Petition : Für mehr Menschenwürde in den Pflegeheimen
Zu wenig Personal, schlechter Umgang mit Patienten. Die Missstände in Pflegeheimen sind seit langem bekannt. Annett Kleischmantat aus Leipzig will das nicht mehr hinnehmen. Vor einigen Wochen gründete die frühere Heimleiterin aus Leipzig die "Bürgerinitiative für eine Petition an den Deutschen Bundestag zur Überprüfung der Menschenwürde in Pflegeheimen und ambulanten Diensten". Nun sucht sie Unterstützer für das Thema. MDR INFO hat mit Frau Kleischmantat über ihr Anliegen gesprochen.
Sie fordern mehr Menschenwürde in Pflegeheimen. Wie kommen Sie darauf, das einzufordern?
A. K.: "Ich bin seit 20 Jahren in der Altenpflege tätig, das heißt ich habe schon viele Berufsjahre mit sehr viel enttäuschenden Erfahrungen hinter mir - als Heimleiterin, als Qualitätsmanagerin, als Verbandsmitarbeiterin im Verband für Deutsche Alten- und Behindertenpflege - und weiß, dass drei Mitarbeiter für 30 pflegebedürftige Menschen, egal wie sehr man sich anstrengt, nicht ausreichen.
Ist der Personalmangel aus Ihrer Sicht der Hauptgrund für den Missstand?
A. K.: "Zunächst ja. Wir müssen zuerst sehen, dass drei Mitarbeiter für 30 Menschen keine Erfindung der Pflegeheime sind. Der Personalschlüssel kommt aus der Sozialgesetzgebung, SGB 11, also von der Bundesebene. Wenn da nichts geändert wird, brauchen wir auf den unteren Ebenen bis hinein in die Heime gar nicht mehr über Menschenwürde zu reden. Dann ist das Thema durch. Das ist der eigentliche Skandal."
Haben Sie sich auch Heime in Mitteldeuschland angeschaut? Was ist Ihnen da aufgefallen?
A. K.: "Es ist insgesamt ein unwürdiges Leben. Wenn wir uns vorstellen: drei Mitarbeiter - Sie, ich und ein Nachbar - wir stehen morgens um 7 Uhr in einem Heim, haben die langen Flure vor uns, die Zimmer rechts und links. Wir haben die Aufgabe, 30 Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen in den Morgen zu begleiten, die nicht alleine aufstehen, sich nicht alleine waschen, ankleiden, frisieren und frühstücken können. Man kapituliert schon bei diesem Gedanken. Und dieses Arbeitspensum ist es, was bundesweit täglich in allen Pflegeheimen bewältigt werden muss. Und wie dann mit alten Menschen umgegangen werden kann, das kann sich wohl jeder ausmalen."
Es müssten also äußere Rahmenbedingungen auch von der Politik geändert werden, wie etwa mehr Personal, mehr Gehalt, mehr Zeit, mehr Fachkompetenz?
A. K.: "Alles, es ist ein Anliegen, was ganz viele Facetten hat. Es ist das Thema unserer Gesellschaft. Wir werden alt und älter und wir müssen uns damit auseinander setzen, wie mit hilfebedürftigen Menschen in Zukunft umgehen wollen. Deshalb hat die Petition auch zehn Fragen an unsere Bundespolitiker. Und ich habe bewusst Fragen gestellt. Ich möchte in den Bundestag und die Debatte anstoßen, die für die ganze Gesellschaft wichtig ist."
Wieviel Unterstützung findet Ihre Petition inzwischen?
A. K.: "Also im Moment ein ziemlicher Hype. Mir ist aber bewusst, dass das noch zwei Tage andauern kann. Aber wir sind noch unter 2.000 Mitzeichnern. Wir haben noch 48.000 auf dem Zettel. Und ich werbe ja auch persönlich mit. Aber wenn ich das alles alleine mache, bin ich zum Schluss nur noch einen Meter hoch. Und das will ja mir auch keiner wünschen. Ich will damit sagen, ich brauche sehr viele Unterstützer. Nicht umsonst hat der Bundestag 50.000 gesagt. Sie wissen, das ist ein echt harter Brocken."
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