Larry Ellison küsst Pokal
Larry Ellison ist nicht nur mit seiner Software-Firma Oracle erfolgreich, er hat auch mit seinem Segel-Team schon viele wichtige Regatten gewonnen. Bildrechte: dpa

Oxfam-Bericht Acht Männer sind reicher als die halbe Welt

Anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos prangert die Hilfsorganisation Oxfam die wachsende soziale Ungleichheit an. Die Vermögensschere ist demnach größer als gedacht: Acht Superreiche kommen auf ein größeres Vermögen als zusammen 3,6 Milliarden Arme in der Welt. Oxfam macht auch Vorschläge, wie man gegensteuern könnte. Doch Kritiker halten die Studie für unwissenschaftlich.

Larry Ellison küsst Pokal
Larry Ellison ist nicht nur mit seiner Software-Firma Oracle erfolgreich, er hat auch mit seinem Segel-Team schon viele wichtige Regatten gewonnen. Bildrechte: dpa

Die acht reichsten Männer der Welt besitzen einer Studie zufolge mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Acht Milliardäre hatten demnach im vergangenen Jahr zusammen ein Vermögen von 426 Milliarden US-Dollar. Die 3,6 Milliarden ärmsten Menschen weltweit kamen auf insgesamt 409 Milliarden Dollar.

Die acht Superreichen sind danach Microsoft-Gründer Bill Gates mit 75 Milliarden Dollar, Amancio Ortega (Gründer der spanischen Modekette Zara), der US-Investor Warren Buffet, der mexikanische Unternehmer Carlos Slim, Amazon-Chef Jeff Bezos, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Larry Ellison (Oracle) und der US-Medienbesitzer Michael Bloomberg. Oxfam beruft sich bei der Auflistung auf Daten des Finanzkonzerns Credit Suisse und des Finanzmagazins "Forbes".

Reichensteuer wäre Korrektiv

Bill Gates und Frau Melinda
Reichster Mann der Welt ist Microsoft-Gründer Bill Gates. Seine Stiftung fördert auch humanitäre und Forschungsprojekte. Bildrechte: Getty Images

Die Schere zwischen Arm und Reich ist laut Oxfam nochmal deutlich größer geworden. Noch im Vorjahr entsprach das Vermögen der 62 reichsten Personen dem der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung. Neue Daten, besonders aus China und Indien, hätten aber gezeigt, dass die Ärmeren deutlich weniger besitzen als bislang angenommen.

Oxfam fordert in dem Bericht eine gerechtere Steuer- und Wirtschaftspolitik. Konkret heißt das: einen weltweiten Mindeststeuersatz für Konzerne, die Schließung von Steueroasen, Transparenz bei Gewinnen und eine stärkere Besteuerung sehr hoher Einkommen und Vermögen.

Das Kapital sitzt am Steuer - den Ärmsten bleibt der Wagenheber

Oxfam kam weiter zu dem Schluss, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Vermögens besitzt. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt nur 0,16 Prozent des weltweiten Vermögens. Illustriert wird das mit einem Vergleich: Wäre das Weltvermögen ein Kleinwagen, gehörte der Hälfte der Weltbevölkerung lediglich der mitgelieferte Wagenheber.

Auch in Deutschland ist das Vermögen dem Bericht zufolge sehr ungleich verteilt. Die 36 reichsten Milliardäre der Bundesrepublik kommen demnach zusammen auf knapp 300 Milliarden Dollar. Das entspreche in etwa dem Vermögen der ärmeren Hälfte in Deutschland. Ein Drittel des gesamten Vermögens in der Bundesrepublik ist Oxfam zufolge in der Hand von einem Prozent der deutschen Bevölkerung.

Kritik an Oxfam-Studie

An der Studie gibt es allerdings Kritik: In einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" heißt es, dass die Zahlen "ziemlich sicher falsch" seien. Die Studie sei nicht wirtschaftswissenschaftlich, benutze keine moderne Berechnungsmethode und vergleiche letztlich Äpfel mit Birnen.

Die Studie nehme Zahlen aus der sogenannten Forbes-Liste, die jährlich die reichsten Menschen der Welt aufzählt, und vergleiche diese mit dem Vermögensbericht der Schweizer Bank Credit Suisse. Alle Zahlen seien Schätzungen - wirklich belastbar und damit vergleichbar seien sie nicht. Zweifel an dem Bericht gab bereis in den Vorjahren, so monierten der britische "Economist" und das US-Portal "Vox" falsche Zahlen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 16.01.2016 | 9:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2017, 21:23 Uhr

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29 Kommentare

18.01.2017 10:34 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 29

@ 28:
Zitat "Der Reichtum des Einen beruht auf der Armut des Anderen."

Falsch! Das muß nicht unbedingt so sein. Aber wenn man das 'Soziale' der 'sozialen Marktwirtschaft' so vernachläßigt wie die Union die letzten 12 Jahre, bringt auch eine Hartz-IV-Reform nichts... bzw. wird der Vorteil daraus nicht auf die wirklich Bedürftigen verteilt, sondern nur zwischen den Gewinnern.

