Auto rast in Charlottesville Virginia in Menschenmenge von Demonstranten
Mit hoher Geschwindigkeit rast das Auto eines 20-Jährigen in Charlottesville in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Bildrechte: dpa

Charlottesville in Virginia Tote nach Auto-Attacke auf Demonstranten-Gruppe

Am Rande einer Kundgebung von Rechtsextremisten in Charlottesville, Virginia, ist ein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten gerast. Eine Frau starb. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Das FBI ermittelt. Zuvor waren beide Seiten aufeinander losgegangen. Streitpunkt ist das Denkmal für einen Südstaaten-General des Amerikanischen Bürgerkriegs.

Auto rast in Charlottesville Virginia in Menschenmenge von Demonstranten
Mit hoher Geschwindigkeit rast das Auto eines 20-Jährigen in Charlottesville in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Bildrechte: dpa

Am Rande einer Demonstration von Ultra-Nationalisten und Rechtsextremisten ist in der US-Stadt Charlottesville im Bundesstaat Virginia ein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten gerast. Eine Frau wurde getötet. 19 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

FBI ermittelt gegen 20-Jährigen

Ein Auto dreht am 12.08.2017 in Charlottesville (USA) um, nachdem es in eine Gruppe von Gegendemonstranten fuhr. Ein Auto ist am Rande einer Kundgebung von Rechtsextremisten in der US-Stadt Charlottesville in eine Gruppen von Gegendemonstranten gerast.
Nach der Fahrt in die Menschenmenge legt der Fahrer den Rückwärtsgang ein und flüchtet. Bildrechte: dpa

Die US-Bundespolizei FBI übernahm die Ermittlungen. Der Fall werde als möglicher Verstoß gegen die Bürgerrechtsgesetze behandelt, teilte das FBI am Samstagabend (Ortszeit) mit. Als Verdächtigen nahm die Polizei einen 20-Jährigen in Gewahrsam. Er soll sein Auto vorsätzlich in die Gruppe von Menschen gesteuert haben, die gegen die Kundgebung der Rechtsextremen protestiert haben.

Ob der Verdächtige ein politisches Motiv hatte, war zunächst unklar. Augenzeugenberichte und Videoaufnahmen wiesen zuvor auf eine absichtliche Tat hin.

Heftige Prügeleien zwischen Demonstranten

Am Rande der Kundgebung verschiedener ultrarechter Gruppen war es in der Stadt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. Beide Seiten gingen mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschossen aufeinander los. Mehrere Menschen wurden verletzt. Außerdem starben zwei Polizisten beim Absturz eines Polizeihubschraubers. Die genauen Hintergründe waren zunächst unklar.

Wilde Schlägereien hatte es bereits Stunden vor dem eigentlichen Beginn der Kundgebung geben. Rechtsextreme in paramilitärischen Uniformen und Mitglieder antifaschistischer Gruppen gingen trotz eines massiven Polizeiaufgebots mit Schlagstöcken, Flaschen und Wurfgeschossen aufeinander los.

Ausnahmezustand verhängt

Demonstranten geraten am 12.08.2017 in Charlottesville (USA) aneinander.
Mit Stangen waren die Demonstranten aufeinander los gegangen. Bildrechte: dpa

Die Polizei trieb die Menge mit Tränengas auseinander und nahm gewalttätige Teilnehmer fest. Zudem räumte sie einen Park und untersagte die geplante Kundgebung der Rechtsextremen.

Der Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, machte die Neonazis für die Gewalt verantwortlich. Er und städtische Stellen riefen nach Ausbruch der Gewalttätigkeiten für Charlottesville den Ausnahmezustand aus. Eine solche Maßnahme erleichtert es, zusätzliche Sicherheitskräfte heranzuziehen, wenn dies für nötig gehalten wird.

Kritik von Trump und Sessions

US-Präsident Donald Trump verurteilte "diesen ungeheuerlichen Ausbruch von Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen Seiten". Auf Twitter schrieb er, alle müssten zusammenstehen und alles verurteilen, für das Hass stehe. Es gebe keinen Platz für diese Art von Gewalt in Amerika.

Trumps Kritiker – auch jene in der eigenen Partei – warfen ihm allerdings vor, sich nicht deutlich genug von den extremen US-Rechten zu distanzieren. Der Republikaner war im Wahlkampf auch durch die neonazistische Alt-Right-Bewegung unterstützt worden.

