Papst Benedikt XVI. gibt Amt auf : Vatikan: Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben
Für die Entscheidung Papst Benedikt XVI., sein Amt aufzugeben, erhielt der 85-Jährige weltweit Respekt und Anerkennung. Um ein Vakuum in der katholischen Kirche zu vermeiden, soll es jetzt recht schnell einen Nachfolger geben. Möglichst Ende März soll feststehen, wer das neue Kirchenoberhaupt ist.
Nur wenige Stunden nach der Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. ist in Rom über die Nachfolge gesprochen worden. Vatikansprecher Federico Lombardi kündigte am Montag an: "Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben. Das ist die Vorhersage, die wir jetzt machen können", sagte er der Nachrichtenagentur Ansa. Papst Benedikt XVI. kündigte an, dass er sich am 27. Februar auf dem Petersplatz im Vatikan von den Gläubigen verabschieden wolle.
Die Zeit des "leeren Stuhles"
Während Bendikt XVI. sein Abschiedszeremonie völlig frei wählen kann, sind die Schritte zum neuen Papst streng festgelegt. Zum Rücktrittstermin, am Abend des 28. Februar, geht die Verantwortung für die katholische Kirche auf das wichtigste Beratergremium des Papstes, das Kardinalskollegium, über. Die Zeit, die jetzt beginnt, ist die Sedisvakanz - die Zeit des "leeren Stuhles". Die Leitung der Gesamtkirche ruht, nur die ganz normale Verwaltungsarbeit geht weiter. Fast alle Kurienchefs und auch der Kardinal-Staatssekretär verlieren ihre Ämter.
So wird der neue Papst gewählt
Vorgeschrieben ist, dass die Papstwahl zwei bis drei Wochen nach der Sedisvakanz beginnt. Nur das Kardinalskollegium darf das neue Kirchenoberhaupt wählen und davon auch nur die Kardinäle, die bis zum Wahlbeginn das 80. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Das führt dazu, dass wahrscheinlich 115 bis 117 Kardinäle in das Konklave einrücken werden. Um die Wahl streng geheim zu halten, treffen sich die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle des Vatikans. Es sollen weder Nachrichten von innen nach außen fließen noch umgekehrt. Sollte Ostern das Ziel sein, hätten die Kardinale zwei Wochen Zeit, sich zu einigen.
Für eine Einigung ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Zwischenzeitlich waren die Gesetze so aufgeweicht worden, dass nach mehreren Wahlgängen eine einfache Mehrheit ausreichte. Die Kardinäle geben ihre Stimmzettel in geheimer Wahl ab und absolvieren so viele Wahlgänge, bis ein Nachfolger gefunden ist. Der Abschluss ist seit Jahrhunderten bekannt. Weißer Rauch aus dem Schornstein verkündet: "Habemus Papam".
Erste Namen in der Öffentlichkeit
Unterdessen werden die ersten Namen für einen möglichen Nachfolger genannt. Einen Favoriten gibt es dabei aber nicht. Der nigerianische Kardinal Francis Arinze wurde bereits bei der vergangenen Wahl hoch gehandelt. Da er aber inzwischen 81 Jahre alt ist, darf er selbst bei der Wahl gar nicht mehr anwesend sein. Ein zweiter Name aus Afrika ist der Ghanaer Peter Turkson. Weitere Vorschläge sind der Mailänder Erzbischof Angelo Scola oder der von New York, Timothy Dolan.
Erstmals ein Rücktritt seit 720 Jahren
Am Montag hatte Papst Benedikt XVI. erklärt, dass er zum Ende des Monats sein Amt aufgeben werde. Seine Gesundheit lasse nicht mehr zu, den Dienst voll auszufüllen, sagte der 85-Jährige zur Begründung. Diese Erklärung wirkte zuerst irritierend, weil Rücktritt für einen Papst eigentlich gar nicht vorgesehen ist. International bekundeten Kirchenvertreter und Politiker und Gläubige hohen Respekt für die Papst-Entscheidung.


