Andrej Babis
In seinem Heimatland hat der Milliardär politische Ambitionen. Bildrechte: dpa

Der tschechische Donald Trump Andrej Babis investiert in Wittenberg und will in Prag regieren

An wen denken Sie bei dieser Personenbeschreibung: Ein Multi-Milliardär geht in die Politik. Er schimpft auf die Eliten und verspricht eine bessere Zukunft, wenn er später einmal das Land führt. Die Rede ist hier nicht von Donald Trump, sondern von Andrej Babis. Der Milliardär will im Herbst tschechischer Ministerpräsident werden. Doch auch in Mitteldeutschland ist Babis kein Unbekannter. In Wittenberg hat er in den vergangenen Jahren viele Millionen investiert.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Andrej Babis
In seinem Heimatland hat der Milliardär politische Ambitionen. Bildrechte: dpa

Mancher sah Lutherstadt Wittenberg schon in den Fängen eines osteuropäischen Oligarchen. Die halbe Stadt, so schrieb die "Wirtschaftswoche", gehöre bereits Andrej Babis, dem tschechischen Multimilliardär und Finanzminister.

Wittenberg profitiert von Gewerbesteuer

Doch Oberbürgermeister Torsten Zugehör schüttelt den Kopf: "Das sind Fake News. Oder auf Deutsch: Unsinn." Unwichtig ist Babis für Wittenberg allerdings nicht. Denn seine Stickstoffwerke Piesteritz bieten hier die meisten Arbeitsplätze: "Das ist der größte Gewerbesteuerzahler für die Stadt. Dann sind sie auch noch Forschungsstandort. Hier werden Patente angemeldet und entwickelt: Weltneuheiten, die von hier aus den Weg in die Welt finden", sagt Zugehör.

Mischung aus Trump und Berlusconi

Für die Stadt ist das ein Segen. Kritik an Babis hört man in Wittenberg kaum. Anders in Tschechien. In seiner Heimat gilt der Milliardär als eine Mischung aus Donald Trump und Silvio Berlusconi. Im Herbst will er Ministerpräsident werden. Motto: Unternehmer regieren besser. Andrej Babis: "Sprechen wir über Michael Bloomberg. Er war der erfolgreichste Bürgermeister von New York. Donald Trump. Unglaublich. Macron, der beliebteste französische Politiker, ist Banker. Überall in Europa kommen die Leute aus der wirklichen Welt. Nicht welche, die nach der Hochschule Politiker wurden und sprechen, sprechen, sprechen."

Populistische Reden kommen an

Babis hat sein Vermögen nach dem Niedergang des Kommunismus in der Chemie- und Lebensmittelindustrie gemacht. Vor sechs Jahren gründete er die Protestbewegung ANO. Seitdem beobachtet auch ARD-Korrespondent Stefan Heinlein den Aufstieg: "Er wirbt in seinen Reden immer damit, dass er das Land führen werde wie ein Unternehmen. Aber wenn man in den wichtigen Feldern nachguckt wie Sozial-, Arbeits- oder Außenpolitik, da fehlt es noch an Profil. Da weiß man nicht genau, wie ANO einzuordnen ist."

Im Parlament ist ANO zweitstärkste Kraft und Babis seit drei Jahren Finanzminister. Seitdem sollen die staatlichen Subventionen für seine Firmen drastisch gestiegen sein. Medien argwöhnen: Der politische Aufstieg helfe ihm vor allem privat. Noch einmal Stefan Heinlein: "Den meisten Tschechen ist das relativ egal, seine Popularität ist ungebrochen. Und ähnlich wie Donald Trump, der ja auch ein Milliardär ist, ist er ein Hoffnungsträger für viele Tschechen. Seine populistische Rhetorik kommt eben an."

Wird Babis Ministerpräsident?