US-Justizminister Jeff Sessions übte scharfe Kritik an dem Gedankengut der rechten Marschierer in Charlottesville. "Wenn Rassismus und Hass zu solchen Handlungen führen, dann ist das Verrat an unseren wichtigsten Werten und kann nicht toleriert werden", erklärte er. Die Gewalt in Charlottesville treffe "das Herz von Recht und Ordnung in Amerika".

Protest gegen Abriss von Denkmal

Polizisten sichern Eingang zum Lee-Park in Charlottesville mit Denkmal von General Robert E. Lee
Polizisten sperren den Lee-Park mit dem Denkmal von General Robert E. Lee ab. Der Stadtrat will das Reiterstandbild abreißen lassen. Bildrechte: dpa

Zu der Kundgebung unter dem Motto "Vereinigt die Rechte" hatten unter anderem der Ku-Klux-Klan und die sogenannte Alt-Right-Bewegung aufgerufen, die neonazistisches Gedankengut vertritt. Sie wollten gegen den Stadtrat von Charlottesville protestieren.

Dieser hatte beschlossen, eine Statue von General Robert E. Lee zu entfernen. Der in Virginia geborene Lee führte im Amerikanischen Bürgerkrieg vor mehr als 150 Jahren die Truppen der Konföderierten. Wegen seiner zahlreichen Siege über Armeen der Nordstaaten sowie seinen Umgang mit den Soldaten wird er noch heute in vielen Südstaaten als Held verehrt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.08.2017 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2017, 09:30 Uhr

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64 Kommentare

16.08.2017 07:43 ralf meier 64

@GoodNightWhitePride: Hallo , in meinen Beiträgen kritisierte ich den Entschluss des Stadtrates, ein über 200 Jahre altes Denkmal abzureißen. Damit möchte ich in keiner Weise die Tat des Amokfahrers relativieren. Ich habe auch keinerlei Sympathien für Unmenschen, die den Holocaust begrüßen oder meinen , anderen Menschen als Weiße überlegen zu sein.Warum kritisierte ich also nicht nur die Gewalt der Rechtsextremisten? Ich betonte die Gewalt der Linksextremisten, weil diese in vielen Qualitätsmedien (nicht dem MDR) mit der auschlieslichen Betonung der rechtsextremen Gewalt schlicht unterschlagen wurde.
So kritisierte heuten morgen auf n-tv ein Reporter,
Herr Trump hätte behauptet, daß es auch linksextreme Gewalt gegeben hätte. ... als ob es die nicht gegeben hätte.
PS: Es war ein politisch korrekter Stadtrat, der mit seinem Abrissbefehl auch 'nur' konservativen Amerikanern ' ihren Patriotismus' nicht ausleben läßt.

16.08.2017 07:15 ralf meier 63

@Steffen GM Nr 60: Hallo Steffen, ich habe mich in meinem Kommentar Nr 58 ausschlieslich auf Ihren Beitrag Nr 57 bezogen. Leider vergaß ich, eine entsprechende Referenz anzugeben. Ihren dort genannten Vorwurf eines 'Georg-Betreuers' hatte ich schlicht nicht verstanden, weil Sie es auch versäumt hatten, auf den entsprechenden Kommentar zu verweisen. Deshalb meine Rückfrage. Konfrontiert habe ich Sie danach mit dem von Ihnen selbst im Kommentar 57 angedeuteten Vorwurf, ich würde behaupten 'Und der Stadtrat saß sicher noch selbst am Steuer..'.

Zu Ihrer Frage eine Rückfrage: Können Sie sich wirklich vorstellen, ich fände es in Ordnung , wenn jemand Menschen totfährt ?

15.08.2017 19:50 GoodNightWhitePride 62

Sowohl in den USA wie hierzulande versuchen rechtsextreme Gruppen die Tat zu relativieren und oder sprechen von "Fake News".

Diesen gezielt rechten Desinformationen sollte man entschieden entgegen treten und Klarheit schaffen.

Aufklären statt diskutieren!

15.08.2017 19:38 GoodNightWhitePride 61

Kurz vor dem Anschlag hatte der Fahrer des Fahrzeugs an der Demonstration teilgenommen.

