Nach Anschlag in Ankara Türkei reagiert mit Festnahmen und Luftangriffen auf Kurden

Nach dem Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara geht die Armee gegen die kurdische PKK vor. Die Luftwaffe griff in der Nacht zum Montag stellen der verbotenen Arbeiterpartei im Nordirak an. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, es seien 18 Stellungen der PKK in den Regionen Gara und Kandil bombardiert worden. Elf Kampfjets seien an dem Einsatz beteiligt gewesen.

Vier Festnehmen im Südosten des Landes

Sicherheitskräfte untersuchen Explosionsort
Sicherheitskräfte untersuchen den Ort des Anschlags. Bildrechte: IMAGO

In der kurdisch geprägten Südosttürkei bereitet die Armee neue Einsätze gegen die PKK vor. Über die Städte Sirnak, Nusaybin und Yüksekova verhängte die Regierung Ausgangssperre. In Nusaybin und Yüksekova wurden nach Armeeangaben vom Montag insgesamt 19 PKK-Kämpfer getötet.

Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, dass im Zusammenhang mit dem Anschlag in der südosttürkischen Stadt Sanliurfa vier Menschen festgenommen wurden. Sie sollen den bei dem Selbstmordanschlag eingesetzten Wagen gekauft zu haben. Bei weiteren Anti-Terroreinsätzen in Istanbul und anderen Städten seien weitere 79 Verdächtige festgenommen worden.

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Die türkischen Sicherheitsbehörden machen aber die PKK verantwortlich. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, es gebe dafür konkrete Informationen, machte aber keine näheren Angaben. Mehrere für Sicherheitsfragen verantwortliche Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, bei der Attentäterin handele es sich um eine Frau, die sich 2013 der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK angeschlossen habe.

Mindestens 37 Tote bei Anschlag

Bei dem Bombenanschlag im Zentrum von Ankara waren am Sonntag mindestens 37 Menschen getötet worden. Mehr als 120 weitere wurden verletzt, 17 liegen auf Intensivstation. Das teilte Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu am Montag mit. Türkischen Medienberichten zufolge explodierte an einer Bushaltestelle am Rande des belebten Kizilay-Platz ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug. Fotos vom Unglücksort zeigten ausgebrannte Fahrzeuge.

Präsident Erdogan kündigte nach dem Anschlag ein entschlossenes Vorgehen gegen radikale Kräfte an. Die Türkei werde ihr Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen, um künftige Attacken zu verhindern.

Die US-Botschaft hatte erst am Freitag vor einem drohenden Anschlag in einem Viertel in der Nähe des Anschlagsorts gewarnt und dazu aufgerufen, die Gegend zu meiden. Der Kizilay-Platz war 2013 Schauplatz von Protesten gegen die Regierung.

Steinmeier verurteilt Anschlag

Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier erklärte nach dem erneuten Anschlag: Die Attacken zeigten "erneut, dass der Kampf gegen den Terror eine gemeinsame Aufgabe der internationalen Gemeinschaft ist". Nur mit dem beharrlichen und langfristig angelegten Engagement aller werde es gelingen, dem Terror und seinen brutalen Apologeten die Grundlage zu entziehen.

In einer ersten Reaktion verurteilte auch Russlands Präsident Wladimir Putin den Anschlag auf das Schärfste. Putin trauere mit dem türkischen Volk, teilte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Sonntagabend mit. Europarats-Generalsekretär Thorbjørn Jagland äußerte sich bestürzt. "Diese rücksichtslosen terroristischen Angriffe sind ein Angriff auf unsere europäische Werte - auf uns alle", heißt es in einer Erklärung.

Letzter Anschlag liegt vier Wochen zurück

Erst vor knapp einem Monat hatte in Ankara ein Selbstmordattentäter 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Er hatte sich am 17. Februar in einem Auto neben Bussen mit Armeeangehörigen in die Luft gesprengt. Zu der Tat bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine aus der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hervorgegangene Splittergruppe.

Rettungskräfte in Ankara bergen Verletzte nach einer Explosion.
Tote und Verletzte bei Anschlag in der Türkei Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2016, 17:15 Uhr