Auch in Wittenberg kommt Babis gut an. Seine Firma finanziert zwei Betriebskindergärten, ein Ärztehaus, die Feuerwache, ein Museum. Dass Babis Politiker korrupt und faul nennt, kommentiert Oberbürgermeister Zugehör mit einem Lächeln. "Erst mal ist er mit allem, was er tut, sehr erfolgreich. Da gibt es natürlich viele Neider. Neid muss man sich hart erarbeiten. Und wenn sich beim Stichwort 'fauler Politiker' jemand angesprochen fühlt, muss er sich an die eigene Nase fassen und fragen: Als getroffener Hund - belle ich jetzt oder nicht." Zugehör ist Babis einmal begegnet. Bei einem Wiedersehen könnte Babis schon Ministerpräsident sein. Gewählt wird im Herbst. Seine ANO liegt in den Umfragen vorn.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 20.03.2017 | 08:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2017, 11:09 Uhr

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5 Kommentare

21.03.2017 07:44 Werner Weichgespült 5

Ich blicke bei den vielen Populisten langsam nicht mehr durch. Schulz soll lt. CDU ein 100%iger Populist sein, EU-Juncker auch. Hr. Asselborn hat lt. eigener Aussage von Nix ne Ahnung, aber dafür "Visionen"... Die Kanzlerin soll neben ihrer Funktion als "Kritiker-Wegbeisserin" und "Alleinentscheiderin" auch Populistin sein - mit Abhör-Garantie. Der Trump ist Ober-Populist, Orban auch, die ganze polnische Regierung, und erst Diktator Putin - ganz schlimme Populisten. Jetzt noch dieser unsägliche Tscheche, der wie der neue Messias auch Millionär ist. Es wimmelt nur noch von Populisten und nimmt kein Ende. Irgendwer hat Die Irgendwo heraus gelassen und jetzt halten die sich gegenseitig die Spiegel (*) vor´s Gesicht und beschimpfen sich gegenseitig als "Populist(in)". (*) Nicht das Räuberblatt gemeint, vor dessen Verlag immer mal böse Demonstranten Auftauchen. Wahrscheinlich sind es immer die Selben, die 14 "Identitäten" oder "Identitären" oder wie die rechtsradikalen Extremisten heissen.

20.03.2017 21:26 Wieland der Schmied [0693] 4

Babis ist ein typischer Vertreter einer neuen Generation von Unternehmern, die zugleich das Bedürfnis haben, dem Volk, aus dem sie stammen, mit eigenem Geschick zum Vorteil zu verhelfen. Babis wäre damit der Nachfolger des bereits aktiven Vorkämpfers Trump. Zeitenwende im Durchmarsch. Wärend hierzulande noch Grabenkämpfe ausgetragen werden um die althergebrachten Fronten von links und rechts, wird hier ein neues Koordinatensystem aufgespannt mit den Achsen vorn und hinten, wer alles richtig macht ist vorn und wer glaubt weiter salbungsvolle Reden zu jedem Anlaß halten zu sollen ist hinten – gnadenlos, wie der Werbewerb nun mal ist. Sozialismus, Faschismus ,Kapitalimus waren ideologische Systeme, hier reift ein neues pragmatisches System heran, wo zuerst das erbrachte Ergebnis zählt und nicht das Pallavern.

20.03.2017 20:25 Sabine Sonntag 3

Schlechter als unser angeblich professionelles Personal kann er kaum sein.... . Schlimmere Fehler als Merkel und mehr Trümmerhaufen wie Schulze in Brüssel wird er kaum machen können.

20.03.2017 18:25 der Uwe 2

Herr Babis, im September wird die Stelle des Bundeskanzlers in Deutschland "neu ausgeschrieben". Hätten Sie nicht Lust? Momentan bekomme ich immer Tinnitus im Auge, wenn ich mir die unseren Bewerber anschaue,- ich sehe nur Pfeiffen...

20.03.2017 12:02 Wachtmeister Dimpfelmoser 1

Wenn so ein Erfolgsmann in die Politik geht, hat das sicher Vor- und Nachteile. Die Vorteile sehe ich darin, dass
- er erfolgsorientiert handelt,
- mit Geld sorgsam umgehen kann,
- auf Quoten pfeift,
- sich Leute ranholt und fördert, die etwas können (wollen),
- primär Dinge finanziert, die der Gesamtheit nützen und den Erfolgsmotor am Laufen halten.
Und der Nachteil? Er pfeift auf all die, die in den o.g. Vorteilen schon Nachteile sehen.