In den 1970ern gab es in der BRD mal ziemlich viele, die sich ihr Lächeln leisten konnten. Inzwischen wird weniger gelächelt, weil die Zähne einfach nicht mehr so gut aussehen...

17.01.2017 22:37 Ausgelernter 28

Man sollte immer wissen: Was der Eine hat, hat der Andere nicht. Heißt: Der Reichtum des Einen beruht auf der Armut des Anderen.

17.01.2017 16:14 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 27

@ 24. Peter Riesler:

Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch, daß z.B. Zuckerberg meines Erachtens sagte, daß er 'demnächst' oder auch noch 'etwas später' einen Teil seines Vermögens verschenken will... ein paar Hungernde hätten auch heute schon etwas davon...

17.01.2017 12:24 Eulenspiegel 26

Und ich denke bei man darf auch nicht außer Acht lassen wer diesen ganzen Reichtum nun eigentlich erwirtschaftet hat. Um es ganz klar zu sagen es waren nicht diese Millionäre, Multimillionäre und Milliardäre.

17.01.2017 09:21 karstde 25

@Sr.Raul 23: Das sehe ich genau so. Und wenn man diese auch liest und wie einige nicht nur interpretiert, kommt man zu dieser Erkenntnis.

17.01.2017 07:49 Peter Riesler 24

Schade, dass die Kommentatorin Barbara hier noch nichts hinterlegt hat.

In ihrer unnachahmbaren Einfältigkeit hätte sie auch hier geschrieben, dass die Linken daran schuld sind.

Schlimm auch, dass hier der eine oder andere Kommentator die Zahlen anzweifelt. * Es spielt absolut keine Rolle, ob das eine Prozent soviel wie die Hälfte oder "nur" ein Drittel der Weltbevölkerung besitzt. Es geht um das grundlegende Problem.

Es ist auch nicht erheblich, ob jemand von seinen Mrd. ein paar Krümel vom Tisch wirft, um sein eigenes Gewissen zu beruhigen.

Jemand sieht sogar die unterschiedlichen Fähigkeiten von Menschen als Ursache für die Ungerechtigkeit des unvorstellbaren Wohlstandsunterschiedes.

Der Kapitalismus ist sein eigener Totengräber und damit der gesamten Welt.

Ein "immer mehr an Wachstum" beschleunigt alles. Es hilft nur noch ein radikales Umdenken. Weniger ist das heutige "mehr".

17.01.2017 06:43 Sr.Raul 23

Es wird immer faszinierender, wie die Aktualität des 1867 erschienen Buches "Das Kapital- Kritik der politischen Ökonomie" einfach nicht weniger werden mag. Es deutet Vieles darauf hin, dass Marx, Engels und Co. am Ende des Tages, oder gar dieses Planeten?, mit ihrer Kapitalismuskritik als die Sieger in die Geschichte eingehen werden.

17.01.2017 01:40 frank 22

Keiner von den Reichen wird ärmer, wenn er anständige Steuern bezahlen würde. Viele wollen auch nicht soviel Geld besitzen, aber nicht immer aufs Geld zu schauen, oder wenigstens einen Job zu haben von dem man auch Leben kann, sollte jedem Menschen auf der Welt ermöglicht werden.

16.01.2017 22:54 Eulenspiegel 21

Ja“Wo geht es hin?“. Das ist eigentlich ganz einfach.
„Ein Drittel des gesamten Vermögens in der Bundesrepublik ist Oxfam zufolge in der Hand von einem Prozent der deutschen Bevölkerung.“
Das ist ein ungeheure Machtkonzentration auf ein Prozent der deutschen Bevölkerung das die wahrscheinlich jede Regierung stürzen könnte die ihr nicht passt. Auf jeden Fall stehlt das aber eine wirtschaftliche Macht dar an der keine Regierung vorbei kommt. Dem entsprechend sieh die Wirtschaftspolitik aus. Ein kleiner Literaturhinweis:
Sarah Wagenknecht, Reichtum ohne Gier.

16.01.2017 22:31 erfordix 20

Was machen wohl die Superreichen mit ihren Reichtümern, die sie nie und nimmer bis in die nächsten Generationen verbrauchen könnten? Es geht um Macht, um die Macht noch mehr Reichtümer anhäufen zu dürfen und die Politik und Demokratie ensprechend beeinflussen zu können. Nebenher gibt es es ein wenig Wohltätigkeit, was das öffentliche Ansehen steigert, insofern man öffentlich bekannt ist. Als Dominoeffekt sind natürlich die etwas weniger Reichen am Überbietungswettbewerb beteiligt, die eine Abwesenheit am realen Weltgeschehen und permannete Empathielosigkeit vorraussetzt. Denn die Armut von Vielen ist immer der Reichtum von Wenigen...