thüringer Energie mussten im Bereich des Unternehmens in diesem Jahr auf Weisung von 50 Hertz dreimal Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien abgeschaltet werden. Unternehmenssprecher Olaf Werner sagte dem MDR: "Solche Abschaltungen sind in Thüringen immer noch sehr selten, werden aber wohl tendenziell leicht zunehmen."

Im Zusammenhang mit den Millionen-Entschädigungen erneuerte 50 Hertz seine Forderung nach einer Stromtrasse durch den Thüringer Wald. Mit einer leistungsfähigen Leitung könne viel mehr Strom von den Windparks im Norden in den verbrauchsstarken Südwesten Deutschlands geliefert werden. Das "Nadelöhr" in Thüringen müsse beseitigt werden.

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2012, 10:33 Uhr

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