Es existiert öffentliches Bildmaterial die ihn zwei Stunden vor der Tat inmitten der Neonazi-Gruppe "Vanguard America" zeigen, er hält ein Holzschild mit dem Logo der Gruppierung und trägt auch die passende Bekleidung.
Auch in bekannten Sozialnetzwerken fanden sich viele Hinweise die zur rechtsextremen Szene führten.

Zur Erinnerung:
Die Bundesregierung bestätigt in den Jahren 1990 bis heute, 75 Tötungsdelikte durch rechte Gewalt in Deutschland.

15.08.2017 17:18 Steffen GM 60

@ Ralf Meier: Zitat: “Sie regen sich rechtschaffen über Behauptungen auf, die nicht von mir kommen.“
Na dann können Sie mir doch kinderleicht erklären, warum SIE Ihrerseits MICH mit den Behauptungen eines User „GEORG“ in Nr. 31 konfrontieren und nicht den Absender selbst??? Also mit „Behauptungen die nicht von mir kommen". Sehr seltsam! Gestatten Sie mir an dieser Stelle die Frage: Wie steht es also wiederum um des Herrn Meiers Fantasie?
Sie können, und das halte ich Ihnen ungeachtet dessen aufrichtig zu Gute, bei Ihren vielen 24/7 Kommentaren auf der MDR-HP immerhin immer bei den jeweiligen Themen bleiben, und verfallen nicht in sonst übliches, billiges Derailling-getrolle.
Also, erlauben Sie mir folgende Frage zum genannten Vorfall: Finden Sie es in Ordnung, wenn wie oben geschildert, Neonazis ohne weiteres Menschen totfahren?

15.08.2017 17:03 GoodNightWhitePride 59

Die in den USA aufgetretenen Rechtsextremisten, die unter anderem mit Hakenkreuzflaggen und somit auch den Nationalsozialismus glorifizieren (somit auch die Massenmorde an dass jüdische Volk im zweiten Weltkrieg), offen "White Power" Abzeichen tragen und somit Menschen mit schwarzer Hautfarbe hassen, KKK Anhänger die etliche Morde von Schwarzen auf ihrem Konto haben, offen Homosexuellenhass leben... diesen Menschen geht es nicht um eine Statue die sie sich eigennützig und als Symbol ihrer "Macht" instrumentalisiert haben, auch nicht um Heimatgefühle oder Tradition. Diese Menschen hassen alles was nicht in ihr selbstkunstruiertes und totalitäres System passen. Eine Parallelgesellschaft die nicht fähig ist ihre Interessen friedlich zu lösen oder ihren Patriotismus ausleben zu können, ohne damit andere Mitmenschen zu dämonisieren, rassistisch oder nationalistisch zu sein.

15.08.2017 14:20 ralf meier 58

Georg- Betreuer? Ihre Fantasie geht etwas mit Ihnen durch. Und der Stadtrat saß sicher noch selbst am Steuer'. ?
Sie regen sich rechtschaffen über Behauptungen auf, die nicht von mir kommen.

15.08.2017 09:31 Steffen GM 57

@55: Netter Versuch vom Georg-Betreuer. Und der Stadtrat saß sicher noch selbst am Steuer, als „Initiator“, Herr Meier. Glaskugel mal wieder putzen!

15.08.2017 08:45 ralf meier 56

@Username vergeben nr 46: Sie finden: 'Deshalb lässt sich diese Ideologie (die der Rechtextremisten), der die physische Vernichtung des politischen Gegners immanent ist, auch mit keiner anderen vergleichen.

Der gestrige Moderator scheint da Ihrer Meinung zu sein. Er gestattete es sich, gleich zwei Rückmeldungen, in dem ich auf weitere Ideologien mit der gleichen unangenehemen Einstellung hinwies, nicht freizuschalten.

15.08.2017 08:41 ralf meier 55

Steffen GM Nr 54: Die Sklaverei wollte General Lee wohl kaum abschaffen. Trotzdem stellt sich die Frage, warum ein Stadtrat das Denkmal nach 200 Jahren abreißen will. Man stelle sich vor. in Deutschland würden alte Denkmäler je nach politischer Opportunität mal von der einen und mal von der anderen Seite abgerissen. Es bleibt dabei. Diese brutale Auseinandersetzung zwischen Links- und Rechtsextremisten wurde von einem politisch besonders korrekten Stadtrat initiert. Er trägt dafür die Verantwortung.