Ein Fahndungsfoto zeigt drei Männer mit Gepäckwagen.
Ist der Mann mit Hut gefasst? Bildrechte: dpa

Nach Anschlägen in Brüssel Haftbefehl gegen Terrorverdächtigen

Nach den Anschlägen von Brüssel ist möglicherweise der dritte Attentäter vom Flughafen gefasst worden. Die Staatsanwaltschaft hat bestätigt, Haftbefehl gegen Faycal C. erlassen zu haben. Derweil muss die belgische Regierung einen verhängnisvollen Fehler bei der Terrorabwehr einräumen. Und aus Athen sind neue Vorwürfe zu hören. Griechische Behörden sollen schon vor einem Jahr Anschlagspläne entdeckt und Behörden in Belgien informiert haben.

Ein Fahndungsfoto zeigt drei Männer mit Gepäckwagen.
Ist der Mann mit Hut gefasst? Bildrechte: dpa

Die Staatsanwaltschaft Brüssel hat Haftbefehl gegen den Terrorverdächtigen Faycal C. erlassen. Wie die Ermittler mitteilten, werden ihm terroristische Morde und versuchte Morde zu Last gelegt.

"Mann mit Hut" offenbar gefasst

Die Brüsseler Zeitung "Le Soir" meldet, bei dem Festgenommenen handle es sich um den gesuchten dritten mutmaßlichen Attentäter vom Brüsseler Flughafen. Er sei auf dem Überwachungsvideo zusammen mit Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui zu sehen, die sich in die Luft gesprengt hätten. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nicht. Die Überwachungsbilder zeigen neben den beiden schwarz gekleideten Männern einen weiteren Verdächtigen in heller Jacke und einem Hut. Nach dem Mann wurde seit Tagen gesucht.

Belgischer Beamter reichte türkische Warnung nicht weiter

Jan Jambon
Innenminister Jan Jambon muss gerade Pannen belgischer Ermittler ausbaden. Bildrechte: dpa

Die belgische Regierung räumte inzwischen außerdem ein, wichtige Informationen türkischer Behörden über einen der Attentäter vom Flughafen verloren zu haben. Innenminister Jan Jambon sagte, ein belgischer Verbindungsbeamter in Istanbul habe schon im Juni 2015 Hinweise auf mögliche terroristische Aktivitäten von Ibrahim El Bakraoui erhalten. Es seien drei Tage verstrichen, bis der Beamte die Daten weiter nach Brüssel gereicht haben.

Die Brüsseler Antiterrorbehörde habe daraufhin um weitere Informationen gebeten. Der Verbindungsoffizier habe aber bis Ende Juli nichts unternommen. Es habe keine weitere Kommunikation mehr gegeben. Jambon sprach von einem Fehler, der inakzeptabel sei. Der Mann habe mindestens nachlässig gehandelt.

An syrischer Grenze aufgegriffen

El Bakraoui
War früh von türkischen Ermittlern als Terrorist verdächtigt worden: Ibrahim El Bakraoui. Bildrechte: IMAGO

El Bakroui war zuvor in Belgien als gewöhnlicher Krimineller verurteilt worden. Im Juni 2015 wurde er von türkischen Behörden an der Grenze zu Syrien wegen Terrorverdacht festgenommen und in die Niederlande ausgewiesen, weil er von Amsterdam aus in die Türkei eingereist war. El Bakroui und ein weiterer Selbstmordattentäter, Najim Laachraoui, hatten sich am Dienstag im Flughafen Brüssel-Zaventem in die Luft gesprengt. Eine Stunde später verübte El Bakraouis Bruder Khalid in einer U-Bahnstation einen Selbstmordanschlag. Insgesamt wurden mindestens 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

"Nicht das Notwendige getan"

Die Türkei hatte Belgien vorgeworfen, Warnhinweise zu Ibrahim El Bakraoui ignoriert zu haben. Am Freitag erneuerte Staatschef Recep Tayyip Erdogan seine Kritik. Die belgischen Behörden hätten "nicht das Notwendige unternommen". Die türkischen Behörden hätten Belgien gewarnt, dass es sich bei dem abgeschobenen Mann um einen "ausländischen terroristischen Kämpfer" handle. Die belgischen Behörden hätten dies jedoch nicht bestätigen können und den Mann nach seiner Abschiebung freigelassen.

Anschlagspläne in Athen gefunden

Die undatierte Aufnahme zeigt Abdelhamid Abaaoud, der mit einem Buch und der Flagge der Terrormiliz IS (Islamischer Staat) posiert.
Abdelhamid Abaaoud gilt als der Drahtzieher der Anschläge von Paris. Bildrechte: dpa

Die Affäre El Bakraoui beschäftigt seit Tagen die belgische Regierung. Jambon und Justizminister Koen Geens hatten bereits ihren Rücktritt angeboten. Ministerpräsident Charles Michel lehnte jedoch ab. Doch die Pannenserie reißt nicht ab. Am Samstag meldete der Athener Nachrichtensender Skai, die griechische Polizei habe schon im Januar 2015 Pläne entdeckt, die auf einen Terroranschlag auf den Flughafen in Brüssel hindeutete. Die belgischen Behörden seien schon damals informiert worden.

Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen in Athen entdeckt, die von Islamisten angemietet worden war. Nach den Anschlägen von Paris im November habe sich herausgestellt, dass es sich bei einem der Männer um Abdelhamid Abaaoud gehandelt habe. Abaaoud gilt als mutmaßlicher Drahtzieher der Paris-Attentate. Er wurde wenige Tage später bei einem Antiterroreinsatz in Saint-Denis getötet.

Die Zahl der Verletzten bei den Brüsseler Anschlägen wurde am Sonnabend auf 340 nach oben korrigiert. Den Behörden zufolge befinden sich 100 von ihnen noch in Krankenhäusern, 62 auf Intensivstationen. Von den 31 Todesopfern sind aktuell 24 identifiziert.

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2016, 10:12 Uhr

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8 Kommentare

26.03.2016 17:21 Skeptiker 8

Ich bin der ganzen "Pannen" überdrüssig! Es ist schone eigenartig, dass auf der einen Seite das Verhalten unbescholtener Normalbürger bis ins Detail dokumentiert wird und es andererseits nicht möglich ist einen bekannten und vorbestraften Terrorverdächtigen von seinem Vorhaben abzubringen. Wo liegen denn da bei der innerbehördlichen Kommunikation die Prioritäten und das Ziel?

26.03.2016 15:50 Atheist - aus Mangel an Beweisen 7

Na gut, jetzt hat man 1 oder 2 oder 3 aber die sterben ja nicht aus. Man müsste an die Ursache - aber das ist nicht politisch gewollt.

26.03.2016 14:44 Randbemerkung 6

...."ein belgischer Verbindungsbeamter in Istanbul habe schon im Juni 2015 Hinweise auf mögliche terroristische Aktivitäten von Ibrahim El Bakraoui erhalten. Es seien drei Tage verstrichen, bis der Beamte die Daten weiter nach Brüssel gereicht haben....Der Verbindungsoffizier habe aber bis Ende Juli nichts unternommen." Was hätte er denn auch unternehmen sollen, da El Bakroui in die Niederlande ausgewiesen wurde? Das war den Brüsseler Behörden drei Tage nach dem 15. Juni 2015 bekannt. Der Verbindungsmann dürfte in der Türkei sitzen und dort sein "Arbeitsgebiet" haben. Vielmehr haben die Brüsseler Behörden über ein halbes Jahr lang geschlafen und den weiteren Weg des Terroristen, der ja ins direkte Nachbarland ausgewiesen wurde (dies wurde den Brüsseler Behörden sehr wohl bekannt gegeben), nicht weiter beobachtet.

26.03.2016 13:37 Henriette 5

Zitat:"Der Verbindungsoffizier habe aber bis Ende Juli nichts unternommen. Es habe keine weitere Kommunikation mehr gegeben." -------da stellt sich mir die Frage, welche Nationalität der Verbindungsoffizier hat? Wenn selbst in Frankreich Polizeibeamte sich weigern Synagogen zu bewachen oder an einer Schweigeminute für Terroropfer teilzunehmen. Aber diese Nachrichten sind wohl jetzt für Journalisten aus Deutschland, oder Deutschsprachigen Raum, nicht so interessant.

26.03.2016 12:00 mitteldeutscher 4

Wie hat unser Innenminister vor ein paar Monaten so schön gesagt. Ein Teil unserer Ermittlungen hatte die Bevölkerung nur verunsichert. Sicher haben die Belgier auch so gedacht.

26.03.2016 11:26 Volkmar 3

Hat man wieder einen den man die Schuld zuschieben kann. Es ist für mich einfach peinlich für die gesamte Sicherheit-, Außen- und Flüchtlingspolitik der EU! Merkel darf sich ganz vorn anstellen, Sie liebt es ja ein freundliches Gesicht zu machen.

26.03.2016 11:22 Zahlmeister 2

Langsam fragt man sich, handelt es sich hier nur um Pannen, Unfähigkeit oder gar um Korruption. Der Sitz der EU sollte nach Warschau oder Prag verlegt werden. Dort sind die Behörden sicher. Insbesondere Prag besitzt eine größere europäische Tradition, als Brüssel.

26.03.2016 11:01 optinator 1

EUROPA hat als Ganzes versagt. Ob in der Asylpolitik, der Terrorgefahr und vieler Anderer wichtigen Dingen. Hurra Frau Merkel und alle anderen Politiker. Hauptsache die Gurke hat eine bestimmte Größe und Form.