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Hauptstadtflughafen BER : Platzeck will Flughafen-Manager an die Leine nehmen

Schärfere Kontrollen und mehr Experten sollen den Bau des Hauptstadtflughafens Berlin voranbringen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck kündigte in einer Regierungserklärung an, dass unter anderem eine Sonderkommission in der Staatskanzlei die Baufortschritte permanent begleiten soll. Außerdem wird die Spitze der staatlichen Betreibergesellschaft verändert. Ihr sollen künftig drei Geschäftsführer vorstehen, einem von ihnen wird die Generalverantwortung übertragen.

Matthias Platzeck
MDR aktuell

Platzeck ist sicher - vorerst

14.01.2013, 17:45 Uhr | 01:09 min

Noch am Wochenende waren schwere Vorwürfe seitens des verantwortlichen Architekten gegen die Flughafengesellschaft bekannt geworden. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete unter Berufung auf ein Anwaltsschreiben des früheren BER-Architekten Meinhard von Gerkan, die Manager der Gesellschaft hätten den Bauablauf mit ständigen Umbauwünschen regelrecht zerschossen. Bis Mai 2011 habe es 286 Planänderungsanträge gegeben. Spätestens seit 2008 habe die Flughafengesellschaft mit "Halbwahrheiten und unrealistischen Vorgaben" gearbeitet. Dennoch hätten sie auf der anderen Seite dem eigenen Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit suggeriert, dass der Terminal "pünktlich und innerhalb des Wunschbudgets fertig werden könne".

"Flughafen bestimmt Brandenburgs Zukunft"

Platzeck räumte in seiner Erklärung dann auch ein, das Flughafenprojekt sei in schwerwiegender Weise in Not geraten und zu einem negativen Symbol geworden. Die Lage lasse sich mit den Worten "Desaster" und "Katastrophe" umschreiben. Dennoch sei der Flughafen wichtig für die Zukunft Brandenburgs und müsse ein Erfolg werden: "Ich verbinde mein politisches Schicksal mit dem Gelingen dieser Aufgabe."

Platzeck übersteht Vertrauensabstimmung

Im Anschluss an seine Rede stellte Platzeck die Vertrauensfrage, die er dann auch wie erwartet gewann. SPD und Linke hatten bereits im Vorfeld erklärt, sie würden Platzeck unterstüzen. Mit der Vertrauensfrage wollte Platzeck sich Rückendeckung holen, wenn er am Mittwoch das Amt des Aufsichtsratsvorsitzes der Flughafengesellschaft von Berlins Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit übernimmt. Wowereit hatte den Aufsichtsratsvorsitz wegen des anhaltenden Desasters vor wenigen Tagen abgegeben, einen Misstrauensantrag der Grünen im Rathaus am Wochenende überstand er aber.

Opposition zweifelt weiter

Klaus Wowereit
Wowereit hat die Flughafenaufsicht abgegeben.

Die Brandenburger CDU hat weiter Zweifel an Platzecks Eignung für den Posten des Aufsichtsratschefs. In der Debatte nach der Regierungserklärung nannte der CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski Platzeck einen "Master of Desaster". Er habe entscheidend zum Misserfolg des Hoffnungsträgers BER beigetragen. Es sei ein Fehler, dass Platzeck nun Chefkontrolleur werden solle. Auch die Grünen lehnen Platzecks Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft ab. Ihr Fraktionsvorsitzender Axel Vogel fragte: "Wieso sollen wir ihm glauben, dass er jetzt in der Lage ist, die Geschicke des Flughafens besser zu steuern als es in der Vergangenheit der Fall war?" Es sei Zeit für einen Neuanfang.

Der Flughafen sollte eigentlich im Sommer vergangenen Jahres eröffnet werden. Der Termin verschob sich zunächst auf Oktober 2013, inzwischen ist auch er nicht mehr haltbar. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer nannte am Wochenende bereits 2015. Auch die Baukosten für den Flughafen explodierten - von urpsrünglich 2,8 Milliarden Euro auf zuletzt 4,3 Milliarden Euro. Und auch das könnte nach den Worten von Platzeck noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.


Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2013, 18:28 Uhr

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Hauptstadtflughafen "Willy Brandt"

Seit Herbst 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport BER "Willy Brandt" ausgebaut. Der neue Hauptstadtflughafen nimmt eine Fläche von 1.470 Hektar ein – das entspricht 2.000 Fußballfeldern.

Der Flughafen hat 85 Stellplätze für Flugzeuge. Jährlich wird mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet. Bis zu 6.500 Passagiere sollen in einer Spitzenstunde abgefertigt werden. Insgesamt sollen 172 Ziele in rund 50 Ländern direkt von Berlin aus erreichbar sein.

Berlin als Touristenmagnet und das Umland sollen vom neuen Airport profitieren. 2011 wurden in der Hauptstadt rund zehn Millionen Gäste und 22 Millionen Übernachtungen gezählt. Die Region Berlin-Brandenburg mit zehn Millionen Einwohnern ist Deutschlands zweitgrößter Ballungsraum. Etwa 40.000 Menschen sollen am BER arbeiten.

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