Bundesgesundheitsminister : Mehr Kontrolle bei der Organspende
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will mit besseren staatlichen Kontrollen Missbrauch bei der Vergabe von Spenderorganen verhindern. "Wir müssen Kontrolle und Aufsicht verbessern, und wir müssen Transparenz und Konsequenzen verbessern", sagte Bahr nach einer Spitzenrunde in Berlin.
Der FDP-Politiker vereinbarte mit Vertretern der Länder und des Organspendewesens unter anderem, dass Landesbehörden verstärkt bei Inspektionen in den Kliniken teilnehmen können. Transplantationszentren sollen auf Auffälligkeiten untersucht und externe Fachleute an den Kontrollen beteiligt werden. In den vergangenen Monaten war bekannt geworden, dass in Regensburg und Göttingen offenbar Krankenakten manipuliert worden waren, um Patienten auf der Warteliste für Spenderorgane ganz oben zu platzieren. Am Dienstag will der Minister mit den Fraktionsvorsitzenden über das Thema sprechen.
Anfang August hatte die Bundesärztekammer mit Krankenkassen und Transplantationsmedizinern beraten, wie das Vertrauen in diesem sensiblen Bereich wieder gestärkt werden könne. Im Herbst soll dazu ein Mehr-Augen-Prinzip eingeführt werden, wobei nicht unmittelbar beteiligte Mediziner in die Beurteilung der Vergabe einbezogen werden. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, betonte im Vorfeld des heutigen Treffens noch einmal, dass sich das System der ärztlichen Aufsicht bewährt habe. Die bekannt gewordenen Fälle seien Ausnahmen. Er plädierte aber dafür, bei Manipulationsverdacht verdächtige Mediziner schneller abzuziehen.
Montgomery: Weder Mafia noch großflächige Kriminalität
Montgomery zitierte gleichzeitig aus dem Prüfbericht der verantwortlichen Kommission. Demnach hat es in den vergangenen zehn Jahren bei 50.000 untersuchten Transplantationen 119 Auffälligkeiten gegeben. In 21 Fällen sei es zu eindeutigen Verstößen gekommen, die an Staatsanwaltschaft und Ministerien gemeldet worden seien. Man könne also kaum von einer Mafia sprechen.
Kriterien für die Warteliste
In deutschen Transplantationszentren werden Niere, Leber, Herz, Lunge, Darm und Bauchspeicheldrüse transplantiert. Für die Vergabe der Spenderorgane gibt es einen festen Katalog von Kriterien. Diese legt die Bundesärztekammer auf Basis des Transplantationsgesetzes fest.
Für Empfänger werden Wartelisten geführt. Jeder betroffene Patient erhält nach einer ausführlichen ärztlichen Untersuchung Punkte, die sich nach der Wartezeit, der Dringlichkeit und Gewebemerkmalen richten. Besonders berücksichtigt werden Kinder als Organempfänger. Der Patient mit der höchsten Punktzahl erhält jeweils als erster das benötigte Organ.
Eurotransplant
Die Transplantationszentren geben die erforderlichen Patientendaten weiter an die Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) in Leiden, Niederlande. Dort gibtes es für jedes Organ gemeinsame Wartelisten der ET-Mitgliedsländer Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Deutschland.
Diese länderübergreifende Kooperation ermöglicht es, in dringenden Fällen möglichst rasch ein lebensrettendes Organ zu finden. Die Eurotansplant soll eine möglichst gerechte Verteilung der Organe gewährleisten.


